Hallo Azur, ich komme leider erst jetzt dazu zu antworten, weil

Arvid, Samstag, 28.03.2015, 19:22 (vor 3943 Tagen) @ azur2502 Views

ich mich an Coverversionen von mir lieben Musikstücken »festgehört« habe (und noch ein paar kleinere Dinge erledigen musste.

nicht nur in der Psychotherapeutik wird immer geraten Komplexität
grundsätzlich zu reduzieren, zumindest aber Übersichtlichkeit, welche
auch ein Ressourcen beansprucht, erhalten und verbessern. Es auf jeden Fall
so unaufwendig wie machbar beherrschbar halten.

Mir geht es im Speziellen um den Zusammenhang zwischen Transparenz und Komplexität. Dazu werde ich weiter unten (Thema »Komplexität in der IT«
noch ausführlich Stellung nehmen.


Siehe auch hier aus der Wirtschaft:

"Wer Komplexität beherrscht oder im Unternehmen reduzieren kann, ohne an
Individualität und Flexibilität gegenüber Kunden zu verlieren, kann
diese Stärke im Wettbewerb nutzen. Die Autoren zeigen, wie das
funktionieren kann

Komplexität wird meist so beschrieben, als sei sie etwas Gefährliches,
Schlechtes, nicht Beherrschbares – eine Folge von Fehlern oder
Fehlentscheidungen oder von außen auf ein Unternehmen Einstürzendes. So
überwiegen die negativen Einstellungen und Bewertungen gegenüber diesem
Begriff. Doch er verliert seinen Schrecken, wenn man Methoden kennt, die
helfen, mit Komplexität umzugehen. Die beiden Unternehmensberater Werner
Bick und Susanne Drexl-Wittbecker stellen in diesem Buch solche Methoden
vor und beschreiben ihren Einsatz..."
http://www.business-wissen.de/buch/komplexitaet-reduzieren/

usw.

Mir geht es Momentan um zwei Domänen der Komplexität, Politik und Wirtschaft.
Als erfahrener Projektmanager habe ich alle Arten von Intransparenz in sehr komplexen Vorhaben kennen und fürchten gelernt.

Insbesondere in den Projekten, in denen sehr viel unausgesprochene Politik hineinspielt ist der Komplexitätsgrad sehr hoch und das Scheitern in gewisser Weise vorprogrammiert.

Dazu ein Beispiel:
Ein Kernbanksystem soll von einer veralteten Plattform auf eine neue Plattform umgesetzt werden. Im gleichen Zuge soll die Funktionalität optimiert werden.
Dokumentation des alten Systems ist unvollständig oder nicht aktuell. Es gibt genau drei Gurus dies das alte Systems zu jeweils ca. 70-80 Prozent kennen (unterschiedliche Teilbereiche).

Heute wüsste ich, dass die drei Spezialwissenden niemals freiwillig alle ihre Kenntnisse des Systems (mit-) dokumentieren werden. Du musst (als Projektleiter / -manager) Dir selbst einen Weg durch den Dschungel der Komplexität schlagen und dabei kannst Du nicht sicher sein, alle
relevanten Spezialfälle abzudecken.

Die ersten Tests laufen schief, es kommt zu Auseinandersetzungen mit den Spezialisten, die sich auf den Standpunkt stellen, nicht alles wissen zu können und vor allem nicht zu wissen, was sie nicht wissen.

Das Ende vom Lied: Das neue Verfahren wird nicht die Funktionen des alten nachbilden, sondern ganz neu ansetzen und in einem Kraftakt (72-Stunden-Schicht über Ostern) werden die Daten migriert. Einen beträchtlichen Verlust von Funktionalität hat man bewusst in Kauf genommen, um die Komplexität der Aufgabe zu reduzieren.

Man hat auch in Kauf genommen, das der Vertrieb der Bank volle 14 Wochen nicht mehr auf aktuelle Konditionsdaten zurückgreifen konnte, sondern diese tagesaktuell und ohne Kalkulationshilfen per Fax aus der Zentrale erhalten hat.

So geschehen bei der damals viertgrößten Bank in DE.

Vermutlich werden Ingenieure und Logistiker Ähnliches sagen.

Schon die Alten wussten es, wie man hieraus ersehen kann:

– Solon von Athen:

„Μηδὲν ἄγαν.“

„Nichts zu sehr!“ bzw.
„Nichts
im Übermaß!“

– Kleobulos von Lindos:

„Μέτρον ἄριστον.“

„Maß ist das Beste.“

– Periander von Korinth:

„Μελέτη τὸ πᾶν“

„Habe das Ganze im Sinn.“

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gnome_(Dichtung)

Übersichtlichkeit und Beherrschbarkeit erhöhen die Chance Dinge bewusst
einem gewünschten Ausgang zuzuführen zu können.

Aber auch das natürlich angemessen und in Maßen.
Simplifizierung
kann für sich auch in die Irre führen.

Genau diese Abgrenzung ist interessant. Wie und wann und wodurch lege ich fest, wann ein System sich außerhalb des gewünschten / vertretbaren Komplexitätsrahmens bewegt? Wann ist ein System zu simpel?

Denn der Mensch an sich ist als Kriterium nur sehr bedingt tauglich: Es wird immer Menschen geben, die sich innerhalb eines System bestimmter Komplexität wohl und orientiert fühlen und solche, die damit gar nicht zurecht kommen.


PS: siehe auch: keep it simple

http://de.wikipedia.org/wiki/KISS-Prinzip

Neudeutsch formuliert, bin ich da bei Dir. Aber was bedeutet es konkret? Nehmen wir ein Automobil.

In welcher Phase seiner Entwicklung fing ein Automobil an, zu komplex zu werden? Davon ausgehend natürlich, dass ein Auto an sich nicht schon zu komplex ist.

War das Model T zu komplex, der Käfer, fing es mit ABS und den Airbags an?

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid


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