„Firnis der Zivilisation“ ist eine Verdrehung von Ursache und Wirkung

Silke, Sonntag, 31.01.2016, 12:08 (vor 3661 Tagen) @ azur4219 Views
bearbeitet von Silke, Mittwoch, 03.02.2016, 14:22

Lieber azur,

danke für die Sachlichkeit in deinem Post.
Eine klitzekleine Facettenverschiebung (falls ich dich nicht falsch verstanden habe):

Es ist, beunruhigenderweise gerade in jüngster Zeit, immer wieder von der
"dünnen
Firnis der Zivilisation
" die Rede, die geprägt ist von Einsichten
(Überzeugtsein vom dem Sinn der Normenbefolgung, der Regelungen und des
staatlichen Gewaltmonopols) sowie dem Zwang zur Rechtsbefolgung (ebenfalls
ein Begriff der Rechtssoziologie), wie in der Rechtssoziologie breit
diskutiert wird.

Fromm hat gerade in diesem Buch schön dargelegt, dass Menschen keine geborenen kriegslüsternen Bösewichte sind (leider ist die enthaltene Fernanalysen von Adolf H. sehr gewagt, um nicht zu sagen misslungen – ansonsten ein lesenswertes Buch).
Zivilisation ist kein „dünner Firnis“ sondern nach W. Reich ja wohl die Panzerung, die systemische Gewalt gegen Gleiche erzwingt und ermöglicht – also nicht die Lösung sondern das Problem.
Über der Panzerung ist die Maskierung, die uns Zivile emotionsarm und oberflächlich kommunizieren lässt.
Darum würde ich eher W.Sofsky in abgewandelter Form folgen:
Zivilisation stiftet Gewalt… stiftet Zivilisation...
Nicht der Mensch an sich ist das Problem sondern seine aktuell misslungene Organisationsform, die keine menschlichen Regulationsmechanismen und Problemlösungen mehr erlaubt – Das Übergewicht der Psycho/Soziopathen.

Man versucht es sich halt zu erklären (ohne zu rechtfertigen, wie sich
sicher versteht). Auch um heraus zu bekommen, wie sich was vermeiden lässt
usw. Das ist sicher Teil des normalen gesellschaftliche Diskurses (und wir
tragen ja den Kopf nicht umsonst mit uns herum). Einige Teile der
Gesellschaft werden vermutlich schneller nervös und handeln, als andere.
Und einige Dinge mehr aufregen, als andere. Damit beschäftigt sich ja auch
die Kriminologie.

Gesellschaft ohne systemische Gewaltanwendung gibt es nicht.

"Die Ordnung unserer Kultur ist auf Eroberung und Gewalt ausgerichtet, was auch ihr historisches Erfolgsrezept ist. Dies findet ihren Niederschlag dann in der Wirtschafts- und Geldordnung und insbesondere im Eigentum, was vor allem eine Eroberungsbelohnung ist."
Taratonga
http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=340110

Liebe Grüße
Silke


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