Es braucht den Sparer - Staat sammelt Gelder über Anleihenprogramme ein, die bereits vorher im System vorhanden sein mussten

Silberengel, Donnerstag, 04.06.2015, 12:32 (vor 3878 Tagen) @ Beo23619 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 04.06.2015, 13:04

Banken benötigen dein Geld nicht, um es dem Staat weiterzuverleihen. Im
Gegenteil, sie benötigen Dich, damit sie Dir ihr von ihnen selbst
geschöpftes Geld leihen können. Sie können nämlich zusammen mit der ZB
(oder auch ohne sie) Geld in beliebigen Mengen kreieren. Alles, was sie
dazu brauchen, ist eine Kreditsicherheit von Dir und genug Eigenkapital, um
Mithaften zu können. Das wurde im DGF auch schon tausendmal erklärt.


Hallo Beo


@Calbaer hat es schon mal gesagt: Die meisten Oeknomomen glauben immer noch, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes haette einen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung, weil sie noch in Kategorien der Tauschwirtschaft denken. Wenn man das Geld schneller umlaufen liesse, also Guthaben staendig aufscheuchen koennte, dann wuerde die Wirtschaft brummen. Das ist aber debitistisch gesehen Unsinn, denn nur der Kredit treibt das Wirtschaften an.


Und das hatte ich Dir auch versucht im vorherigen posting, klar zu machen, worauf Du nicht eingegangen bist.

Ohne Kapitalmarktsparer z.B. würde überall Knappheit herrschen.
Das liegt auch daran, dass Unternehmer erst verzögert ihre Vorfinanzierungskosten (selbst bei Vollauslastung der unternehmerischen Ressourcen) amortisieren können. Er kann ja die anderen Kosten nicht einfach einstellen.

Es werden also im System permanent Verbindlichkeiten aufgebaut, damit die Wirtschaft reibungslos funktionieren kann. Die Sparer gleichen hier die Knappheit aus, indem sie ihre Guthaben zur Verfügung stellen, die bei sofortiger Verauslagung (durch Konsum) nicht dorthin kommen würde, wo Vorfinanzierungsbedarf ist.
Nur ein Teil der Unternehmer hat genug Eigenkapital, um aus eigenen Reserven (ohne Fremdkapital) zu investieren- Dazu muss ein Unternehmen sich aber erst über viele Jahre am Markt bewährt haben.

Die Frage ist ergo, wie die Überschüsse aus den Haushalten sich also verteilen würden auf sämtliche Unternehmen im globalen Markt


Zudem herrscht in einem Konkurrenzsystem immer Unsicherheit auf dem globalen Markt und irgendwo Knappheit.
Es werden also auch zwangsweise Rücklagen gebildet. Unternehmer müssen ihre Investitionen erst planen und halten Überschüsse zurück.

Dazu kommen die verschiedenen Präferenzen der Haushalte, wie ich Dir bereits dargestellt hatte.
Also Haushalte sparen an für größere Anschaffungen und halten Guthaben zurück.

Irgendwo stockt es also immer, weil nicht alle im Gleichschritt wirtschaften.

Dadurch muss laufend Geldguthaben geschöpft werden, was Banken aber ohne Sparer nicht unbegrenzt könnten. Sie können nicht aus nullfristigen Giralguthaben z. B. zehnjährige Kredite zaubern.

Aber selbst wenn alle Überschüsse immer jährlich verausgabt würden, wird es sich irgendwo auf dem globalen Markt akkumulieren und kommt nicht rechtzeitig immer dorthin, wo es gebraucht wird. Da wir nicht eine große universelle Einheitsbank haben, brauchen auch Banken Sparer zur Refinanzierung für die Fristentransformation, um ihren (vor allem langfristigen) Kreditrahmen zu planen. Damit meine ich nicht nur Festgeldsparer sondern auch Kapitalmarktsparer
(Bankschuldverschreibungen wie Pfandbriefe, Bankanleihen).

Auch der Staat sammelt Gelder über Anleihenprogramme ein, die bereits vorher im System vorhanden sein mussten und über private Verbindlichkeiten entstanden sind.
Das hat @Ashitaka hier sehr gut dargestellt.


