Deutungshoheit - genau da liegt das Problem
Lieber Fabio,
Du sagst es doch: Das Problem liegt in der Deutungshoheit. Diese hatte - ich denke, da sind wir uns einig - nicht nur in Deutschland lange (viel zu lange) eine linksalternativ gestrickte Denkart (ich führ das jetzt nicht aus, Du weißt, was ich meine).
Diese Deutungshoheit hat sie teilweise subtil, mehrheitlich aber brachial durchgesetzt. Ist alles voll Nazi, was nicht so denkt wie ich. Weißt schon.
Nun kommt - wie immer - eine Gegenbewegung. Lange hielt man den Deckel drauf, aber (gerade befeuert durch die sozialen Medien!) nun findet sich zusammen, was sich finden wollte. Meinungsmäßig. Und ist - wie ich meine zu Recht - erstmal sauer. Eben darüber, so lange diskreditiert worden zu sein.
Nun aber fängt der Fehler von vorne an: Jetzt will das andere Ende des Spektrums eben die Deutungshoheit haben (dahin wird es gehen, verlass Dich drauf). Ebenso schlecht, ebenso falsch.
Aber leider haben die deutschen Schulen bereits vor mindestens zwei Schülergenerationen aufgehört zu lehrern, was Diskurs bedeutet. Das hat noch Weiterungspotenzial! Die Amis haben es ja auf die Spitze getrieben: Da gibt es jetzt "safe spaces" für Leute, die sich von anderen Meinungen getriggert fühlen.
Und so kommt es dann zu dem, was Du hier siehst. Da öffnet jemand (wie Du richtig schreibst) vielleicht sogar bewusst eine Flanke, da er einsieht, argumentativ bislang wohl nicht ganz richtig gelegen zu haben - und bums kommt die Holzhammerhäme von der anderen Seite.
Weil überhaupt kein Wille dafür da ist, mal ein Stück weit dem anderen zu zu hören, wenn er sich offen diskussionsbereit zeigt. Von der Fähigkeit will ich gar nicht sprechen. Das siehst Du doch auch hier im Gelben: In 90 Prozent, ach, mehr, aller Fälle in denen es um Politik geht, sind das keine Diskussionen sondern verbissenes Austauschen von Standpunkten. Oder gleich Provokationen.
Aber so neu scheint das alles ja nicht zu sein. Früher gab es auch schon Wirtshausschlägereien. 
Liebe Grüße!
Gaby
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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci