Eigentum, aber ohne Eigentum an Boden?
Hallo,
Wird jedoch das Privateigentum auf Gegenstände ausgedehnt, die nicht dem
persönlichen Gebrauch, sondern der Bedürfnisbefriedigung anderer Menschen
dienen und für das Zusammenleben des einzelnen Menschen mit anderen von
Bedeutung sind, wie das Unternehmenskapital, wird die Legitimation des
Eigentümers, einen egoistischen Gebrauch davon zu machen, auch auf sozial
bedeutsame Dinge übertragen, wodurch andere in Abhängigkeit geraten und
ausgenutzt werden können. Da verliert das Privateigentum seine innere
Berechtigung, da es zum Machtinstrument über andere wird.
Mit dessen (rechtlicher) Durchsetzung impliziert Eigentum per se Macht, denn grundsätzlich grenzt Eigentum zunächst mal alle Nichteigentümer von dessen expliziter Verfügung und Nutzung aus, bis der jeweilige Eigentümer zustimmt oder eben enteignet wird. Wir üben übrigens alle von Haus aus mehr oder weniger Macht auf unsere Umgebung aus, denn da, wo ich stehe, kann jetzt kein anderer stehen und den Sauerstoff, den ich verbrauche, kann kein anderer mehr verbrauchen, usw. usf. Ein Grundprinzip des Lebens.
Was meinst du damit, Eigentum auf "Unternehmenskapital" auszudehnen? Zunächst mal ist Kapital Passiva (Fremd- oder Eigenkapital halt), aber ich denke mal, dass du dich auf das beziehst, was diese Passiva widerspiegeln: die Aktiva des Unternehmens. Nun frage ich mich bei deiner Aussage, ob du überhaupt private Unternehmen begrüßt und ob du nicht die Verhältnisse verklärst, wenn du "Bedürfnisse" als vorhanden in den Raum stellst, ohne die zuvor gemachte Investition zur Bedarfsweckung hinsichtlich des Schuldendienstes des Unternehmers zu berücksichtigen, hinter der ganz nebenbei dessen erwarteter Eigentumsverlust als Grundmotivator steht. Irgendwie strange.
Die alten römischen Rechtsstrukturen werden hier der modernen
Lebenswirklichkeit nicht mehr gerecht.
?
Es muss dafür eine neue
Eigentumsform, ein zwar individuelles, aber soziales Verantwortungseigentum
entwickelt werden, das treuhänderischen Charakter trägt. Wer will, kann
sich
hier
genauer damit befassen.
Das wären dann entweder Mischformen zwischen Gemein- und Privateigentum, gänzliches Volkseigentum (höhö) oder eben kein Eigentum. Da gabs und gibt es die verrücktesten Sachen: Allmende, Nießbrauch, Allod, whatever. So wie du das in deinem verlinkten Beitrag darstellst, kommt mir das noch seltsamer vor, da ja Eigentum u.a. gerade dazu führte, frei entscheiden zu können, in wessen Besitz man die eigene Arbeitskraft stellt und letztlich sogar zur Beseitigung der Leibeigenschaft.
Auch ein Privateigentum an Grund und Boden ist sozial nicht berechtigt.
Woran dann überhaupt, wenn nicht an dem, was zur Sicherstellung des eigenen Überlebens dienen könnte?
So
wie jeder Mensch Luft zum Atmen braucht, so auch ein Stück Erde, das er
zum Wohnen, Essen, Schlafen und für die Verrichtungen seines Lebens nutzen
kann. Der Boden ist notwendige Lebens- und Arbeitsgrundlage aller
Menschen.
... eben.
Das heutige private Eigentumsrecht am Boden macht dem Einzelnen etwas zu
eigen, was ihm nicht gehören kann.
Wieso nicht? Faktisch ist es ja so.
Boden ist keine Ware, die er selbst
hätte produzieren oder von anderen als deren Produkt hätte erwerben
können.
!? Das ist blödsinnig formuliert. "Produzierst" du den Apfel, das Fell, etc. p.p. oder die Natur? Was hat Produktion überhaupt mit Erwerb zu tun? Wie und womit will man überhaupt erwerben, wenn kein Eigentum existiert!? Welches "Produkt" will man dann und wie und wem zum Eigentum erklären, mit dem der Private wirtschaften können darf - oder soll die Wirtschaft auch gleich passé sein?
Das Eigentum verbindet hier Teile der Erde, die allen Menschen als
Lebensgrundlage dienen soll, mit der Persönlichkeit eines Einzelnen, indem
es andere davon ausschließt und es seiner prinzipiell unbeschränkten
Verfügungsgewalt unterwirft. Der Boden wird gleichsam zum Raub Einzelner.
Wie ich oben schon schrieb: ein Grundprinzip des Lebens
In einem großen dünn besiedelten Land mag ja Eigentum an Grund und Boden
nicht weiter negativ ins Gewicht fallen, wenn wir hier mal von der
Problematik der Bodenschätze absehen, die der jeweilige Eigentümer für
sich beansprucht, obwohl er sie dort auch nicht vergraben hat.
Zum Einen existieren (mittlerweile) Rechte, die ein Gemeinwohl an Ressourcen bis zur Enteignung voranstellen. Jedem Grundeigentümer in Deutschland gehört der Boden nur oberflächlich (§ 905 BGB, Mineralrohstoffgesetz, Schürfgenehmigung, Bergrecht, Bundesbodenschutzgesetz, Schachtgenehmigung, Baurecht, Wasserrecht, ...), ebenso wie der Raum darüber (Luftfahrtverkehrsgesetz). Sollte jemand den Schatz eines anderen finden, gehört dem Finder nicht alles, usw. usf. Zum Anderen haben denn die Beerensammler die Beeren angepflanzt? Präneolithische Jäger ihr gejagtes Vieh zuvor gezüchtet?
Mit
zunehmender Dichte der Besiedlung wird aber rasch die Grenze erreicht, wo
der Boden seiner Unvermehrbarkeit wegen nicht mehr allen in gleicher Weise
zur Verfügung steht.
Da hätte mal jemand den Osterinselanern Bescheid geben sollen.
Er gerät unaufhaltsam in das Eigentum relativ immer
weniger, die eine natürliche Monopolstellung einnehmen und die anderen von
sich abhängig und ausbeutbar machen. Siehe
hier.
Dafür gäbe es ja dann wirtschafts- und fiskalpolitische Maßnahmen.
Gruß!â„¢
--
Gruß!™
Time is the school in which we learn,
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