Frueher hat mich das schwer geaergert ...
Ich sass am Tisch im Restaurant und guckte offenbar so, als haette ich schon seit langem gegessen.
Irgendwann erschrickt die Bedienung dann, am krassesten ... wenn sie kassieren kommt und ich sage "ich warte eigentlich drauf, dass ich bestellen kann ... Speisekarte waere dafuer ganz praktisch".
Dann ... bestelle ich und ... sie vergisst es sofort wieder.
Irgendwann fragt sie, ob es geschmeckt hat ... dann erschrickt sie wieder.
Dann, manchmal: "... tut mir leid, aber ... XYZ ist mittlerweile leider aus - moechten Sie ..." - ja, moechte ich ... kommt dann aber was ganz anderes.
Oder es kriegt ein anderer Gast, der viel spaeter kam. Und der noch gar nicht bestellt hat und es im Trubel gerne nimmt (ist mir waehrend der Olympischen Spiele in Muenchen passiert, als ich durch Muenchen mit dem Motorrad fuhr und wir in ein brechend volles Dach-Restaurant mit sicher ueber tausend Gaesten gingen. Nach langem Warten ein Tisch frei. Nach langem Warten Bestellung. Nach langem Warten kriegen meine Kumpels nach und nach ihr Essen. Nach weiterem Warten sehe ich den Kellner, wie er auftaucht, desorientiert guckt und dann irgendjemand was auf den Tisch stellt. Beim Abkassieren will er mir das Essen berechnen. Ich sage, "ich hab' ja gar nix gekriegt". Daraufhin er wieder diesen verschleierten Blick ...).
Habe mich dann damit befasst, das trainieren die Spezialtruppen. Sich innerlich leer machen. Dann neben einen Baum stellen. Die Voruebergehenden sehen einen nicht, wenn sie nicht ausgerechnet ueber die Schuhe stolpern.
Habe ich dann mal am Waldweg zu einem beliebten Ausflugslokal ausprobiert. Extra bunt angezogen.
Als ungefaehr der dritte Rentner fast einen Herzinfarkt kriegte, musste ich das Experiment abbrechen.
Typische Frage: "Wo kommen Sie denn ploetzlich her?" - "Na - ich stand doch die ganze Zeit da." - "Unmoeglich!" Usw.
Mit der Zeit und der Reifung habe ich dann erkannt, dass das ganze sehr von Vorteil sein kann. Im Restaurant habe ich das mittlerweile im Griff und bei sonstigen Bestellungen achte ich drauf, dass ich bei z.B. einer (telefonischen) Bestellung irgendwas einbaue, damit es Rueckfragen, mindestens innerhalb der Firma, gibt. Das sorgt meistens dafuer, dass man's merkt und ... irgendwann liefert.
Du hast manchmal echt gute Weisheiten parat... kannst Du die mal alle in komprimierter Form zusammenfassen?
Danke fuer die Blumen. Tja, ich merke das immer nur, wenn das Thema drauf kommt, leider. Manches geht in Fleisch und Blut ueber. Und andersrum: grade die Tarnkappe funktioniert nicht, wenn man dran denkt.
Das krasseste Erlebnis war, als ich wegen einer kleinen Unpaesslichkeit als Kind behandelt wurde und dann anschliessend eine Woche spaeter zur erneuten Nachuntersuchung einbestellt wurde.
Damals war das noch so, dass man sich einfach in ein ueberfuelltes Wartezimmer setzte und geduldig wartete, bis alle "Der Naechste bitte!" abgearbeitet waren und man selber uebrig blieb. Wartezeiten von mehreren Stunden waren bei diesem Chaos so normal, dass man sich nicht wunderte. Ich kam so ungefaehr um zehn, vor mir gingen eine Familie mit fuenf Kindern die Treppe hoch. Die Sprechstundenhilfe machte die Tuer auf, eine echte Matrone mit -damals grossen- 1,80 oder mehr und wedelte alle Kinder, so auch mich, ins Wartezimmer. Dass sie dabei von den Eltern die Daten erfragte und also dort eine namentliche Warteschlange existierte, bekam ich nicht mit.
Nach vielen, vielen "Der Naechste bitte" kam's mir komisch vor, weil nun Leute drankamen, die nach mir gekommen waren. (Auch die fuenf Kinder waren schon laengst wieder weg.) Aber auch das kannte ich - das waren in andern Praxen meist die fest vorbestellten und die Privatpatienten.
Da ich nicht lange zuvor bei einem HNO-Arzt vierzehn Stunden gewartet hatte (morgens um acht Uhr bestellt, dreimal heimgeschickt "Kleiner, wenn Du was essen willst, fahr' nochmal nach Hause, komm' gegen 14:00 wieder", dann dasselbe mit Abendessen, Untersuchung schliesslich um 22:00 Uhr etwa! Da ich das also alles nicht ungewoehnlich fand, sass ich abends um 20:00 Uhr immer noch in diesem Wartezimmer - mittlerweile allein. Es wurde dunkel. Ich machte das Licht an. Draussen hoerte ich einen Staubsauger. Dann wurde es ruhiger. Dann ging die Tuer einen Spalt breit auf, eine Hand kam herein, schaltete das Licht aus. Eine Minute spaeter machte ich das Licht wieder an, immerhin hatte ich mein Buch noch nicht fertig gelesen.
Kurze Zeit spaeter ... Tuer Spalt breit auf, Licht aus. Ich ... Licht wieder an. Da kommt, einen Arm halb im Mantel, eine entgeisterte Putzfrau und erschrickt sich: "Wo kommst Du denn her?" - "Ich warte hier seit zehn Uhr. Bin zur Nachuntersuchung bestellt."
Sie den Arzt zuhause angerufen. Der einen neuen Termin gemacht ... und ich solle doch zuerst am Tresen vorsprechen.
Nun ja, ungestoerter habe ich selten gelesen.
Was man am Thema Blackout alles stattdessen fuer Erinnerungen pflegt ...
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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