Gerechtigkeit herrscht erst dann, wenn alle Nichts haben
Ich bin insofern selbständig, dass ich mit kaum Startkapital ein
Geschäft angefangen habe (direkt nach der Schule), und wahrscheinlich mehr
Geld in meinem Leben "verdient" habe, als manch ein Außenstehender
annimmt. "Angestellter Lohnsklave" war ich nie, kann aber deren Positionen
sehr gut verstehen.
Das kapitalistische System ist und bleibt sehr ungerecht.
Das ist richtig. Einige haben Nichts (aber das hatten sie schon vorher, vor Entstehung des Kapitalismus), viele haben Etwas (das sie vorher nicht hatten), wenige haben Viel (wie vor Entstehung des Kapitalismus).
Klarer Fall, das ist ungerecht, so ungerecht, dass es danach schreit, Gerechtigkeit herzustellen nach dem alten Wahlspruch:
Fiat justitia et pereat mundus!
Es soll Gerechtigkeit werden, und wenn darüber die Welt zugrundegeht.
Gerechtigkeit ist erst dann erreicht, wenn alle Nichts haben und aufhören zu wirtschaften.
Sobald jemand beginnt zu wirtschaften, und sei es auch nur, wenn einer Saatgut einsammelt, nicht um es zu verzehren, sondern um es auszusäen, damit er nächstes Jahr ernten könne, tritt bereits Ungerechtigkeit ein.
Dem einen sein Saatgut gedeiht hervorragend und wirft reiche Ernte ab, während dem anderen sein Saatgut aus irgendwelchen Gründen nicht aufgeht oder von Mäusen und Sperlingen gefressen wird.
Ist das gerecht? Statt Saatgut kann man genausogut Existenzgründungskapital einsetzen. Der eine erbt was, der andere nicht, der eine bekommt Bankkredite, der andere nicht, der eine findet per Zufall die optimale Lage für sein Geschäft, der andere nicht.
Lauter Ungerechtigkeiten. Kann man Wirtschaften also überhaupt zulassen, wenn es automatisch zu Ungerechtigkeiten führt?
Gruß Mephistopheles
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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc