Neuverschuldungsfähigkeit ist der Knackpunkt = Nachschuldnersuche 1.0

Silke, Dienstag, 07.06.2016, 16:18 (vor 3541 Tagen) @ el_mar8362 Views
bearbeitet von Silke, Dienstag, 07.06.2016, 16:46

und natürlich der Simplifizierungsdrang, der der Komplexitätszunahme im System gegenüber steht.

Lieber el_mar,

Die Kette:

startet früher...
Systematischer Aufschuldungszwang - Ein System, das funktioniert

...bei der Entstehung von gewaltmonopolistischen verschuldungsfähigen Zentralmachtinstanzen (besichert durch Fähigkeit zum Steuern und Aufschulden=Steuern von morgen) und verschuldungsgezwungenen bzw. durch Simulation -willigen wirtschaftsbereiten Ohnmächtigen.

Letztere betreiben Abgabenbeschaffung durch Nachschuldnerstellen in
-> Raum = Externalisieren von Verschuldung hin zu Schwächeren per Wirtschaft/Krieg
-> Zeit = Schuldentilgung heute durch Verbrauch von Ressourcen und Potentialen der nächsten Generationen mit Verwüstung der weltweiten Allmende (Luft, Wasser, Boden, Biosphäre) - ein heute gerodeter Regenwald mit Versiegelung und Monokulturen fehlt erst morgen und übermorgen.

So lange ausreichend viele (exponentiell wachsend) Nachschuldner gestellt werden, läuft das System weiter, wenn kein Simplifizierungsereignis nach Tainer/Murphy eintritt.
Gelingt das Stellen von Nachschuldnern in kritischer Masse nicht mehr, endet dieser debitistische Zyklus.

So funktioniert es mit der Menschheit wie mit jedem anderen Lebewesen.
Ein krebsartig wachsendes Gewebe kann so lange wachsen und sein für den restlichen Organismus nutzloses Gewebe mehren, bis nicht mehr genügend Nachschuldnerzellen in den anderen Geweben eingebunden werden können => Tod des ganzen Lebewesens.

Wenn das Leben aber das Überleben in einer historisch empirisch belegten immer wieder zyklisch und singulär lebensfeindlich werdenden Umwelt anstrebt, ist das Ausbreiten und Streuen in Raum und Zeit ein mächtiges Überlebenskonzept.
Menschen träumen von Unsterblichkeit, lassen sich einfrieren und wollen den Mars besiedeln und in andere Universen wechseln können, um den Zugriff auf das genetisch/epigenetisch/memetisch/schriftlich/bildlich und auf weiteren Informationswegen verschlüsselte, angehäufte Wissen abrufbar zu halten, falls die Erde als sehr fragiler Lebensraum einmal wieder temporär auszufallen droht.
Das können evolutionär keine Jäger und Sammler, sondern nur Zentralmachtinstanzen leisten, da diese viel mehr Vorfinanzierungsbedarf stemmen können (zum mörderischen Nachteil extrem vieler chancenloser Nachschuldner und unter Risiko des Biosphärenzusammenbruchs, aber die Evolution hat es ja nicht so mit der Moral, mit Gut und mit Böse - wer nicht angepasst und optimiert ist, stirbt aus).

Du beschreibst Folgephänomene der Zentralmachtinstanzschaffung, bei denen sämtlich die Neuverschuldungsfähigkeit der wichtigere Aspekt ist.

Weniger billige Energiesklaven (sinkender EROEI)- sinkende
Nettoenergie - geringere Produktivität - geringere Löhne - weniger Konsum
- geringerer Produktion - Entlassungen - geringere Nachfrage - weitere
Entlassungen - geringere Öl-Nachfrage - sinkender Ölpreis - ZIRP und
faule Kredite für Fracker und andere Förderer unkonventioneller, fossiler
Brennstoffe (Can kicking zur Überraschung des Dottore)) - extreme
Verschuldung - Abschreibung - Deleveraging - Plünderungskriege - Zerfall
der komplexen Strukturen, zunächst an "den Rändern" (failed states) und
Migrationswellen - kurze, totalitäre Phase (Kommando-Wirtschaft mit
Produktions- und Förderzwang) - globales "game over".

GO = Sobald wir die Zukunft wegen Überschuldung nicht mehr anpumpen
können, können wir die fossile Vergangenheit nicht mehr hochpumpen.

Richtig. WEGEN ÜBERSCHULDUNG = Nachschuldnermangel.

Dottore hatte im Grunde Recht. Nirp, Zirp und QE hatte er, wie viele
andere, nicht auf dem Schirm. Das gab ca. 10 Jahre Spielverlängerung. Also
jetzt noch ca. 2 Jahre.

Doch hatte er…
“…Premieren noch und noch“
@dottore

Habe ich einen Fehler in der Kette, oben?

Nur einen Auslasser am Anfang [[zwinker]],
das Vorher-Nachher-Phänomen, das Vorfinanzierungsproblem der Macht.
Das wird mit jeder Ver- und Entschuldungsrunden schlagender, da sich die Macht ständig neu und mehr vorfinanzieren muss.

Der Debitismus ist ein Machtbastard
Die Realität ist nicht Wirtschaften -- Geld, Preis und Zins -- Macht -- Abgaben -- weiter Wirtschaften.
Sondern: Macht -- Abgaben -- Geld -- Wirtschaften mit Geld und Preis und Zins.

Liebe Grüße
Silke


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