Es hängt von der Haltung desjenigen ab, der das äußert

Kurz_vor_Schluss, Samstag, 16.04.2016, 11:13 (vor 3592 Tagen) @ azur3063 Views

Guten Morgen werter azur,
(verzeih die späte Antwort – war unterwegs gewesen). Wo nimmst Du bloss all diese Links her? Beeindruckend – Du wirst noch zum zweiten CrisisMaven. [[top]]
Es sind zwei Sachen, die hier geschehen und an denen wir möglicherweise aneinander vorbei reden – das Eine ist der Vorgang selbst: Ein „Satiriker“ hat in einer Tonart und Wortwahl, die ich persönlich abscheulich finde, auf Missstände in der Türkei, was Pressefreiheit angeht, hingewiesen. Das Andere (und für mich persönlich wichtigere, was ich hervorheben wollte), war die HALTUNG, aus der Jan B gehandelt hat. Das, was da zwischen seinen Worten (Kinderf… etc.) mitschwingt.

Man kann, so wie Nico oder Zara es taten, das Ganze als wohlkalkuliert, berechtigt etc. ansehen. Oder man kann versuchen, das Gesagte mal auf sich wirken zu lassen. Mir persönlich scheint nämlich, dass in den Werken der Menschen viel von ihrem Geist oder ihrer inneren Haltung mitschwingt. Und ich merke, dass mir dies immer mehr als das Entscheidende erscheint. Karl Kraus oder Tucholsky – die konnten bissig sein, ätzend, scharf etc. – aber denen ging es grundsätzlich um so Dinge wie Wahrheit. Oder Gerechtigkeit. Darum, Missstände anzusprechen.

Das kann ich bei Jan B nicht feststellen – der will einfach seinen Schleim über Leuten ausgießen. Dem macht es Spaß, andere zu verletzen. Und das gefällt mir nicht. Was hat denn der Begriff Kinderf….. mit den Missständen in der Türkei zu tun? Nichts. Oder Ziegenf…..? Nichts. Provokation um der Provokation willen. Für mich einfach nur billig. Und eklig dazu, denn es senkt die Standards weiter ab. Nun ist er also fallengelassen worden von einer rückgratlosen Führung und wird so noch zum gefallenen Engel, denn die anderen spielen fleißig mit und so wird Jan B zum passend/unpassenden Symbol von Meinungsfreiheit.

Allerdings – in einer Zeit allgemeiner Duckmäuserei und des Zwiedenkens passt dies dann wieder. Wenn ich nur an einige Zitate von früher (zum Teil) von mir geschätzten Herrschaften aus jüngster Zeit denke……
Urban Priol: „Die Kanzlerin ist mir (seit der Flüchtlingskrise) sympathisch geworden“.
Dieter Hallervorden: „Wir brauchen eine europäische Lösung in der Flüchtlingskrise“.
Bastian Pastewka: „Wir müssen den Flüchtlingen helfen“.
Joko und Klaas: „Flüchtlingsgegner sind Idioten“.
Anke Engelke: „Dresden ist eine Nazistadt“. Etc.pp.

In diesen Zeiten, in denen die Apologeten „freier Meinungsäußerung“ nicht mehr für Fünf Pfennig Knochen- oder Rückenmark aufzuweisen haben, passt es dann wieder, dass nun Jan B, der Ekel- und Schleimabsonderer vor dem Herrn, auf den Thron des Märtyrers der Satire gesetzt wird.
Weißt Du azur, wir sind nicht mehr VOR den Zeiten, über die man später mal sagen wird: Naja – was sollte man machen? Alle haben ja mitgemacht….. wir sind schon mittendrin.

Um es aber versöhnlich zu beenden: An der einen Stelle gebe ich Dir recht – die Causa B und vor allem jetzt die Order von ganz oben, ihn fallen zu lassen, mag noch dem ein oder anderen Beobachter die Augen über gewisse Vorgänge hierzulande öffnen….. zu spät, um gesellschaftlich noch etwas zu ändern, aber persönliche Entwicklung ist immer gut. Vielleicht lernt auch Jan B etwas daraus.
Halte Dein Pulver trocken lieber azur – und auf bald mal wieder.
Einstweilen feiern wir den Klaböhmermann auf dem Narrenschiff – volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff. https://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg
Beste Grüße
K_v_S
P.S.: Sehr, sehr interessant, Deine Ausführungen zu Hollywood – immer geht es um Lenkung, immer um gesellschaftliche Prägung. Früher „bloss keine Homos“, heute „wir brauchen ein paar Homos“ – tempus fugit. Es gibt viele Edward Bernays und sie haben keine guten Motive.

P.P.S.: Dass der Addi (so nannte ihn meine Großmutter selig) auch sehr charmant sein konnte, kann man ja an vielen Stellen nachlesen. Unvergessen ist mir die Episode (ich glaube bei Fest), wo er die Frau von Speer, als er ihn für die Rüstung einspannen will, bei einem Empfang auf die Seite nimmt und ihr zutraulich und mit österreichischem Charme ins Ohr flüstert: Ich muss Ihnen Ihren Mann entführen, seien’s mir bitte nicht böse…. Aber er muss ein paar Sachen für mich übernehmen, ich bitt‘ Sie…. Ja, auch die Monster haben Charme. Oder gerade die? Wer weiß.

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin


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