Zustimmung und Ablehnung
Cher Helmut,
danke für Ihre ausführliche Replik, der ich teils zustimmend, teils ablehnend gegenüberstehe:
Ablehnend:
Solange die christlichen Kirchen in ihren Gottesdiensten sowohl aus dem AT
als auch aus dem NT die Lesungen halten, solange das AT ausdrücklich als
Teil der christlichen Lehre bezeichnet wird, - solange braucht und kann man
nicht ein spezielles Glaubensbekenntnis spezifizieren.
Sorry, das verstehe ich nicht. In welchem Glaubensbekenntnis (ob Sie nun das Apostolicum, das Nicaeno-Constantioplitanum oder das Athanasianum hernehmen) finden Sie auch nur irgendeinen Verweis auf das Mosaische Gesetz?
Wenn Sie bspw. der RKK beitreten wollten, dann wurden Sie entweder im Rahmen der Taufskrutinien in diesen altkirchlichen Glaubensbekenntnissen "geprüft" (d.h.: in der Regel Ihr Taufpate für Sie), oder, wenn als getaufter Konvertit, dann mußten Sie das sogen. tridentinische Bekenntnis bestätigen. Auch in diesem finden Sie zwar jede Menge pittoresker Glaubensinhalte, aber keinen (!!!) Verweis auf eine angebliche Weitergültigkeit des mosaischen Gesetzes
Ablehnend:
Klar hat Jesus schon damals erkannt, dass im AT, also der damaligen
Heiligen Schrift, viel zu viel Sprengstoff enthalten ist, der sich mit
seinen Ansichten nicht deckt. Jesus war zwar revolutionär in seinen
Ansichten und auch in seiner vorgelebten Lebensweise, - aber nicht
revolutionär genug, Passagen wie die des Moses öffentlich als überholt
und als ungültig zu erklären.
Doch: viel klarer als mit den Worten: "Ihr habt gelesen ..., ich aber sage euch ..." geht das schon gar nicht mehr!
Zustimmend:
Wobei man Mutti Merkel nur raten könnte, sich die Ansichten von Adenauer
mal genau vorzunehmen und sich etwas mehr daran zu orientieren.
Obwohl mit einigem aus der Adenauer-Zeit keineswegs einverstanden (z.B. der verklemmt-bigotten Prüderie jener Jahre), muß ich doch sagen: besser als Mutti allemal!
Zustimmend und ablehnend gemischt:
Wir haben viel zu viel Machteinflüsse und verzopfte Ansichten in den
Kirchen, die beseitigt werden müssen. Wir benötigen dringend eine
grundlegende neue Reformation, an der sich sämtliche christlichen
Strömungen beteiligen und die zu einer aktuellen Form des Christentums
führt, für das sich auch die Jüngeren unter uns begeistern können.
Weniger Machteinflüsse: ja! Eine "grundlegende neue Reformation": wird nicht funktionieren aus meiner Sicht. "Die Jüngeren" begeistern sich zu 90 % für irgendwas jenseits von Religion (schnelle Mopeds, aktuelle Hits, Komatrinken in der Disco, Preisvögeln mit der Freundin ... just name it!). Religion ist was für reifere Jahre, wenn die Hormone schon etwas nachlassen und die Grenze ins "Land der Dunkelheit" bedenklich näherrückt.
Außerdem ist m.E. "das Christentum" (was immer das sein soll) nicht "reformierbar". Höchstens "interpretierbar" - aber das kann letztlich nur jeder für sich entscheiden.
"Das Christentum" ist - mainstreammäßig betrachtet - auf hohem Niveau entweder eine "Mysterienreligion" (bzw. auf volkstümlichem Niveau eine bessere Form von Aberglaube und Magie), oder ein "Ethikvorlesung".
An die "Mysterienreligion" kann ich nicht glauben, sorry (und so wird es vielen gehen, und es werden tendenziell mehr!), und für eine "Ethikvorlesung" braucht's keine Kirchenorganisation.
Der Rest ist "Religionsfolklore", um es mal etwas brutal zu formulieren: man heiratet nun mal gern in einer Kirche (auch wenn man sich nachher scheiden läßt), man findet Taufen rührend, und Begräbnisse mit Pluviale und Weihrauch tröstlicher als den Trauerredner mit Leichenbittermiene und leerem Geschwätz. Dafür wird immer Bedarf bestehen.
Weitgehend zustimmend:
Die christliche Weltanschauung basiert auf dem Prinzip der Nächstenliebe.
Das unterscheidet sie von vielen anderen Glaubensansichten. Das soll auch
so bleiben, - aber nicht in der Form, wie dieses Prinzip von Mutti Merkel
gesetzeswidrig missbraucht wurde.
... wobei mir die undifferenzierte Auslebung von "Nächstenliebe" ganz mächtig gegen den Strich geht. Das Christentum braucht ein Vernunftregulativ, um die "Nächstenliebe" zu einem kühleren, aber dafür tragfähigeren "Fairneß-Gebot" umzudeuten!
Aus bestimmtem Grund ablehnend:
Den Islam als Alternative anzubieten, ist ein Schuss nach hinten, - denn
er führt uns in das europäische Mittelalter zurück, ohne jeglichen
Respekt vor dem Recht des Andersdenkenden. Selbst dann, wenn er nicht
fundamentalistisch oder radikal ist, auch in der gemäßigten Form.
... denn der Islam führt nicht ins "Mittelalter" zurück, sondern eher in die Steinzeit!
Ablehnend:
Aber das Ziel, dem Christentum den Bestand zu sichern, kann nicht durch
Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse erreicht werden, sondern nur durch
eine grundlegende Reformation.
Wird's net spielen (s.o.)
Aber da wir meist Leute von 70 - x in der sakralen Verantwortung haben, wird das wohl kaum zu realisieren sein.
Nun, wenn ich mir die zeitgeistig gehinrgewaschene jüngere Generation so ansehe: mein Bedarf von jungen Bischöfen & Co. ist sehr endenwollend!
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LePenseur