Die Sünden des Erfinders
Hallo Inventor,
ich habe mich ein Wenig mit der Systematik des Erfindens beschäftigt und bei fast allem, was Sie schreiben, kommt mir immer wieder die „erste Todsünde“ des Erfinders in der Kopf, die da lautet:
Erfinde nie eine Lösung für ein Problem, die komplizierter ist als das Problem selbst. Das gilt für ihren Zweitakter (vergl. mit der Eleganz einer Kurbelwelle), genauso wie für ihr Kraftwerk. Denn warum solch einen Aufwand betreiben, wenn man es ohne großen Aufwand auch auf der Oberfläche bauen kann? Nur um Geothermie effektiver zu nutzen? Die Aufwand-Nutzen-Rechnung sieht hier katastrophal aus. Selbst wenn man da unten 10 Stück 750 MW-Dampfturbinen rein packen würde, dann wäre der Output im Vergleich zum Gesamtverbrauch immer noch vernachlässigbar klein. Der Arbeits- und Kostenaufwand aber gigantisch.
Die zweite Sünde ist, den tatsächlichen Nutzen nicht klar und verständlich herauszuarbeiten. Wo ist der eigentliche Nutzen? Keine Kühltürme mehr, die den Blick auf die Natur trüben? Ist diese Vorgehensweise so flexibel, dass sie sich problemlos an den wachsenden Energiehunger anpasst, sie quasi „mit skaliert“? Oder einfach nur die Tatsache, dass Erdwärme genutzt wird? Die Aussage mit der Eiszeit ist zwar nett, taugt aber nur als Gag nebenbei.
Die dritte Sünde ist, sich keine Gedanken über die Natur des Menschen zu machen, der da immer denkt: Was habe ich davon? Ja, was hat der Investor von ihrer Idee? Locken ihn Gold, Ruhm, Reichtum? Oder hat er nur vage Versprechen, keine ordentliche Energiebilanz (wie bereits angesprochen wurde) und die Aussicht auf einen eventuellen Totalverlust zusammen mit einem unkalkulierbaren Risikoanteil? So etwas kann sich aus gutem Grund nur ein Staat leisten, der sein Kapital aus Steuern schöpft und dem Verluste nicht weh tun.
Mich persönlich wundert es nicht, dass Ihnen auf Ihre Mails und Anfragen niemand antwortet. Wenn Sie ihre Ideen wirklich realisieren wollen, dann empfehle ich dringend, sich einen Partner zu suchen, der etwas von Wirtschaft und Vermarktung versteht.
Und weil hier Elon Musk als Vorbild angesprochen wurde, wie hat er seine Investoren ins Boot geholt? Mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft? Das glaubt doch wohl niemand ernsthaft.
Er hat wohl auch in etwa dies gesagt: Ich erfülle mit Tesla Motors die Anforderungen von „Zero Emisson“, verkaufe euch meine Treibhausgas-Kontigente und ihr könnt ruhig weiter arbeiten und erfüllt ebenfalls automatisch die kommenden Regelungen. So werden wir beide reich. Mir ist es egal, ob jemand meine Autos oder Batterien kauft, die echte Kohle mache ich mit dem Emissionshandel.
SO bekommt man Investoren.