Was, wenn gar nicht der Mangel Antrieb ist, sondern Lust am Leben und seinem Sinn?
Ich gehe zur Bank.
Die Bank gibt mir einen Kredit über sagen wir 5 Mio. Euro.
Zinslast 0%, Laufzeit unendlich.
Mit den Mio. kaufe ich mir ein Haus und ein paar Aktien.
Und für den Rest meines Lebens lege ich mich auf die faule Haut.
Diese Sichtweise unterstellt, dass Aussicht auf Faulheit die treibende Kraft der Menschenwelt ist, oder genauer das Leiden unter dem Leben. Oder noch genauer für die Debitisten: eine Urschuld.
Diese Sichtweise halte ich zwar für logisch konsistent, aber sie ist nicht zwingend oder alternativlos für die Urteilsbildung. Sie ist anziehend für Menschen, die kontrollieren höher bewerten als schöpfen.
ABER: Reine Kontrolle ist nicht lebensfähig. Ein reines Kontrollsystem enthält als einzigen Antrieb die Angst vor dem Kontrollverlust, und die ist am leichtesten zu erreichen durch das Nichtsein (siehe z.B. Stalinismus).
Wir können unsere Leben durch Arbeit aber angenehmer gestalten, erheblich sogar. Aber der Sinn hinter der Arbeit kann langfristig nicht sein, sich selbst abzuschaffen, d.h. zu arbeiten, obwohl man eigentlich nicht arbeiten will.
Unreife Geister meinen das natürlich, aber Selbstverneinung ist keine tragfähige Maxime. Wenn z.B. die "Führer"-Comicfigur bei Walter Moers eine Grünen-Politikern fragt, was sie den die nächsten tausend Jahre vorhabe, dann lugt da der entsprechende blinde Fleck hervor.
Wer das nicht glauben kann oder will, bekommt durch den vermeintlichen Irrsinn der Wirtschaftsverwaltungsbehörden derzeit einen zunehmend scharfen Denkzettel.
Letztlich offenbaren diese Behörden nur das, was ohnehin inzwischen überdeutlich geworden: Eine Wirtschaft, die auf subjektiv empfunden Mangel beruht, ist nicht mehr tragfähig, weil unsere Technik dafür zu effizient geworden ist. Das einzige, was noch geht mit dieser alten Mangelidee sind Lug, Trug und Gewaltandrohung.
Wenn wir es aber schaffen zu verstehen, dass Vertrauen eine ungleich stärkere Kraftquelle als die Angst bildet, dann stehen uns tatsächlich goldene Zeiten bevor, die möglicherweise auch Orlando meint.
Grüße
nvf33