Je nach Bundesland sind unterschiedliche Strategien erforderlich (edit)
Hallo Positiv,
ich lebe in NRW in einem kleinen Dorf mit regelmäßiger Aktivität hinsichtlich Schützenfest, Karneval und sonstigen Anlässen, die Gelegenheit zum Besäufnis bieten. Insoweit weiß ich, wovon du sprichst.
In der Tat ist die Lärmschutzverordnung von NRW drastisch zu Gunsten der Betroffenen geändert worden. Ein Veranstaltungssaal musste sich dem in höchster Instanz vor dem Verwaltungsgericht beugen und die Aktivitäten sind seitdem drastisch runter gefahren worden.
Den Anstoß gab die Klage einer Person, die nunmehr von der Dorfbevölkerung geächtet wird. Je kleiner die Gemeinde ist, desto weniger kann bei solchen Sachen Anonymität gewährleistet werden und das ist mit massiver Ausgrenzung für jene Personen verbunden, bis hin zur Sachbeschädigung und Morddrohung.
Seit dem Chaos bei der Love-Parade in Duisburg wurden übrigens die Sicherheitsauflagen bei Großveranstaltungen bis in die Absurdität hinein verschärft (Maurer-Schema). Die Genehmigung von Großveranstaltungen liegt im Verantwortungsbereich der Gemeinde (Stadtverwaltung).
Hier kann der Hebel angesetzt werden und über entsprechende Anfragen hinsichtlich der "Sicherheit" die konsequente Umsetzung gemäß Maurer angefragt werden. Das ist ein sauberer Ansatz, denn er kreist um die "gute Sache" – schließlich geht es ja darum, Menschenleben zu retten und bei eventuellen Eskalationen genügend Wach- und Rettungspersonal vorzuhalten.
Dieses Personal wird in der Regel von den lokalen Rettungsdiensten bereit gestellt und auch gegenüber dem Veranstalter abgerechnet. Viele Vereine sind dann nicht mehr in der Lage, die der Vorschrift entsprechenden Rettungskräfte zu bezahlen und setzen ihre Feste eine ganz Runde kleiner an oder verzichten ganz.
Ich bin sicher, dass in deinem konkreten Fall die Umsetzung nach den aktuellen "Empfehlungen" des Maurer-Schemas noch nicht bis in die letzte Konsequenz hinein umgesetzt wurde und Spielraum nach oben besteht.
Deine Strategie könnte also darin bestehen, erst einmal die aktuelle Situation hinsichtlich der "Sicherheit" bei der genehmigenden Behörde anzufragen. Als "besorgter" Bürger begibt man sich damit in eine verantwortungsvolle Position. Begründen kann man die Anfrage mit Beobachtungen von Verletzten, die unversorgt in Seitenstraßen gefunden wurden oder mit einem brennenden Mülleimer. Auch mal an die Presse berichten, die fragen ihrerseits gerne bei der Verwaltung nach, ob die Vorschriften korrekt angewendet wurden.
Merke: Unversehrtheit der Person und Brandschutz wiegen mehr als Lärmbelästigung und sind quasi die "Nazikeule", mit der du Großveranstaltungen dauerhaft über die Kosten des Veranstalters torpedierst.
Strategische Empfehlung: Kontakt zu den Verantwortlichen suchen, vordergründig mitmachen, auch mal was spenden (speziell an die Freiwillige Feuerwehr). Das Thema Lärm verschweigen. Als "U-Boot" erreichst du mehr. Die folgende Festivität bietet dir eine exzellente Möglichkeit, die Strukturen "von innen heraus" zu evaluieren und auszuwerten. Auch wenn es dich um den Schlaf bringt, ist diese Strategie erfolgreicher als jede Maßnahme "gegen den Lärm".
In diesem Sinne: Sicherheit geht vor!
Beste Grüße vom
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.zip