Wie geht es weiter in Griechenland?

Morpheus ⌂, Mittwoch, 08.07.2015, 12:48 (vor 3848 Tagen)9905 Views

Hallo Forum,

ist ja recht still geworden zu diesem Thema hier im Forum.

Wo sind denn die ganzen Verfechter vom "Sieg der Demokratie"? Guter Sieg!


Die EU zieht die Daumenschrauben an. Sie setzt ein Ultimatum, was da heißt, am Sonntag wird entschieden. Sprich die ELA-Nothilfen werden ab Montag gestrichen, wenn es bis dahin keine Einigung gibt. Ich denke ein richtiger Schritt, denn diese Hängepartie zerstört den Rest der griechischen Wirtschaft endgültig und irreversibel. Deshalb muss ein Ende her. Egal ob mit oder ohne Schrecken.

Derweil werden von Griechenland fleißig sämtliche Gerüchte zu einer Parallelwährung dementiert. Die müsste jedoch kommen, wenn die Banken ab Montag dann gar nichts mehr auszahlen können.

Der T. ist ja schon fast niedlich, wenn er immer noch vor dem Europaparlament argumentiert:

Ziel eines neuen Hilfsprogramms müsse sein, die Belastungen für die Bevölkerung gerechter zu verteilen. "Arbeitnehmer und Rentner können keine zusätzlichen Lasten akzeptieren", sagte Tsipras. Die bisherigen Programme seien zur Rettung der Banken verwendet worden. "Sie kamen nicht beim Volk an", sagte er. "Mit keiner Reform wurde die Funktionsfähigkeit der Staatsmaschine verbessert."

Diese absolute Blindheit und dieses Leben in einer offensichtlich völlig anderen Welt hat inzwischen schon etwas geradezu gespenstisches. Wie kann ihm nur so völlig entgehen, dass er gerade dem gesamten Land die Lebensgrundlage entzieht.
Dass er Arbeitnehmer und Rentner ganz direkt mit dem totalen Chaos konfrontiert, scheint er einfach nicht mehr wahr zu nehmen. Da geht es nicht mehr um eine schmerzliche Verschlechterung, sondern um den völligen Kollaps.

Das gesamte Staatsumfeld ist offensichtlich schon so eingebildet im "ständigen nehmen", dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, dass da wirklich gar nichts mehr kommen könnte. Dieses andauernde "Forderungen stellen und die Hand aufhalten, aber eigene Beiträge konsequent zu verweigern" ist in dieser Situation für mich einfach grotesk.

Wenn ich das so richtig einschätze bereiten die Griechen wahrscheinlich wirklich keine Parallelwährung vor. Sie wollen ja doch in jedem Fall im Euro bleiben. Sie pokern bis zur letzten Minute und fallen entweder in letzter Sekunde um, verbunden mit anschließendem Rücktritt oder sie stehen dann Montag völlig nackig da, ebenfalls verbunden mit Rücktritt.

Ich denke, die EU wird die Drachme gedruckt haben und am Montag als "Akt der humanitären Hilfe" einfliegen. Damit die armen Rentner irgend ein Geld bekommen können. Weil die eigene Jetzt-nicht-mehr-Regierung sie sonst verhungern lassen würde.

Ich weiß ehrlich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Normaler Weise würde mir in erster Linie die Bevölkerung leid tun, weil sie für diese Situation eigentlich nichts kann. Aber nach der Abstimmung vom letzten Sonntag, fällt mir selbst das wirklich schwer.

Mein Bei- und Mitleid an alle Griechen, die am Sonntag mit JA gestimmt hatten aber leider nicht genug ihrer Landsleute überzeugen konnten, es ihnen gleich zu tun.
Wobei es für eine Mehrheit sicher immer schwer ist, gegen die "eigene Führung" und deren Aufruf zu einen "nein" zu stellen. Dafür ist Führung ja eigentlich da, damit man sich einfach hinter sie stellen kann.

Welche Schuld T und V auf sich geladen haben, wird die Geschichte sehr schnell zeigen, wenn sie nicht doch noch zur Vernunft kommen und vor dem Rücktritt umfallen und unterschreiben. Sie sollten es für die Arbeitnehmer und Rentner tun.

Bin auf Eure Meinungen gespannt.

Grüße
Morpheus

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