Kein Grund zum Widerstand
Guten Abend Phoenix5,
der Staat bzw. ein Staatswesen ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von Menschen. In der BRD beispielsweise organisieren sich rund 80 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Du bist offenbar mit der Art und Weise dieser Organisation nicht einverstanden - so interpretiere ich wenigstens Deinen Beitrag, der von einem ähnlichen bequemen Fatalismus durchzogen ist wie neulich der Beitrag von @Friedrich
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=357182
Ich verstehe eine derartige Haltung aber nicht. Bist Du müde und kraftlos? Oder weißt Du eben nicht, was Du tun könntest? Gestatte mir, darauf hinzuweisen: Du hast absolut die Freiheit, selbst etwas zu ändern. Natürlich kannst Du es nicht alleine tun, sondern - und das ist ja das Wesen des Staates - Du kannst es nur in Gemeinschaft mit anderen machen. Für mich ist der ideale Sinn des Staates und der Politik, gemeinsam zu agieren - etwa um jene Probleme zu lösen, bei denen eine kleine Gruppe oder gar ein Individuum alleine völlig überfordert wäre.
Wenn Du nun mit dem aktuellen Staat unzufrieden bist und Gleichgesinnte gefunden hast, die mit Dir einen neuen Staat aufbauen wollten, so macht Dir der alte bzw. aktuelle Staat dabei gar keine Schwierigkeiten. Ganz im Gegenteil, er begrüßt es sogar, wenn Du Dich politisch engagierst, und er unterstützt Dich dabei. Er verlangt lediglich, dass Du gewisse Regeln einhältst. Die sind (für den Gesamtstaat) beschrieben im Grundgesetz, im Bundestagswahlgesetz und im Parteiengesetz. Im Rahmen dieser Regeln hast Du - gemessen an vergangenen Epochen der deutschen Geschichte - eine riesen Freiheit. Du stehst allerdings im Wettbewerb gegen jene, die (nach Deiner Meinung) einen Faschismus wollen, sich aber nichtsdestoweniger auch an die eben beschriebenen Regeln halten - einigermaßen wenigstens. Und insofern ist der Wettbewerb fair - einigermaßen wenigstens.
Du solltest Dich also bitte nicht beklagen, zumindest nicht, bevor Du selbst versucht hast, einen Staat nach Deinem Gusto aufzubauen. Dazu sind einige Dinge erforderlich: etwa ein klares politisches Programm, das mehrheitsfähig ist und über das Du mit anderen kommunizieren können musst. Hast Du es? Es gehört eine Menge Sachverstand dazu. Dieser muss ebenso organisiert werden wie der zwischenmenschliche politische Kontakt. Und alles, wie gesagt, immer schön gemeinsam. Ein paar weitere Details habe ich in meinen voraufgehenden Beiträgen beschrieben.
Diejenigen, die Deiner Ansicht nach den Faschismus herbeiführen (wollen), können das nur aus einem einzigen Grund tun: weil die Mehrheit der Bürger inaktiv ist und diese in Deinen Augen faschistischen Handlungen zulässt. Und das, was Du schreibst, lässt sich so interpretieren, dass Du offensichtlich zu dieser Mehrheit gehörst. Deine Äußerung ist mithin, wie auch die von @Friedrich, nur ein Unmutsäußerung, eine leise Klage. Was sollte sie bezwecken? Mitleid erregen? Warnen?
Oder gar zum Widerstand aufrufen? Dem kann ich mich nicht anschließen. Widerstand gegen den Staat ist erst dann angebracht, wenn der Staat seinen Bürgern die ordentliche politische Betätigung verwehrt. Dies ist aber aktuell überhaupt nicht der Fall. Die Menschen sind lediglich zu bequem, sich politsch zu betätigen. Oder sie kennen die Regeln und Möglichkeiten dafür eben nicht. Oder stellen sich ungeschickt an, wie der von Dir zitierte Österreicher. Man muss keine Partei gründen, um den Staat zu ändern. Und erst recht nicht öffentlich ...
Mit freundlichen Grüßen,
Weiner