Natur und Moral

Nonpopulo, Mittwoch, 25.05.2016, 14:31 (vor 3552 Tagen) @ BillHicks3202 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 25.05.2016, 14:40

Danke ebenfalls für deine Antwort, BillHicks!

> Selbstverständlich lassen sich viele solcher Beispiele finden.
[quote]Aber mit Eigentum hat das - nach meinem Verständnis - nicht das
Allergeringste zu tun.
Du beschreibst Besitzansprüche, nicht Eigentum.
[/quote]

Im Walross-Beispiel würde doch Besitz bedeuten, dass die Weibchen, die nicht gerade vom Alpha-Männchen besitzt werden, auch von den anderen Männchen beansprucht werden können. Da die Weibchen, und auch die, die er gar nicht beansprucht, trotzdem für die anderen Männchen tabu sind, handelt es sich doch nach deiner Definition um Eigentums- und nicht um Besitzansprüche.

> > Eigentum bedeutet Machtanspruch auf bzw. über etwas. Es ist somit
[quote]keine[/quote]
[quote][quote]Idee, sondern ein primäres Überlebensprinzip der Natur.[/quote][/quote]
[quote]
Bei dieser Eigentumsdefinition wäre ich längst in zynische Depression
verfallen [[freude]]
[/quote]

Es ist gar nicht so schlimm, denn auf einmal, wenn wir alle unsere aufgeschichteten Moralvorstellungen beiseite schieben, sehen wir im Machtanspruch die pure, vitale Lebenskraft. Es geht dabei auch nicht ausschliesslich um Macht über andere Lebewesen, sondern genau so auch über Fähigkeiten und um das (dem gut erzogenen Mitteleuropäer verpönte) Gefühl der Kraft und Stärke.

> Bloße Macht allein bringt noch kein Eigentum hervor.

In Ergänzung zu @Mephistopheles Posting würde ich sagen, die Macht, wenn sie sich behauptet hat, will sich absichern und das tut sie dadurch, dass sie Eigentum sichert.

> > Das Leben ist Kampf um Macht.
[quote]
Wo genau?
[/quote]

Überall! Wirtschaft, Familie, Sport. Kleinkinder und Kinder versuchen oft, Macht auszuüben. In Teamprozessen muss es zwangsläufig zu Machtkämpfen kommen, sonst stimmt etwas nicht. Genau so in einer Liebesbeziehung.

> > Jeder der einmal einen Krieg, eine
[quote][quote]Hungersnot, ein totalitäres System oder sonst eine gesellschaftliche
Katastrophe erlebt hat, weiss das.[/quote][/quote]

[quote]Findet "Leben" nicht auch außerhalb dieser Umstände statt?
Das sind doch sämtlich sehr spezifische und insbesondere nicht
alle denkbaren Umstände, findest Du nicht?
[/quote]

Ich glaube, dass es das ist, was die westliche Gesellschaft von allen anderen Gesellschaften in allen anderen Zeiten unterscheidet: Wir rechnen damit, dass uns nichts passiert, bzw. dass wir genügend Auffangnetze haben, damit es nicht so schlimm wird. Das Gefühl, in Sicherheit zu sein ist extrem gross und wir tun extrem viel dafür, dass dieses Gefühl so realistisch wie möglich ist.

Der Preis für das Fehlen eines existentiellen "Hintergrundrauschens" ist neben dem Verzicht auf einen Teil natürlicher Lebendigkeit die allgemeine Verblödung, die sich aber mE nicht durch RTL und co. bemerkbar macht sondern durch diesen weltfremden Idealismus und Intellektualismus, der sich in linken Kreisen breitgemacht hat (und in dem Masse verschwindet wie die Menschen wieder existentielle Bedrohungen wahrnehmen).

> Wäre es nicht voreilig von diesen Umständen darauf zu schließen, dass
[quote]"das Leben" sämtlich und ausschließlich halt nun mal "so ist"?
[/quote]

Ich denke, Leben ist eine existentielle Angelegenheit, die wir Mitteleuropäer kollektiv aus den Augen verloren haben aufgrund der bald 70 kriegs- und katastrophenfreien Jahren.

> D.h. im Klartext: offensichtlich findet Leben auch außerhalb der
[quote]von Dir beschriebenen Umstände statt. Nämlich bei UNS, die wir diese
spezifischen Umstände gar nicht kennen.
Warum kennen genau kennen wir sie eigentlich nicht?
[/quote]

Da stimme ich mit @Zarathustra überein: Wegen der rücksichtslosen Ausbeutung aller vorhandenen Ressourcen inkl Tier und Mensch.

> Zu welchen Zwecken dient eigentlich das Suchen irgendwelcher Prinzipien in
[quote]der Natur um diese nach dem vermeintlichen Finden dann als Begründung für
eigenes Verhalten her zu nehmen?
[/quote]

Falls du mich damit meinst: Ich sehe uns Menschen nicht als mehr als Tiere und wildlebende Tiere führen ein einfaches, natürliches Leben. Das möchte ich auch. Andere versuchen sich durch die Bibel, den Koran oder andere spirituelle Bücher Orientierung zu verschaffen, für mich ist die Natur der Referenzpunkt.

> Warum sind wir nicht einfach die Männer, die Frauen, die Menschen, die
[quote]wir sein wollen? So wie es sich für uns gut anfühlt.
[/quote]

Ganz einfach: Weil wir uns dann aufgrund unserer verinnerlichten Moral als falsch, böse und gemein fühlen würden - wir hätten permanent ein schlechtes Gewissen. Was alle religiösen, spirituellen und sinnsuchenden Menschen wollen, ist ihre Natur (das vermeintlich Böse) in Einklang mit ihrer Moral (das vermeintlich Gute) zu bringen, was natürlich fehlschlagen und in Depression, Perversion und Neurotik münden muss. Der umgekehrte Ansatz hat da viel mehr Potential!

Fertig. Wozu an der
[quote]vermeintlich gefundenen "Natur" kleben und diese dann als Grund für unser
Verhalten vorschieben?
[/quote]

In meinen Augen geht es letztlich um zwei Dinge: Kontakt (= Liebe vs. Macht) und Flow (ungebremstes Gefühl der Einheit zwischen mir und dem was ich tue). Beides gibt es in der Natur in Hülle und Fülle, in der Zivilisation dagegen kaum.

Schöne Grüsse zurück
Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.