Kann ich bestätigen - Lehrlinge unter Tarif ausgebeutet

modesto, Freitag, 31.07.2015, 10:06 (vor 3828 Tagen) @ Olivia6626 Views

Guten Morgen Olivia,

durch unsere Vergangenheit auch als Gastronomen haben wir viele Kontakte noch und es geht dort ab, gerade in den "guten Häusern" wie bei Sklavenhaltern.

Ein Mädchen, kommt jetzt nach den Ferien ins 3. Lehrjahr, verdient als Köchin netto 340 Euro. Es wird deutlich unter Tarif bezahlt - und das bei einer Kette, die zur Schörghubergruppe gehört, also nicht die Ärmsten.

Spätdienst ab 17.00 Uhr - bis Schluss
Mitteldienst ab 15.00 Uhr - bis Schluss
Frühdienst ab 9.00 uhr - bis Schluss

Da Lehrlinge die Küche saubermachen und teils noch Vorbereitungen für den nächsten Tag tätigen, ist "Schluss" zwischen Mitternacht und 1.00 Uhr.
Danach fährt kein öffentliches Verkehrsmittel mehr, so dann manche quer durch die Stadt nach Hause laufen in der Nacht bei jedem Wetter.

Arbeitsklamotten müssen selbst bezahlt werden.
Wobei eine Kochhose mit ab 30 Euro zu Buche schlägt und die Jacke ab 40 Euro zu haben ist.
Auch Schuhe, Messer, Vorbinder - alles muss von dem Minilohn selbst bezahlt werden.

Das Phänomen, welches Du beschreibst - die Solidarisierung mit dem Aggressor - ist uns wohlbekannt.
Man hört "Na wenn sie doch so viel zu tun haben, ich kann meine Kollegen nicht im Stich lassen."

Verletzungen während der Arbeitszeit werden nicht dokumentiert als Betriebsunfall. Aus Angst machen alle das Spiel mit.

Der Hype um den Beruf Koch im TV hat dazu beigetragen, dass die jungen Leute alles in Kauf nehmen, um so einen anerkannten Beruf zu erlernen.

Doch muss ich aus Erfahrung leider auch sagen, dass unser damaliges Personal, welches behandelt wurde wie Kinder einer italienischen Großfamilie, uns dies dankten mit Schlampigkeit, Aufmüpfigkeit, Diebstahl, Joint in der Umkleide etc.

Wir haben 2 mal Lehrmädchen aus solchen Sklavenschmieden übernommen und sie bei uns die Ausbildung fortsetzen lassen.
Eine fing sofort ein Verhältnis an mit beiden Köchen - Drama ohne Ende und in der Küche wurde nichts mehr gearbeitet.
Die andere, die wir sogar in einer kleinen Wohnung auf unsere Kosten erstmal untergebracht haben, da ihr Anfahrtsweg so lang war, kam mittags regelmäßig mit dicken Augen auf Arbeit und übergab sich dauern auf dem WC, da sie sich nach der Arbeit bis morgens in die Disko begab, um sich richtig zuzudröhnen.

Bei uns war es ja so "lieb und locker", dass sie jeglichen Ehrgeiz aufgab, was vernünftiges zu lernen - sie ließ sich erstmal so richtig gehen.

Vorher waren beide ebenfalls in 10-12-Stundenschichten ausgebeutet worden und spurten.

Beide haben es nicht geschafft, ihre Lehre fertigzumachen und gingen vorher ab.

Wir haben uns dann bei der IHK als Ausbildungsbetrieb streichen lassen.
Uns fehlte wohl die Härte, andere Gastronomen meinten, wir wären zu menschlich, dies würde mit Schwäche verwechselt werden. Nun ja..

Alles Gute für Deine Tochter, sie wird sich wieder erholen!

Viele Grüße und ein erholsames Wochenende mit Deinen Lieben
wünscht modesto


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