ökologischer Fussabdruck "für Dummies"

Konstantin ⌂, Waldhessen, Donnerstag, 10.09.2015, 08:19 (vor 3789 Tagen) @ Eric4347 Views

Hallo Eric,

im Sinne der Sachbuchreihe "Für Dummies", wage ich mal ein paar einfache erste Schritte anzuleiten, das Thema "ökologischer Fussabdruck" verständlich zu machen.

hast Du meinen Beitrag
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=368857 überhaupt

gelesen?

Ja, ich konnte damit aber leider nicht so viel anfangen.


Frage:
Hast Du gestern etwas gegessen?
Hast Du womöglich die letzten 365 Tage im Durchschnitt jeden Tag etwas gegessen?
Ja, und zwar mehrfach täglich?
Ok, das ist ganz normal.

Wo kommt das Essen her?
Vom Supermarkt, von der Pizzeria?
Ok, so ist das derzeit üblich.

Nur, woher haben die das Essen bekommen?
Vom Großhandel, von der Metro?
Ja, und die???

Genau, das Essen kam ursprünglich mal (vor ganz vielen Schritten) vom Feld.
Kannst Du mir folgen?
Jedes Brot, jeder Pizzateig war mal Getreide.
Jeder Pizzabelag war mal: Tomate am Busch und (Käse kommt von Milch und die kommt von der Kuh) Kuh, die Gras frisst auf der Weide. Und wenn die Kuh im Stall stand, dann wuchs das Gras auf der Wiese.

Es braucht für JEDES Essen: Fläche, Humus, Boden, Acker, Wiese, Gewächshaus, ... auf das Sonne scheint.
Ok so weit, oder gibt es Widerspruch?

Gut, und dann braucht es Wasser für die Pflanzen.
Und es braucht Zeit, damit alles wächst.

Und jetzt rechte mal aus: Wieviele Quadratmeter brauchten all die Pflanzen zum wachsen, die das Essen entstehen ließen, dass Du im Durchschnitt an einem Tag verzehrst?

Weißt Du nicht? Auch das ist aktuell üblich...

Nehmen wir mal ein Beispiel: Weizen bringt ungefähr 3.000 kg bis 10.000 kg Ertrag pro Hektar (=10.000m²) minus 200 kg Saatgut pro Hektar also ca. 2,8 kg bis 9,8 kg pro 10 Quadratmeter.

Grob gerundet: 500 Gramm Weizen pro Quadratmeter UND JAHR!

Gaaanz grob gerechnet braucht der Mensch ca. 500gr Nahrung pro Tag.
(Natürlich nicht nur Weizen, man kann auch ganz gut ohne Weizen leben...)
Also braucht es pro Mensch 365 Quadratmeter nur um das Essen entstehen zu lassen. Da bei Gemüse und Früchten oft ein Großteil auf dem Feld bleibt (zu klein/ zu groß/ etc, rechnen wir lieber mit einem Flächenbedarf von 500m² pro Mensch und Jahr.

Jetzt kommt ein Dilemma: Wenn man jetzt meint den Flächenbedarf pro Mensch zu haben liegt man viel zu niedrig. Denn, um z.B. das Getreide anzubauen / zu ernten / zu transportieren / zu lagern / zu verarbeiten etc. etc. etc. etc. braucht es Maschinen, Lagerhallen, Straßen, Werkstätten, Tankstellen, Kraftwerke, Bergbau, Raffinerien, Hafenanlagen, Flughäfen, Militär, Kriege etc. etc. etc.

Ach ja, und warm soll es in der Hütte auch noch sein - äh "Hütte"??? Braucht der Mensch auch noch ein Haus? Ok, dann braucht es noch: Handwerksbetriebe, Baustoffhandel, Baumärkte, Baufirmen, Lagerplätze, Steinbrüche, Betonhersteller, Kiesgruben, Wald (für Holz), .... und für die Wärme braucht es noch .... kannst Du Dir jetzt alles selber ausdenken.

Alles zusammen gerechnet ist das der Flächenbedarf pro Mensch, auch genannt "ökologischer Fussabdruck". In Deutschland liegen wir bei ca. 4,6 ha = 46.000 Quadratmeter pro Mensch!!!

(Es gibt noch ein paar rechnerische Anpassungen weil z.B. in Deutschland 8.000 kg Weizen pro Hektar geernten werden können und der weltweite Durchschnitt bei nur 3.000 kg/ha liegt. Deshalb werden die Angaben zum ökologischen Fussabdruck in globalHektar (gHa) angegeben.)

Die vorhandene Fläche wird übrigens als "Biokapazität" bezeichnet.

Und der diesbezügliche Wert für Deutschland liegt bei nur 2 ha / Mensch.

siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologischer_Fu%C3%9Fabdruck

Wenn wir selbstversorgerisch Leben würden (Familienlandsitz-Siedlung), dann können wir den Flächenbedarf reduzieren auch 500m² pro Mensch fürs Essen und 500m² für Brennholz. Das macht für 7 Menschen 7000 m². Und damit es etwas Reserve gibt, ein paar Bereiche, in denen es auch um geistige Werte geht (wir sind nicht nur Futtersucher...) kommen wir zu einen realistischen Flächenbedarf von 10.000 m² pro Familie mit 7 Menschen.

Dann, wenn wir wirklich so leben würden, könnten wir in Deutschland noch Menschen aufnehmen (oder herzlich gerne wieder mehr Kinder bekommen).

Wenn wir jedoch derzeit schon mehr als die doppelte Fläche beanspruchen als vorhanden ist, dann geht das mathematisch nicht aus. Ausser, und dass passiert aktuell, wir beanspruchen Fläche ausserhalb von Deutschland. Und die Menschen, die aus diesen Regionen flüchten hier aufzunehmen geht auch nicht aus weil die dann unseren verschwenderischen Lebensstil kopieren wollen und dann brauchen wir noch mehr Fläche ausserhalb von Deutschland usw. usw.

Viele Grüße
Konstantin

--
"Die wichtigsten Bücher für Herz und Seele: Anastasia"


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