Die leidigen Target2-Salden ..

Beo2, NRW Witten, Freitag, 09.12.2016, 19:55 (vor 3380 Tagen) @ CalBaer2427 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 09.12.2016, 20:25

Aber dass diese Salden unbezahlte Rechnungen seien, gehört zu den vielen unausrottbaren gelben Narrativen (aka Märchen),

So ist es!

Das behauptet auch niemand ... Natuerlich hat die Bundesbank an den mittelstaendischen Lieferanten aus Oberknackenknesel im Auftrag eines griechischen Bauunternehmers in cash und bar gezahlt. Zwar ist damit der Zahlvorgang technisch beendet ... Denn die Bundesbank hat mit unbesichertem, bedrucktem Papier vorgeschossen, ...

Ja wohl. Aber bitte nicht vergessen, dass gleichzeitig die griechische ZB die gleiche Summe in ihrer eigenen Bilanz (d.h. bei der GBank des Kunden) ins Nirwana, u.z. auf ihrer Passivseite ausgebucht hatte .. zugunsten des passiven Target2-Saldo bei den Griechen (= bilanzieller Passivtausch). Dieses erhöht sich dadurch; die Bilanzsumme bleibt jedoch unverändert. An der umlaufenden Geldmenge (ZBGiral- + Bargeld) in der Eurozone ändert sich also nichts.

... jetzt muss die Aktiva-Position wieder auf gleichen Stand gebracht werden. Jetzt muss man verstehen, dass Target2 ueberhaupt nichts mit Aktiva zu tun hat. Target = Real Time Gross Settlement System. Also ein Echtzeitsystem, indem eine ZB die andere anweist: hier druck mal sofort. Die Aktiva koennen gar nicht in Echtzeit fliessen, denn so eine Uebertragung von Staatsanleihen oder Gold dauert eben.

Ja wohl!

Solange bleibt ein Target2-Guthaben bei der Bundesbank stehen. Wenn dieses Kollateral bei der Bundesbank nach einiger Zeit eingetroffen ist, wird der Target2-Kontostand wieder entsprechend reduziert. Target2 beschleunigt die Zahlungsabwicklung, weil die Uebertragung von Kollateral sehr lahm ist, was ja eine gute Sache ist.

Exakt!

Nur ... haben wir ein Problem. Die Aktiva, die den Echtzeitzahlungen des Target2-Systems normalerweise hinterherlaufen, existieren heute gar nicht mehr! Aus dem einfachen Grund, dass diese Laender keine Aktiva mehr haben.

Das stimmt nicht. Das "Kollateral", also die "geschuldeten" Aktiva, sind Staatsanleihen (Sicherheiten, Zahlungsversprechen) des jeweiligen Landes, welche sich in der Bilanz und im Besitz der auftraggebenden ZB selbstverständlich befinden (müssen!). Sonst stimmte ja deren Bilanz nicht. Bucht die griechische ZB also die angewiesen Summe bei sich selbst aus, hat sie nun einen Quasi-Überschuss an echten Aktiva (d.h. gr. Staatsanleihen), was sie ja mit der entsprechenden Änderung ihres Target2-Saldo kompensiert. Diese Staatsanleihen werden an die BuBa nun geschuldet .. von daher ist es durchaus berechtigt, von einer Forderung zu sprechen. Bei deren tatsächlichem Transfer schrumpfte also das Target2-Saldo der BuBa. Dies könnte ja per eMail und einer PDF-Datei stattfinden .. aber wozu?

Es handelt sich also nicht um eine Geldforderung, sondern um Forderung auf die Sicherheiten (Staatsanleihen) eines anderen Landes .. die bei den anderen ZBanken vorhanden sind.

Aber sie zahlen einfach weiter mit Target2 und die Bundesbank muss das Geld drucken und die Bundesbank (aka dt. Steuerzahler) erhaelt dafuer nur Ansprueche auf nichtexistente Dinge.

Sie erhält Ansprüche/Forderungen auf Staatsanleihen, welche sich bei den auftraggebenden ZBanken befinden. So weit ist alles korrekt.

Es waere ungefaehr so, dass in einem Goldstandard die Zentralbank jahrelang Goldzertifikate auszahlt, obwohl das Gold nirgends existiert. Irgendwann muss diese Schwindelei aber geloest werden, die Aktiva kann man aber nicht herbeizaubern. Die EZB denkt, man kann es einfach aussitzen.

Ja, das Gold wurde aber durch Staatsanleihen ersetzt. Diese dienen nun als Sicherheiten (Aktiva) bei der Geldemission (Kreditvergabe) der ZBanken. Soweit sehe ich alles als "einigermaßen" korrekt an.

Gruß, Beo2


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.