Ihre islamophobe Propagandaliteratur besteht aus viel heißer Luft
Hallo Herr Ulfkotte
Sie sind mMn ein reiner Propgagandaschreiber und versuchen die Leser mit vielen Einzelgeschichten/-anekdoten zu beeindrucken und zeichnen übertriebene Angstszenarien und teilweise auch ein völlig verzerrtes Bild. Mit Wissenschaft hat das eher weniger zu tun sonder es Ihr ganz persönlicher Kreuzzug.
Ich schließe mich der Politik- und Islamwissenschaftlerin Julia Gerlach an, welche Ihre Herangehensweise als „hysterisch“ und „präjudizierend“ bezeichnet, die den wissenschaftlichen Diskurs nicht fördert.
Da ich auch als Pädagoge in Brennpunkten in Berlin tätig war, kann ich Ihre Darstellungen in vielerlei Hinsicht nicht bestätigen
Denn natürlich durfte bei Ihnen auch die klischeehafte Mär vom gewaltbereiten Muslim nicht fehlen.
(Ihre „70% jugendlichen muslimischen Straftäter in Neukölln").
Das bestätigen allerdings weder Studien zur Jugendkriminalität noch meine praktischen Erfahrungen, die ich mit muslimischen Jugendlichen hatte/habe.
Schaut man sich die Straftäter näher an, lässt sich kein Zusammenhang zwischen Religion oder Ethnie herstellen. Ganz im Gegenteil, religiöse Jugendliche begehen eher weniger Straftaten als andere. (Die ideologisch überzeugten Täter, welche eine sehr kleine Minderheit sind mal außen vor).
Vielfach herrscht auch die Meinung, dass das kulturelle Klischee - dass man sich als Mann durch Gewalt Respekt verschaffen muss, also kulturelle Männlichkeitsrezepte, die Hauptursache sind.
Doch solche Vorstellungen findet man typischerweise bei jungen Männern, die gesellschaftlich marginalisiert sind, die in einer sozialen Randlage leben und anderweitig wenig Anerkennung erfahren. Doch je mehr die Jugendlichen gebildet sind, desto weniger tauscht dieses Phänomen auf.
Ich kenne einfach zu viele verschiedene Muslime hier in Berlin, als dass ich mir ihre Klischees aufschwätzen lassen würde. Und ich denke, die Mehrzahl der Deutschen sind ebenfalls meiner Meinung. Seltsam, dass gerade in Leipzig und Dresden, wo es so gut wie keine Muslime gibt, sich eine große Bewegung gegen die „angebliche Islamisierung" organisiert und alle Angst haben, und hier in Berlin hingegen nicht. Ganz einfach, weil die Berliner Alltagserfahrungen mit Muslime haben und zu einem differenzierteren Bild kommen, als sie es vermitteln.
Dann fragt man sich, woher kommt die Angst in Dresden vor Muslime und dem „Morgenland", wo es dort kaum welche gibt? (ca. 0,4%) - auch übrigens wieder solche typischen polarisierenden Unsinnsbegriffe: Morgenland-Abendland, als ob es DIE typische abendländische Kultur unabhängig von der morgenländischen geben würde.
Eine Kategorisierung nach Religion und Ethnie ist unzulässig. Sie müssten schon genauer die Hintergründe der Kriminalität erforschen. So weit ich das beurteilen kann, sind es überwiegend soziale und individuell ganz verschiedene Motive (negatives Selbstbild, wenig Bildung und keine Perspektive, Diskriminierungserfahrungen, Gewalterfahrungen in der Familie u.a.), die dahinter stehen und nicht nur religiös motivierte Motive, wobei die jugendlichen Gewalttätigen sich dann gerne auch den Parolen der Hassprediger in einigen Moscheen bedienen bzw. leicht manipulierbar sind und oberflächlich auf die angebliche kulturelle Überlegenheit des Islams über die westliche aufsitzen. Kommt man aber tiefer ins Gespräch, bemerkt man, dass
sie oftmals gar nicht wissen, wovon sie eigentlich sprechen und nur oberflächliche Sprüche von sich geben und auch den Koran kaum gelesen haben.
Gibt man Ihnen jedoch eine Perspektive und Bildung, wenden sie sich schnell ab von dieser Ideologie. Nur wenige Jugendliche/junge Männer sind „tief religiöse" ideologische gewalttätige Überzeugungstäter oder haben überhaupt den Koran gelesen.
Es bringt also wenig Erkenntnis, bestimmte typische religiös/kulturell motivierte Einzelfälle zu aggregieren und diese dann zu pauschalisieren- ganz zu schweigen von den konfliktfreien, konstruktiven interreligiösen Begegnungen zwischen Kirchen- und Moscheengemeinden, welche zeigen, dass auch verschieden Kulturen friedlich nebeneinander zusammenleben können.
Einen Zusammenhang zwischen stärkerer Religiosität und häufigerer Gewalttäterschaft gibt es nicht, auch nicht bei muslimischen Jugendlichen, Punkt.
Zudem machen Sie den Fehler, den Islam überwiegend als eine einheitliche Religion darzustellen. Doch der Islam ist kein monolithisches Gebäude, sondern ein äußerst heterogen und auch innerhalb der Muslime gibt es kontroverse Debatten über die Auslegung des Koran.
Die meisten Muslime hier in Berlin, die ich aus meinem Umfeld kenne, sind friedlich und legen den Koran für sich friedlich aus. Die wollen von diesen ganzen ideologischen Schlammschlachten gar nichts wissen.
Diese Kritik trifft es in meinen Augen sehr gut:
Bei der Suche nach Beispielen greift Ulfkotte – wie bereits angedeutet – nicht nur im hohen Maß auf deckungsgleiche zurück, sondern kramt auch äußerst banale Belege für die Niederträchtigkeit des Islam heraus. In Großbritannien fühlte sich eine Familie beispielsweise gesegnet, da sie eine Tomate besaß, in der der Name Allah zu lesen war (88). Es ist Ulfkotte zu danken, dass er auf diese und ähnlich skandalöse Umstände aufmerksam macht.
Weniger lustig wird es, wenn Ulfkotte radikal vereinfacht und künstlich Angst erzeugt. Mehrfach im Buch ist zu lesen, dass es überall, wo viele Muslime leben, die gleichen Probleme gebe: „Messerstechereien, Drohungen, Pöbeleien, Inländerfeindlichkeit“ (z.B. 27). Oder an einer anderen Stelle klärt uns Ulfkotte dankenswerterweise auf, warum viele britische Muslime gegen den Afghanistan-Krieg sind. Klar, alles Taliban-SymphatisantInnen (48f). Und wer verkauft eigentlich an kleine Kinder Drogen, vergewaltigt „unsere“ Frauen und betrügt den Sozialstaat? Bei der NPD und Konsorten ist es einfach „der Ausländer“ - Ulfkotte differenziert da ein bisschen mehr: Nicht der Ausländer per se ist schuld, sondern hauptsächlich die islamischen AusländerInnen. Ausgleichend merkt Ulfkotte exemplarisch im Kapitel über Dänemark jedoch auch folgendes an: „Es gibt natürlich auch viel Positives über die nach Dänemark zugewanderten Mitbürger zu berichten: Sie schaffen Arbeitsplätze bei Richtern, Anwälten und in Gefängnissen.“ (160)
Aber Ulfkotte weiß, dass hetzerische Verallgemeinerungen nicht allein ausreichen, um den Hass gegen das Fremde zu schüren. Zum Hass gehört naturgermäß auch eine ausreichende Portion Angst – gewissenhaft wird diese kübelweise geliefert. Gefühlte einhundertmal erwähnt der Autor, dass fast alle west-europäischen Länder in zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren islamisiert seien – also mehr Muslime als Christen beherbergen. Gewürzt mit dem einen oder anderen Zitat von nicht sehr einflussreichen Islamisten wie Scheich Green, der den Muslimen der Welt dazu rät, „die westlichen Staaten durch ein Baby-Boom der Muslime zu islamisieren“ (34), lässt sich Angst und Hass verschärfen.
Mit sonnigen und vielfältigen Grüßen