Olivia und modesto:
Das mit den Lehrlingen ist eine Sache für sich. Das kann man schlecht mit Asylanten vergleichen.
Jetzt ist die Lehrlingsausbildung eine Art besonderes Steckenpferd für mich. Deshalb muß ich aufpassen, dass ich mich in einer einschlägigen Diskussion darüber nicht heiß rede. Was letztlich auch deshalb passieren kann, weil ich (zwangsläufig) immer nur von unserm Beruf (Garten- und Landschaftsbau) ausgehe und eben keinen Einblick in andere Berufe habe. Dann so aus dem Bauch heraus zu verallgemeinern, wird höchstwahrscheinlich in die Hose gehen.
Ich habe auch in D ausgebildet, als ich meinen Betrieb noch dort hatte. Nun will ich nächstes Jahr damit anfangen, hier in Siebenbürgen (RO) auszubilden, im dualen System. Natürlich kann man D nicht mit RO vergleichen. RO ist in dieser Richtung Entwicklungsland. Wenn sich da was in Sachen Ausbildung bewegt, dann von Seiten der Deutschen und der Österreicher.
Von Olivia hab ichs nicht mitgekriegt, - bei modesto wars offensichtlich die Kochlehre. Aber beide Kommentatoren sind selbständig. Dadurch gehe ich davon aus, dass beide wissen, was der Kampf an der Front bedeutet. Soll ja manche geben, gerade spezielle Arbeitnehmer, die der Meinung sind, dass ein Betrieb eine wunderbare Einrichtung darstellt, weil da ein Faß irgendwo im Hintergrund existiert, in das man immer nur hineingreifen braucht, um bei Bedarf herauszuholen, und das niemals leer wird.
Ich war bei der Lehrlingsausbildung - zugegeben - ein Extrem. Ich habe immer wesentlich mehr verlangt als meine Berufskollegen. Oftmals hat man mich deshalb im Prüfungsausschuß kritisiert.
Um das nur an einem Beispiel zu demonstrieren: Das Berichtsheft ist für mich ein wichtiger Faktor. Darin müssen nicht nur die ausgeführten Tätigkeiten aufgeschrieben, sondern auch erklärt werden, damit man merkt, ob der Lehrling den Vorgang auch verstanden hat. Was abschließend dazugehört, ist das Festhalten der notwendigen Zeiteinheit, - nämlich in der Form, aufzuschreiben, wielange eine Arbeitskraft unter normalen Umständen benötigt, um ein bestimmtes Gewerk ordnungsgemäß fertigzubringen.
Meine Kollegen waren immer der Meinung, dass der Lehrling eigentlich nur wissen muss, wie es geht, - aber ich hielt da immer dagegen. Schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft, und das ist nach dem Prinzip der Physik nun mal Arbeit pro Zeiteinheit. Es kann einer noch so schön irgendwas vollbringen, wenn er das nicht in einer bestimmten Zeiteinheit vollbringt, die man von ihm erwartet, dann steht er auf der Straße, - und wenn er noch so gut arbeitet.
Deshalb gehört es auch zu meinem Stolz, dass meine Lehrlinge entweder selbständig oder als Meister in einem größeren Betrieb angestellt wurden. Natürlich ist es in der heutigen Zeit schon von der Logistik her schwer, so "nebenbei" Lehrlinge auszubilden. Viel zu oft gerät das eigentliche Ausbildungsprogramm ins Hintertreffen, die Lehrlinge werden als billige Arbeitskräfte verwendet und/oder die Lehrlinge selbst haben nichts als Flausen im Kopf.
Dem bin ich - wieder in der Kritik meiner Berufskollegen - so begegnet, das ich generell keine Lehrlinge unter 18 Jahren eingestellt habe. Dieses Alter ist für mich eine Art "Halbwegs-Voraussetzung" dafür, dass es eine gewisse Festigung in der Berufswahl sowie der persönlichen Zukunftseinschätzung gibt. Wobei das heute auch nicht mehr gilt. Dazu habe ich generell keine Mädchen ausgebildet. (was bin ich denn für ein Chauvi...grauenhaft)
Allerdings wußte ich auf die oftmals gestellte Frage:"Was soll denn dann mit den 15-Jährigen geschehen, die aus der Hauptschule kommen und noch keine 18 sind?" auch keine Antwort.
Um Einiges zu erklären: Unser Beruf hängt vornehmlich mit Heben und dem Tragen schwerer Lasten zusammen. Deshalb (betreff 18 Jahre) ist für mich eine der Voraussetzungen, dass der Körper eine gewisse physische Reife hat. Klar wächst der Mensch bis ca. 24 Jahre, das weiß ich auch. Aber mit 14 oder 15 hat jemand beim Tragen von Zementsäcken wesentlich schlechtere Karten als mit 18. Jetzt gehn wir mal zum Pflasterlegen. Da sind ca. 100 m² pro Tag bei 3 Leuten eine Durchschnittszahl. Das bedeutet, dass da so an die 10 Tonnen Steine durch die Hände gehen. Die Biologie einer Frau ist dafür nicht gemacht. Wenn sie das eine längere Zeitlang durchzieht, kann sie irgendwann ihre Gebärmutter wegschmeißen.
Ich hatte mal so eine Art "Mannweib", die mich laufend gebettelt hat, ein 6-wöchiges Praktikum bei mir zu absolvieren. Letztlich habe ich dann nachgegeben, weil sie so hartnäckig war. Sie hats auch durchgehalten, Aber am Schluß gestand sie schon, dass sie froh war, dass es vorbei ist.
