Rhetorik vom Feinsten für uns Stubenhocker - währenddessen Hörstel im "Wirklichen Draussen" ist
Werter Broesler, werte Bernadette,
liebe Interessierte
(notabene während dessen der Hörstel vor Jemen Wichtigerem nachgeht, als wir Stubenhocker hier)
...irgendwie ist es noch ganz spannend für mich, bei diesem angestrengten "Haare-Suchen-in-der-Suppe"; nur schon das Folgende sei so ein Klassiker eines auffälligen Beispiels:
1. Broesler zitiert Bernadette:
Weder Du noch ich legen hier die Regeln fest; Gedanken sind im Netz tendenziell so frei wie im Hirn und einige davon passen womöglich nicht ganz in ein Korsett, welches Dir genehm ist.
2. Broeslers Replik darauf:
Tse, genau, ganz stark. Ich schrieb also, dass mir deine Gedanken generell nicht passen. Bernadette, das stand da nicht...
3. Wildheuer stellt (womöglich bei den Haaren herbei...?) fest:
Bernadettes ausgehende Aussage:
...und einige [Anm.: Gedanken] davon passen womöglich nicht ganz in ein Korsett, welches Dir [Anm.: Broesler] genehm ist
Wildheuers Feststellung WF1:
Bernadette schreibt von *einem* hypothetischen Korsett, nicht von *Broeslers* ur-eigenem Korsett.
WF2:
Bernadette schreibt von *einem* hypothetischen Korsett, das *Broesler* durchaus nicht genehm sein darf.
WF3:
WF1 und WF2 bestätigen mir (der Wildheuer will also sich selber bestätigen, ach aber so etwas auch...!), dass Bernadette Broesler bzgl. den Gedanken jegliche Freiheiten lässt. Dafür gibts von mir Wildheuer ein grundsätzliches Bravo!, denn es ist eine versöhnliche Geste.
WF4:
Broesler leistet sich eine erste Wallung (husch in die Tastatur geworfener...?) Emotionen:
"Tse, genau, ganz stark."
WF5:
Das "Tse" sagt mir Wildheuer, Broesler pfeift eigentlich auf das Zitierte.
WF6:
Das "genau" sagt mir, das Broesler dieses Wort eher rhetorisch als ernst gemeint verwendet.
WF7:
Das "ganz stark" sagt mir, das Broesler diesen Ausdruck ebenfalls eher rhetorisch einsetzt.
WF8:
Nach der unter WF4 eröffneten (Schimpf?-)Einführung, will Broesler Bernadette so verstanden wissen...:
"Ich schrieb also, dass mir deine Gedanken generell nicht passen."
...dass er sie nachfolgend angreifen kann. Ich glaube, dieser rhetorische Trick heisst *Strohpuppen-Argument*, wenn ich mich recht erinnere; hier in diesem Fall allerdings sehr subtil und dezent angewandt.
WF9:
Werter Broesler, lass dir von mir sagen, dass Bernadette das unter WF8 Aufgeführte eben gerade so nicht sagte, lese bei Bedarf noch einmal WF1 und WF2.
WF10:
Lieber Broesler, das unter WF8 von dir Geäusserte *kann* unter dem Eindruck *deiner* *ur-eigenen* Emotionen geschehen sein, wie du spezifisch auf Bernadette reagierst.
WF11:
Broesler, mit dem Kraftausdruck (denn z. B. in der weit verbreiteten *Netiquette*, die im Englischen/Amerikanischen geplegt wird, wird *Fett*-Schreiben mit *Aufschreien* oder *Ausrufen* gleichgesetzt)
Bernadette, das stand da nicht...
bekämpfst du dein eigens zuvor unter WF8 analysierte Strohpuppen-Argument.
WF12:
WF11 zeigt mir, dass der unter WF3 gezeigt Geste Bernadettes von Broesler *gegen besseres Wissen* willentlich nicht angenommen wurde (also, das ist es, wie es bei mir subjektiv ankommt).
WF13:
WF12 lässt *mich* dahin verleiten, das Wort "Böswilligkeit" zu denken (und hier zu schreiben). Es muss überhaupt nicht stimmen, und es muss auch nicht die Absicht gewesen sein, aber der Umgang von Broesler mit Bernadette lässt diesen Gedanken *bei* und *in mir* entstehen; das kann ich nicht mehr selber steuern.
WF14:
WF13 beweist nur, dass der Sender einer Botschaft/Nachricht/Information/Blog-Beitrags es nicht mehr alleine und selber unter Kontrolle hat, wie der Empfänger die Message erfassen/auf-nehmen/wahr-haben/deuten will. Sobald ich etwas sage/schreibe/veröffentliche *passiert* die Informationsverarbeitungs-Dynamik, die Kaskaden/Kettenreaktionen gegenseitiger An- und Abstossungen (wie die Gasmoleküle) ist in Fahrt gebracht worden.
Fazit 1: Auch die Wildheuerschen WF1 bis WF14 sind - wie Broesler es ausdrücken würde - nur eigentliches *Dampf-Plaudern*, insbesondere angesichts der wirklichen Lage vor Ort im und rund um den Jemen.
Fazit 2: Wir Diskutanten und Schreiber hier im Gelben brauchen offensichtlich zwischendurch eine Art Ventil, um aus unseren Stühlen heraus überhaupt mit der Welt-Situation begrifflichen Schritt halten zu können.
Fazit 3: Die angespannte Welt-Situation kann gar nicht anders, als sich auch hier in der *geschützten Diskussions-Werkstatt "Gelbes Forum"* Bahn und Gehör zu schaffen. Die Drücke vom *Wirklichen Draussen* kaskadieren hinein hier ins *Gelbe Innenleben*.
Fazit 4: Damit die Welt sich wieder verstehen würde, müssten alle sich zuerst mal *verstehen WOLLEN*.
...und genau das habe ich vermisst im schaubildhaften Beispiel, das oben in seiner ganzen Länge seziert und als Lehrbeispiel dokumentiert sei.