Den Zusammenhang mit dem Giralgeld habe ich Dir (durch Erkenntnisse hier im Forum) versucht zu erklären:

Die Nichtbanken (Pensionsfonds, Versicherungen u.a. Treuhänder.) kaufen zwar die Anleihen nicht direkt beim Staat mit ihrem Giralgeld, sondern sie sammeln (Giral-)Guthaben der Kunden ein und kaufen auf dem Sekundärmarkt. Das wickelt natürlich die Bank ab, weil der Bondmarkt mit Zentralbankgeld abgewickelt wird. Also die arbeiten mit ihren jeweiligen Hausbanken zusammen.

Die Bieterbanken hingegen kaufen auf dem Primämarkt ebenfalls auch im Auftrag von Nichtbanken (eigene Kunden,Fremdkunden) oder i.A. von anderen Banken. Und diese Banken wiederum kaufen Staatsanleihen i.A. ihrer Kunden (Sparer). Und somit schließt sich der Kreis zum Sparer.

Bein Kauf durch einen Nichtbank (Pensionsfonds etc.) wird das Giralgeld dann ausgebucht (verschwindet) und die Anleihen gehen ins Wertpapierdepot. Dadurch entsteht bei der Bank eine s.g. Bilanzverkürzung.

Die Überschüsse (für die Anleihen-Auktion) bei den Bieterbanken sind entweder nullfristig oder sie leihen sich Geld dafür bei der Zentralbank gegen Hinterlegung eines Titels, welchen sie durch Weiterverkauf dann wieder zurückkaufen können.

Wenn die Bieterbank vorhat, die Anleihe selbst im Depot zu halten (z. B. 10 Jahre), dann kauft sie die Anleihe natürlich mit nullfristigen Überschüssen und kann sich danach das Geld nicht bei der Zentralbank besorgen, weil diese a) nur befristete Repogeschäfte (und nicht für 10 Jahre) macht und b) der Zinskoupon der Anleihe geschmälert würde.


Habe ich mich her geirrt? Dann bitte genau darstellen, wie es anders sein sollte

Sollten Banken also tatsächlich dem Staat per Saldo! Geld leihen - was
ich bestreite - so können sie sich in vollem Umfang über Kredite der ZB
(Repogeschäfte) oder auf dem Interbankenmarkt refinanzieren. Die ZB
kann nicht Nein sagen, denn sie hat für ausreichende Liquidität im System
zu sorgen,

Darum geht es nicht. Es geht auch um die Fristen.
Und Refinanzierung auf dem Interbankenmarkt ist i.d.R. sehr kurzfristig.
Banken refinanzieren sich dafür langfristig am Kapitalmarkt, um langfristige Kredite z. B. Immobilie) zu geben, wo sich der Kreis dann wieder zum Sparer schließt.

egal ob es auch nur einen einzigen Sparer bei irgendeiner Bank
gibt oder nicht gibt[/b].

Nein. Banken müssen sich refinanzieren sowohl im Interbankenmarkt ALS AUCH beim Sparer.
Und selbst Überschüsse, welche Banken am Interbankenmarkt an andere Banken verleihen, stammen mitunter auch vom Sparer. Banken haben schon ihre Gründe, warum sie verzinsliche Festgeldverträge anbieten. Wozu sonst diese Umstände und Kosten?

Durch Sparer bleibt das Zentralbankgeld im eigenen Haus und fließt nicht ab.
Egal ob Hausbank oder Investmentbank, beide können nur operieren über die Sparer.
(Ausnahme ist der Eigenhandel).

Natürlich hast Du auch recht, dass eine große Menge an Überschüssen von Zentralbankgeld im System durch die Hinterlegung von Staatsanleihen im Rahmen von Rückkaufgeschäften entsteht.

Doch Banken würden viel weniger Staatsanleihen kaufen, wenn kein Bedarf seitens der Sparer (Pensionfonds, Versicherungen etc.) vorhanden wäre.

Und natürlich hast Du recht, dass es keinen Mangel an Zentralbankgeld gibt, weil die EZB immer ausreichend dafür sorgt, dass kein Mangel entsteht (vor allem zum gegenwärtigen Zeitraum).

Doch die Refinanzierung nur über den Interbankenmarkt reicht nicht aus, für ein längerfristiges Kreditpotefolio. Wie haben doch in der Krise sehr gut beobachten können, was passiert, wenn „aus kurz lang gemacht wird". Das kann ganz schnell nach hinten losgehen.
Zudem sind durch Basel III mWn die Liquiditätsverordnungen strenger geworden.

Sonnige und sparende Grüße

Silberengel


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