Neuer Versuch

Revoluzzer, Dienstag, 19.01.2016, 09:11 (vor 3655 Tagen) @ Falkenauge1726 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 19.01.2016, 09:17

Lieber Falkenauge,

das ist etwas angestrengt dialektische Begriffsakrobatik.

Uhh, das schmerzt...

Also, ich probiere es noch mal:

Ich widerspreche Deiner These, dass es einen "Verlust des Glaubens" gibt.

Jede Generation muss sich seine eigene Glaubensform erschaffen. Die "alte" Kirche ist nie der Glaube von "heute". Das Christentum hat nun bereits sehr viele Formen durchlaufen, deshalb emergierte "heute" eine Form des Christentums, die sich durch ein Zugleich von Ablehnung und Bejahung des C. kennzeichnet.

Die Beliebigkeit der Moderne ist aber gar keine Beliebigkeit.

Oder anders formuliert: Die Gesellschaft verfolgt heute mit gleicher Inbrunst Abweichler von der propagierten Moral, die heute noch so viel eine christliche ist, wie immer schon, wie die Hexen im Mittelalter usw. Und wir begehen als Gesellschaft im Namen unseres Glaubens Verbrechen, die denen unserer Vorfahren in gar nichts nachstehen: Abtreibungen, Kriege, Umweltzerstörung (im Namen des Glaubenssatzes des Umweltschutzes! Man denke an die Missionare, die die Ureinwohner im Namen Gottes "beglückten" usw.)

Es hat sich nur die Form des Glaubens verändert, er hat sich sozusagen unsichtbar gemacht, damit er weiter wirken kann.

Ich würde übrigens auch der Aussage von den "gläubigen Massen" im MA insofern widersprechen, dass wir diese gläubigen Massen exakt genau so heute haben.

Weiter: "Rationalistische Zersetzung". Nein, ganz und gar nicht. Vielmehr haben wir die Ratio bemüht, um das, was uns der Glaube eh sagt, jetzt auch von der Immanenz her begründen zu können.

Freiheit, Menschenrechte? Ist theologisch nichts anderes, als dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und daher kein Mensch befugt ist, "die Würde des Menschen" zu verletzen (denn das hieße ja Gott angreifen).

Usw.

Was uns in der Tat verloren gegangen ist, ist die Möglichkeit unsere Glaubenssätze als Religion zu kritisieren. Aber genau das sind unsere Glaubenssätze, die sich der Ratio bemühen, um sich gegen Kritik zu immunisieren: Nichts weiter als Glauben.

Das ist übrigens auch der Kern der islamischen Herausforderung: Menschen können einfach andere Dinge glauben - und sich dann die Wirklichkeit nach ihrem Glauben zurechschustern.

Wir machen es genauso!

Und wir kotzen heute genauso über die Ungläubigen, wie unsere Vorfahren...

...

Jetzt muss ich leider aufhören, weil Arbeitssklave muss ja Geld verdienen...

Herzlich,
Revo.


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