Sehe ich anders

helmut-1, Siebenbürgen, Donnerstag, 28.07.2016, 22:57 (vor 3502 Tagen) @ LePenseur1558 Views

Cher Helmut,

natürlich können Sie sich auf die Gewalt von Moses berufen. Nur sollten
Sie sich dann eher nicht zum christlichen, sondern zum mosaischen
Bekenntnis zählen!

Solange die christlichen Kirchen in ihren Gottesdiensten sowohl aus dem AT als auch aus dem NT die Lesungen halten, solange das AT ausdrücklich als Teil der christlichen Lehre bezeichnet wird, - solange braucht und kann man nicht ein spezielles Glaubensbekenntnis spezifizieren.


Denn in der zentralen Ethik-Passage des N.T., der sogen. Bergpredigt, wird
diese A.T.-"Ethik" x-fach mit den Worten "Ihr habt gelesen ... ... -
ich aber sage euch: ..."
fast (oder sogar ganz) ins Gegenteil
verkehrt.

Ich bin viel zu sehr skeptischer Rationalist und Liberaler, als daß ich
der Bergpredigt allzu viel abgewinnen könnte - sie in der Realität
durchzuführen scheiterte immer, Gott sei Dank, an der Natur des Menschen,
und jeder, des es versuchte, hat bisher nur Unglück über sich und v.a.
seine Umgebung gebracht!

Aber ich halte es für unfair, dem Christentum, das sich eben an den
Worten der Bergpredigt (wenigstens der Theorie nach) orientiert, Ansichten
vorzuhalten, die eben durch genau diese theoretische Grundlage überholt
worden sind.

Klar hat Jesus schon damals erkannt, dass im AT, also der damaligen Heiligen Schrift, viel zu viel Sprengstoff enthalten ist, der sich mit seinen Ansichten nicht deckt. Jesus war zwar revolutionär in seinen Ansichten und auch in seiner vorgelebten Lebensweise, - aber nicht revolutionär genug, Passagen wie die des Moses öffentlich als überholt und als ungültig zu erklären.

Das halte ich für etwa so unfair, wie der heutigen Merkel-CDU

vorzuhalten, daß die 50er-Jahre-Adenauer-CDU zu diesem und jenem das
exakte Gegenteil von Mutti dachte [[freude]] ...

Wobei man Mutti Merkel nur raten könnte, sich die Ansichten von Adenauer mal genau vorzunehmen und sich etwas mehr daran zu orientieren.

Abschließend:
Verehrter Herr LePenseur, wenn Sie meinen, dass ich mit meinen Ausführungen für den Islam eine Lanze brechen will, dann liegen Sie falsch. Denke, das schon an anderer Stelle betont zu haben. Ich bezeichne mich nach wie vor als Christ, - aber als kritischer. Und genau das ist absolut notwendig, wenn wir das Christentum über das 21. Jahrhundert bringen wollen.

Wir haben viel zu viel Machteinflüsse und verzopfte Ansichten in den Kirchen, die beseitigt werden müssen. Wir benötigen dringend eine grundlegende neue Reformation, an der sich sämtliche christlichen Strömungen beteiligen und die zu einer aktuellen Form des Christentums führt, für das sich auch die Jüngeren unter uns begeistern können.

Wenn man nun beim Weltjugendtag eine Teilnehmerzahl von 1,5 Mio erwartet, dann täuscht das über die derzeitige Situation in den Kirchen - egal welcher Konfession - hinweg.

Die christliche Weltanschauung basiert auf dem Prinzip der Nächstenliebe. Das unterscheidet sie von vielen anderen Glaubensansichten. Das soll auch so bleiben, - aber nicht in der Form, wie dieses Prinzip von Mutti Merkel gesetzeswidrig missbraucht wurde.

Den Islam als Alternative anzubieten, ist ein Schuss nach hinten, - denn er führt uns in das europäische Mittelalter zurück, ohne jeglichen Respekt vor dem Recht des Andersdenkenden. Selbst dann, wenn er nicht fundamentalistisch oder radikal ist, auch in der gemäßigten Form.

Aber das Ziel, dem Christentum den Bestand zu sichern, kann nicht durch Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse erreicht werden, sondern nur durch eine grundlegende Reformation. Aber da wir meist Leute von 70 - x in der sakralen Verantwortung haben, wird das wohl kaum zu realisieren sein.


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