Über guten Stil: Man kann sich nicht selbst entschuldigen.

Positiv, Mittwoch, 17.02.2016, 15:15 (vor 3645 Tagen)4562 Views

Hallo zusammen,

mir fällt im politischen Diskurs und zunehmend auch hier im Forum ein Missbrauch von Entschuldigungen auf.

Wer einem anderen Menschen in irgendeiner Art und Weise Unrecht getan hat, kann zum Ausdruck bringen, dass er den begangenen Fehler jetzt sieht und ehrlich bereut, dass es ihm Leid tut und um Entschuldigung bitten.

Der Geschädigte hat dann die Freiheit, diese Bitte zu gewähren oder auch nicht. Gegebenenfalls kann er auch benennen, welche weitere Handlung (z.B. öffentliches Eingeständnis, Gegendarstellung oder Sachleistung als Wiedergutmachung) er erwartet, um die Entschuldigung annehmen zu können - falls er überhaupt dazu bereit ist.
Es gibt auch Vorfälle, welche unentschuldbar sind. In diesem Fall muss der Täter den Rest seines Lebens mit der Schuld leben. Die Versöhnung kann nicht erwartet werden, maximal erbeten.

Für die Annahme einer (Bitte um) Entschuldigung spielt – neben der Schwere der Schuld – der Umstand eine Rolle, ob echte Reue und nicht nur ein oberflächliches Harmoniebedürfnis beim Verursacher der Schuld vorliegt.

Keinesfalls kann sich jemand selbst entschuldigen - dies ist eine hochgradige Anmaßung. Jemandem Unrecht tun und sich dann gleich noch selbst dafür entschuldigen - das ist arrogant, absurd und eine doppelte Missachtung des Geschädigten. Es ist respektlos und unehrenhaft.

Achtungsvolle Grüße,

Positiv.


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