Was ich noch dazusagen muß, ist meine Einstellung, dass ein Lehrling oder ein Praktikant generell alles mitmacht und vor allem selbst macht, was der Arbeitsvorgang eben grade erfordert. Um beim Beispiel Zementsack zu bleiben: Der Lehrling wird nicht dazu verwendet, um auf der Baustelle jedem Kollegen den Zementsack brav vor die Füße zu legen, - aber er wird auch niemanden dazugestellt bekommen, der ihm den Zementsack trägt, den er für seinen Arbeitsablauf benötigt.
Ich hab jetzt Jahrzehnte nicht mehr ausgebildet, - nun, nach dem Erreichen bestimmter Ziele und der Überzeugung, dass man nach 50 Jahren an der Front doch einiges im Hirnkasten vorhält, was man den Jüngeren mitteilen kann, - zumal ich immer noch einen guten Draht zu Jugendlichen habe - habe ich umstrukturiert.
80 % der Belegschaft gehen nun stempeln, die paar Wenigen von den Besten habe ich mir behalten. Hängt auch damit zusammen, dass diese 80 % immer geglaubt haben, dass ich mir mit ihrer Arbeitskraft eine goldene Nase verdiene. Auf die Idee, dass ich das hauptsächlich mache, damit sie was zu Beißen haben, kamen sie gar nicht. Dass ich mit Expertisen, Bauüberwachungen und Fachberatungen wesentlich mehr - und vor allem leichter - verdiene, auch das kapieren sie nicht. Wie schön es ist, als Betrieb vom Sozialversicherungsträger in die Schublade "ferner liefen" gelegt zu werden, - auch das wissen sie nicht.
Dadurch - und nur dadurch - bin ich in der Lage, meinen "Traum" von der Art der Ausbildung so zu verwirklichen, wie ich mir das vorstelle. Wenn ich noch in der Tretmühle wäre, immer noch den Aufträgen nachzujagen, damit meine Heinis was zu tun haben den ganzen lieben Tag, - dann ginge das nicht.
So aber werde ich mein Pilotprojekt nächstes Jahr in Angriff nehmen, - was 10 Lehrlinge pro Jahr bedeutet. Das heißt, dass ich generell 30 Lehrlinge mit meinen Mitarbeitern zu betreuen habe, wenn man von drei Lehrjahren ausgeht.
Billige Arbeitskraft? Mitnichten. Die bekommen die beste und vor allem umfangreichste Ausbildung, die man sich vorstellen kann. Am Ende steht da nicht nur ein Facharbeiter, sondern bereits ein Vorarbeiter. Aber das kostet. Zumal es in RO keine Berufsschulen gibt und ich das alles (auch die Lehrer) selbst finanzieren muß.
Und jetzt kommt der Hammer: Ausbildungsvergütung - gibts nicht. Im Gegenteil: Der Spaß kostet bei mir ca. 50 € pro Monat. Und das drei Jahre lang. Dafür sind da auch Dinge dabei, die üblicheweise nicht dazugehören, - wie z.B. das Erlernen der deutschen Sprache, oder der Führerschein Klasse B.
Anmeldungen habe ich schon genügend, - und warum? Weil die Kerle dann mit ca. 1600 € pro Monat brutto anfangen, - und in spätestens 3 Monaten die Ausbildungskosten wieder kompensiert haben.
Klar, - alles kein Modell für Deutschland, - aber für mich und meine Vorstellungen. Die Zeiten werden schlechter und vor allem härter. Nur die Besten kommen durch und behaupten sich. Und die, die dann durch meine Hände gegangen sind, werden die Besten sein.
Warum erkläre ich das so ausführlich: Nicht das Geld ist bei einer Ausbildung ausschlaggebend, - aber die Qualität. Deswegen kann man die Asylanten nicht mit einem Lehrling vergleichen.
Und noch was, Olivia:
Auf die dämliche Auskunft, so ein junger Mensch könne doch auch ruhig mal eine Zeit lang ohne Versicherungen sein, bin ich gar nicht mehr eingegangen.
Ich geh doch davon aus, dass Du Deine Kinder liebst. Hoffentlich gehörst Du nicht zu denjenigen, die ihre Kinder so erziehen, dass sie trichterförmig in die Hände der Weißkittel getrieben werden. Meine Kinder wurden so erzogen - und haben sich in weiterer Folge so informiert und verhalten - dass sie genau wissen, was für ihr Wohlbefinden so wie ihre Gesundheit gut und was schlecht ist.
Natürlich kennen sie viele natürliche Methoden, - vor allem die Selbstbeobachtung. Der Zufall will es, dass ich die meisten Heilpflanzen und deren Wirkung kenne und auch anwende. Es sind schon mehr als 30 Jahre, seit dem ich keine KV mehr habe. Denn ich habe vor, weiterhin gesund zu bleiben, und ich weiß auch, wie ich das mache.
Es ist müßig, hier darüber zu sprechen, und es würde auch den Rahmen sprengen. Aber jeder, der will, kann sich informieren. Das Internet gibt alles her.
Vergiß niemals das geflügelte Wort, das man in Siebenbürgen kennt:
"Dir tut was weh, also geh halt zum Arzt, - der Arzt will ja auch leben...
Der Arzt schreibt dir dann ein Rezept, - mit dem geh zum Apotheker, denn der will ja auch leben...
Wenn du dann heimkommst, dann wirf die Tabletten schnell ins Klo, - denn selbst willst du ja auch leben...."
Das alles kann nur verrückt klingen, - stimmts?
Aber ich weiß, wovon ich spreche,
- Gruß Helmut