Taschendiebe sperrt man nicht in der Küche ein, sondern...
...man macht es wie die Slowaken:
Es war so um 2000 herum, da hatte ich das Vergnügen einen Polizeibeamten flüchtig kennen zu lernen. Sein Job war es gewesen, mit seinen Kollegen in der Slowakei Kontakt zu halten und grenzüberschreitende Verbrechensbekämpfung zu koordinieren. Die Story die er mir von seinen Kollegen aus Bratislava erzählte war ungefähr jene:
Ab Mitte der 90er machte sich in Pressburg die Mafia breit. Frag mich nicht woher diese Mafiosi kamen (Russen, Rumänen - ich kann mich nicht erinnern). Sie machten sich jedenfalls in der Stadt breit, und gingen in erster Linie 2 Erwerbszweigen nach. Taschendiebstahl und Autodiebstahl.
Die Beamten in Pressburg standen vor exakt den gleichen Problemen wie unsere deutschen Beamte heute. Man hatte einen Taschendieb gefasst, aufgrund der Geringfügigkeit des Delikts spazierte er sofort wieder raus und der Ärger ging weiter.
Nun waren es aber keine deutsche Beamte, daher fand man sehr rasch einen sehr unbürokratischen Weg, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Jeder Taschendieb dem man habhaft wurde, kam aufs Revier. Dort aber setzte man erst gar kein Protokoll auf, sondern brach ihm einfach und unbürokratisch die Finger. Offiziell war er nicht mal am Revier gewesen und mit gebrochenen Fingern kann man nicht klauen. Nachdem sich diese nette Tradition rumgesprochen hatte, gingen die Taschendiebe nach Wien und in Pressburg war wieder Ruhe.
Die zweite Sache waren die Autodiebe. Die Diebstähle hatten damals perverse Ausmaße angenommen. Wenn ich mich recht erinnere erzählte mir der Beamte, dass es so weit gekommen war, dass jeder wusste wo der Mafiaboss saß (in einem Hotel) und man konnte sein Auto bei diesem wieder auslösen, gegen saftiges Geld. Auch hier hatte die Polizei wenig zu melden, weil es clever organisiert war.
Leider gab es aber damals auch noch zahlreiche junge Menschen, die endlich ihr erstes Auto hatten und (10 Jahre ende Ostblockzeit!) das bedeutete ihnen eine Menge.
Nach einiger Zeit bildeten sich Banden, die Automarder auflauerten und auf offener Straße halb tot prügelten. Die Polizei hatte nichts weiter zu tun, als zuzusehen.... Nach einiger Zeit endeten auch die Autodiebstähle.
Noch eine Story - Gerücht, aber relativ plausibel: Anfang der 90er gab es einen Vollpsychopathen der unter dem Pseudonym "Pumpgun Ronnie" Berühmtheit erlangte, weil er Banken mit einer Ronald Reagan Maske und einer Pumpgun überfiel. Das besondere an dem Typen war, dass er neben seiner kriminellen Karriere auch noch Spitzensportler im Laufsport war. Jedenfalls hatte er schon früher einen Mord begangen, den er abgesessen hatte und hat später wieder Banken überfallen und weiter gemordet. Die Polizei wusste davon, konnte ihm aber nichts nachweisen. Dann kamen sie ihm aber auf die Banküberfälle drauf, verhafteten ihn und während des Verhöres türmte der Typ. Er sprang aus dem Fenster und lief einfach davon. Es folgte eine 3 tägige Verfolgungsjagd, die schließlich damit endete, dass sich der Typ offiziell in seinem Auto am Pannenstreifen der Autobahn selbst erschoss.......... durch die Nackenstütze hindurch.
Um es zusammenzufassen:
Alle drei Fälle sind einerseits schwere dienstliche Verfehlungen der Beamte, andererseits aber im Interesse der Allgemeinheit. Der Polizist, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner der dies durch aktives Wegschauen deckt, steht jedenfalls mit einem Fuß im Knast - und machen es trotzdem, aus Verantwortungsgefühl heraus.
"Der geht nicht mehr raus morden! Der nicht!"
Berufe mit derartigen Dilemmae brauchen einen gewissen Korpsgeist, der von Verantwortungsgefühl einerseits und von Solidarität andererseits getragen ist. So lange moralisch integere Menschen hier aus einem tiefen Sinn für die Sache handeln, geht so etwas gut. Wehe, es machen die falschen.
Obwohl ich selbst nicht in diesem Bereich arbeite, bin ich überzeugt, dass eine effektive Polizeiarbeit, die Kriminalität unterbindet und nicht verwaltet, nur so funktioniert.
Linke Besserwisser haben hier seit den 70ern schweren Schaden angerichtet, weil sie genau diesen Korpsgeist und diese informelle Ebene zerstört haben. Jetzt kriegen wir Dienst nach Vorschrift und damit Kriminalitätsverwaltung, weil kein Polizist es mehr wagt, den Kriminellen mit den besten zu Gebote stehenden Mitteln unschädlich zu machen.