Macht.

BillHicks ⌂, Wien, Sonntag, 18.12.2016, 00:41 (vor 3373 Tagen) @ Odysseus3562 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 18.12.2016, 13:36

Hallo Odysseus,

Es packt einen die Wut, wenn man sich vorstellt, wo wir sein könnten,
wenn all diese Gelder zur Verfügung der Bürger stehen würden.

Was wäre denn sinnvollerweise zu tun, wenn man diese Umstände in ihrer Bedeutung erfasst?
Zurück zum Nationalstaat?
Kann ein Nationalstaat bei supranational festgeschriebener Kapitalverkehrsfreiheit sich wirksam wehren?
[Wir gehen davon aus die politischen Eliten des einzelnen Staates wollten tatsächlich.
Demjenigen Wähler, der gleich auch noch jene Eliten in politische Ämter wählt, die selbst von diesem status quo der Steuervermeidung, d.h. von multijurisdiktionalen Organisationen, profitieren ist freilich ohnehin nicht zu helfen.]

Also: Ich bin dafür, wir versuchen konsequent zu sein. Warum nur zurück zum Nationalstaat...? Wir sollten es gleich richtig machen: Wir sollten Google, Facebook, GS, JPM, amazon, IKEA, multijurisdiktionale Immobilienbuden etc. einfach gleich mit den lokalen Gemeindeverwaltungen regulieren. Das wird suuuuper.

Freilich während wir Kapitalverkehrsfreiheit und eine internationale Währung haben. Das wird gaaaaaanz, ganz toll. Schöööön regional und so. Also quasi fast gaaaaanz ohne den pöhsen Staat. Nur eine Gemeindeverwaltung. Am besten machen wir dann noch ein bisschen direkte Demokratie und vielleicht ein bißchen Vollgeld und Freigeld und ein bisschen Bodenreform und so. Das wird einfach nur toll, toll, toll.

Paradiesisch.

Nein: idiotisch.

Wir brauchen eine echte europäische Republik. Warum? Weil es originär europäische res publica gibt: originär europäische öffentliche Angelegenheiten.
Wir brauchen eine europäische Position, die von europäischen Institutionen vertreten werden kann. Wir brauchen eine Diskussion um ein europäisches Verfassungsrecht. Wir brauchen eine verdammte europäische Regierung, die den Namen verdient. Eine, die überhaupt die Chance, weil das Pouvoir, hat solchem Steuervermeidungstreiben ein Ende setzen zu können (man kann den eigenen global Playern dann immer noch Zuckerdeals anbieten, machen die Amis ja auch Stichwort Delaware. Aber sie KÖNNTEN anders, wenn sie WOLLTEN. Die Europäer KÖNNEN Stand heute institutionell gar nicht anders!). Ein einzelner Nationalstaat kann das nicht mehr. Der europäische Binnenmarkt aber ist nach wie vor DIE größte Volkswirtschaft der Erde. Hat aber:
- keine Regierung
- kein Parlament
- kein Militär
- keinen gemeinsamen Nachrichtendienst
- ...
Kurzum: ist keine Republik, die sich um res publica kümmern könnte. Wen wundert's ernsthaft, dass in einem solchen Gebilde solcher Wahnsinn möglich ist?

Freilich muss auch innerhalb der einzelnen europäischen Staaten ein Haufen state building erfolgen. Das ist nicht leicht. In Europa hat das zuletzt vor mehr als 100 Jahren halbwegs erfolgreich hingehauen. Es kann sich keiner erinnern. Die funktionierenden "Demokratien" sind sämtlich bereits auf existierende Staaten draufgesetzt worden. Wo es keinen modernen Staat (d.h. z.B. eine meritokratische, unpersönliche Verwaltung) gibt, nützt es nichts "freie Wahlen" abzuhalten. Daraus entsteht gar nix. Außer Mafiagebahren, das entsteht von allein. Da stehen enorme Aufgaben an.

Wir fangen am besten gestern damit an.

Schöne Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.


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