Die Krise des kirchlichen Christentums

Falkenauge, Montag, 18.01.2016, 10:17 (vor 3656 Tagen)3473 Views

Mal zur Abwechslung etwas Kulturkritisches, das aber doch auch mit der erlaubten Invasion islamischer Immigranten zu tun hat, sozusagen ihre Rückseite darstellt.

Es geht um den Verlust des christlichen Glaubens und die zunehmende gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit der christlichen Kirchen, deren Mitglieder schwinden.

Die Ratlosigkeit gegenüber zentralen Glaubensinhalten, ja, ihre rationalistische Zersetzung hat aber auch viele Repräsentanten der Kirchen selbst ergriffen. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz sagte z. B. kürzlich über die evangelische Kirche, sie habe Angst vor den eigenen Glaubenswahrheiten und möchte um keinen Preis rechtgläubig sein:

„Man lässt sich zwar noch von der Jesus-Geschichte rühren, vor allem an Weihnachten. Aber vom Jüngsten Gericht will niemand mehr etwas hören. Aus Gott ist der liebe Gott geworden. Und aus Jesus ist ein guter Mensch geworden – gewissermaßen ein Integrationsbeauftragter höherer Ordnung. Aber wer den Lehrer und Sozialarbeiter Jesus lobt, will den Erlöser Christus verdrängen.“ Die Kirche ersetze „den Skandal des Gekreuzigten zunehmend durch einen neutralen Kult der Menschheit“. Durch diesen „Verrat am Kreuz“ bleibe nur „die Sentimentalität einer unrealistischen Menschenfreundlichkeit“. Statt der Botschaft vom Kreuz bekomme man viel zu hören „über die unzähligen kleinen Kreuze dieser Welt wie Hunger, Flüchtlingselend, Arbeitslosigkeit, Klimakatastrophe“. „Der Pfarrer tritt immer häufiger als Gutmensch auf – und das heißt in der Sprache des Neuen Testaments: als Pharisäer. Dabei missbraucht er seine Predigt für einen sentimentalen Moralismus.“

Betrachtet man das Problem kultur- und bewusstseinsgeschichtlich, muss man sich sagen, dass der Verlust des Glaubens das Ergebnis einer allmählichen Veränderung des Bewusstseins des Menschen ist, die ohne sein Zutun geschehen ist. Alles unterliegt der Entwicklung, auch das Bewusstsein. Ja, in ihm spielt sich die primäre Entwicklung ab, aus der erst alle großen gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen hervorgehen. Denn der Mensch kann nur das in einer bestimmten Weise schaffend aus sich heraussetzen, was jeweils an entsprechenden empfindungs- und gedankenmäßigen Anschauungen in seinem Bewusstsein lebt. Dies zu durchschauen ist von fundamentaler Bedeutung. Wir sehen in der Geschichte in den wechselnden Kulturen, den Staaten, Religionen, Bauten, Kunstwerken die Ausprägungen dessen, was aus der jeweiligen Verfassung des Bewusstseins der Menschen hervorgegangen ist. Es sind sozusagen die äußeren Fußspuren ihrer inneren seelisch-geistigen Entwicklung, die sich in ihrem Bewusstsein spiegelt. So wie das charakteristische architektonische Bauwerk in der griechischen Epoche der dorische Säulen-Tempel, im Mittelalter die aufstrebende Kathedrale war, ist es heute das kubische Warenhaus.

Weitere Überlegungen hier.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.