Deflation bzw. DeDe ist nicht das Ende der Kette (besser des Zyklus) :-)

Silke, Mittwoch, 06.07.2016, 18:52 (vor 3510 Tagen) @ el_mar6580 Views
bearbeitet von Silke, Mittwoch, 06.07.2016, 19:17

Lieber el_mar,

Es sind immer wieder wichtige Beiträge von dir, die zu Antworten und Diskussionen einladen.

Deine Formulierung im Beitrag ist völlig richtig.
Die Überschrift würde ich aber nicht so stehen lassen.
@dottores Beschreibung ist imho. sehr gelungen:
"Reihenfolge:
1. Staat wird am Kapitalmarkt zugelassen, darf Schulden machen
2. Inflation, da Staat kein entsprechendes Mehrprodukt abliefert bzw. die Bürger via Steuererhöhung dazu zwingt, es abzuliefern.
3. Ende der Inflation, sobald die Kosten ihrer Fortsetzung ihre Erträge übersteigen.
4. Disinflation mit sinkenden Preissteigerungsraten bzw. Zinssätzen.
5. Automatisch folgende Aktien-Hausse
6. Hausse verselbständigt sich zur Bubble.
6. Bubble platzt (Crash).
7. Heraufziehen der Rezession bzw. deren Verstärkung.
8. Deflationäre Depression.
9. Ausweglose Lage.
10. Umsturz und Neuanfang, nachdem die nicht mehr bedienbaren
Schulden ausgebucht sind. Variante: Notenpresse total mit gleichem
Ausgang."

Wir befinden uns heute grosso modo in der DeDe von Punkt 8.
Die kann je nach Aggressivität der Nachschuldnersuche noch gestreckt werden, wenn nicht vorher Tainter's Law zum sofortigen Systemabbruch führt.

Waffengewalt, weltweite Rechtshoheit und Entwicklungsvorsprung auf der Welt liegen in den Händen der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer mit vorreitendem Kriegstreiber VSA, dicht gefolgt von den anderen Kriegstreibern.

Diese glänzen mit stabil und global aufgestellten hoch verschuldeten Zentralmachtinstanzen, noch per Aufschuldung funktionierenden Machtkreisläufen und vor allem umfassenden, willigen systemtragenden Bevölkerungsmassen (Letztere stellen die Verschuldung, die über die GB’s per ZB in Geld gewandelt wird, mit kuranten und bezifferten Trägern die Teilsummen der beurkundeten Gesamtschuld des Systems ausweisend).
Dort findest du wahrscheinlich nur einen kleinen Prozentsatz an Leuten, die sich mit sehr verschiedenen Lebenskonzepten aktiv vom System abwenden (siehe Header).

"Die deflationäre Krise ist nicht Folge eines "Nachfragerückgangs", sondern sie ist Folge der Tatsache, dass die zur Entfaltung der systemnotwendigen Nettoneuverschuldung (mit deren Hilfe überhaupt die im Kapitalismus immer benötigte Zusatznachfrage erst entfaltet werden kann) ausbleibt. Die Gründe dafür liegen nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit, Klartext: in der bereits vorhandenen Verschuldung, konkret natürlich der STAATSVERSCHULDUNG, die das System immer mehr verrentet und die Teilnehmer daran hindert, in Realkapital zu investieren. Ab einem bestimmten Verschuldungslevel (= vergangenheitsbedingt)helfen eben nur noch die Hubschrauber oder so etwas."
@dottore

Die Produktion von Öl und die Erhaltung der zur Verwendung von
Öl(Produkten) notwendigen Infrastruktur kostet jetzt mehr als es
einbringt"
peakoil.com

Das ist völlig richtig und ein Grundprinzip des Debitismus.
Je fortgeschrittener meine Position im Zeitpunkt X in den mit Abgabeschulden infizierten Verschuldungsketten ist, desto verheerender ist die in diesem Zeitpunkt erstellte Bilanz, wenn ich sie denn ehrlich und umfassend genug erstellen würde.
(Stichpunkte Implizite Schulden, Ewigkeitskosten und versunkene Kosten sowie Kollateralschäden und Vorfinanzierungsproblematik der Nachschuldner).
Rohstoffe sind genug da.
Das Problem ist die systemimmanente Vergrößerung der gesamtzivilisatorischen Verschuldung ohne Chance auf Tilgung und verkraftbare Ausbuchungen und gleichzeitig der Vorfinanzierungslücke mit ablaufender Zeit .

Ein Fraktal der Zivilisation ist der einzelne Mensch in seiner natürlichen Umgebung (Kapital).
Wird er nicht durch die Seinen vorfinanziert, kommt und bleibt er nicht in der Welt bis er sich selbst versorgen kann.
Hebt er seine Urschuld über ein natürlich tief gelegenes Niveau an kann er sie nicht mehr dauerhaft bedienen, ohne dabei sein Kapital zu vernichten (bei zu viel Konsum als nötig mit Ressourcenverschwendung werden zu schnell zu viele Nachschuldner in Anspruch genommen, so dass immer mehr von ihnen ihrerseits keine Nachschuldner finden und ausscheiden, wenn sie nicht die Spielregeln ändern).

Der Erntefaktor dürfte in segmentären Gesellschaften im Vergleich zu allen heutigen Energiebeschaffungsversuchen unschlagbar hoch sein.

Wo gewaltbasierte Abgabe- und Zwangssysteme etabliert werden, geht es früher oder später gesamtwirtschaftlich betrachtet immer unter die Nulllinie, weil der Wachstumszwang den Bedarf an Energie über das vorhandene Potential schiebt.
Wenn die Verschiebung der Verschuldung in Raum und Zeit nicht mehr weiter möglich ist tritt Insovenz ein.
The most important chart of the century.
.

Der hunter/gatherer verschafft sich ohne Ölexploration, -förderung, -verteidigung a la Irak, -verarbeitung und -konsum einen höheren Nutzen im Hinblick auf seine Bedürfnisbefriedigung bei geringerer Belastung der natürlichen Ressourcen, obwohl er bestimmt auch kein Ökofreak ist.

Liebe Grüße
Silke


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