Sparquote im Verhältnis zu BIP & Gesamtverschuldung (edit.)
Sparquote und realer BIP-Zuwachs sind verschiedene Größen (Äpfel mit Birnen)
Das nominale BIP ist die Quelle aller Einkommen. Ohne BIP, keine Einkommen.
Das BIP und damit auch alle Einkommen (aus Erwerbstätigkeit) müssen von der produzierenden Realwirtschaft vorfinanziert werden. Wird ein Teil der Einkommen gespart, entstehen der Realwirtschaft Einnahmeausfälle. Das heißt wiederum: sie kann ihr Kostenvolumen nicht mehr aufrecht erhalten und muss schrumpfen .. und zwar genau um den gesparten Betrag, wodurch natürlich auch das Einkommensvolumen schrumpfen muss - vorausgesetzt, die systemische Gesamtverschuldung bleibt konstant.
Damit es zu keiner Schrumpfung des BIP kommt, muss die systemische Gesamtverschuldung mindestens um den gesparten Betrag erhöht werden, damit die Realwirtschaft ihre kostendeckenden Einnahmen erhalten und damit auch ihre Wi.leistung (BIP) refinanzieren kann. Das heißt also: Allein um das BIP und damit auch das Einkommensvolumen auf gleicher Höhe halten zu können (= bei Null-Wachstum), muss die systemische Gesamtverschuldung um den gesparten Betrag wachsen.
Wächst aber die systemische Gesamtverschuldung steiler als das BIP (= Schaffung von Realgütern) und damit auch das Einkommensvolumen aus Erwerbstätigkeit, muss das System früher oder später wegen Überschuldung kollabieren.
Meiner Meinung nach muss die Netto-Sparquote stetig und langsam bis auf die Höhe der BIP-Wachstumsrate gesenkt werden.
Was heute gespart wird, sind monetäre Anteile am zukünftigen Güterausstoß zu Marktpreisen, Der Güteroutput leitet sich wiederum aus der Produktivität ab.
Nein. Was "heute gespart wird", ist die nun fehlende monetäre Grundlage des Güterausstoßes in der unmittelbar nachfolgenden Wi.periode, denn der Güterausstoß mus ständig aus den Verkaufserlösen (Einnahmen) refinanziert werden .. falls die systemische Gesamtverschuldung konstant bleibt.
Das Sparen führt also zwangsläufig zu ausbleibender Kostendeckung (Einnahmen) und nicht ausreichender Refinanzierung der Wirtschaftsleistung. Jemand muss sich zusätzlich verschulden und einkaufen gehen, damit die Wi.leistung auch nur auf gleichem Niveau aufrecht erhalten werden kann.
Je nachdem, wieviel von diesen monetären gesparten Anteilen in Güter umgewandelt werden, daraus ergibt sich dann das BIP zu den Preisen x.
"Monetär gesparte Anteile" können nicht "in Güter umgewandelt werden", solange das gesparte Geld nicht netto! entspart wird. In Güter umgewandelt können selbstverständlich ausschließlich die Einnahmen der Unternehmen .. es sei denn, die Unternehmen stocken ihre Verschuldung auf (falls sie zusätzlichen Kredit bekommen können) .. und das, nur um den Güterausstoß auf gleichem Niveau halten zu können. Das bedeutete aber baldige sichere Pleite. Jemand anders muss also dessen Verschuldung aufstocken und damit bei den Unternehmen einkaufen gehen. Dies tut willig oder notgedrungen der Staat .. und damit finanziert er die Sparquote.
Man kann ergo nicht MEHR Güter verteilen als produziert werden.
Wem erzählst Du das?
Produktivität ist ein Mengenverhältnis. Es geht immer um Mengen (Strom- oder Bestandsgrößen) wie z. B. Maschinenstunden, Arbeitsstunden, Anzahl der Arbeiter etc. Wenn alles teurer wird bzw. nur das nominale BIP wächst (Inflation), ist noch nicht unbedingt die Produktivität gestiegen.
Dabei wird aber versäumt, dass der Güterausstoß (BIP-Zuwachs) durch Schulden/Kredite mit zukünftigen Fristen produziert werden. Daraus ergibt sich dann die Nettosparquote. Also erst das Kreditvolumen mit der zugehörigen Fristenstruktur, dann die Sparquote - das hat @Ashitaka immer etwas besser erklärt.
Richtig, "erst Kreditvolumen, dann die Sparquote". Das bedeutet, dass die Sparquote durch Kreditaufnahmen finanziert wird .. wobei die Kreditnehmer (z.B. die Unternehmen) wegen ausbleibender Einnahmen zunächst nicht tilgen können. Zusätzliche Kreditnehmer werden also benötigt ...
Es kann nachhaltig keine Netto-Sparquote bei gleichbleibender systemischer Gesamtverschuldung geben .. es sei denn, bei schrumpfender Wirtschaftsleistung und schrumpfendem Einkommensvolumen. Andersrum, ein Zuwachs der Gesamtverschuldung muss sowohl jegliches BIP-Wachstum als auch zusätzlich! jegliche positive Sparquote (Akkumulation von Geldvermögen) finanzieren. Bei positiver Netto-Sparquote ist auch kein gleichbleibendes BIP bei konstanter Gesamtverschuldung möglich.
Mein FAZIT: Bei konstant positiver Netto-Sparquote UND konstanter systemischer Gesamtverschuldung muss das BIP (und das Einkommensvolumen) zwangsläufig schrumpfen. Oder, bei positiver Sparquote UND gleichbleibendem BIP muss die Gesamtverschuldung notwendigerweise wachsen. Und schließlich, beides führt früher oder später zum Systemkollaps.
Sparquote = BIP-Zuwachs sind feuchte monetaristische Träume, zumal sie die Fristen negieren
Jede Sparquote impliziert selbstverständlich individuell unterschiedliche Sparfristen
Viele Menschen, insbesondere die Besserverdiener, akkumulieren ihr Geldvermögen über Jahrzehnte oder gar lebenslang. Da sind also alle denkbaren Fristen Gang und Gäbe.
Die Sparquote steigt übrigens mit der Höhe des Einkommen; sie liegt gegenwärtig je nach Einkommenshöhe zwischen -2,5 (= Entsparen) und ca. 25%. Wenigverdiener entsparen also gegenwärtig netto eigene Ersparnisse oder z.B. die ihrer Eltern und Großeltern .. und halten damit die Wirtschaft am Laufen, zusammen mit dem Staat, dessen Verschuldung wegen der positiven Netto-Sparquote steiler wachsen muss als das BIP und das Staatseinkommen.
Die zuletzt steil wachsenden Staatsschulden sind die steil wachsenden privaten Geldvermögen .. bei annähernd Null-Wachstum des BIP.
Übrigens, gespart wird nicht nur "klassisch". Auch die Sozial- und Versicherungsbeiträge sind zumindest teilweise Sparvorgänge, die noch hinzu kommen.
Mit Gruß, Beo2