Das hängt in erster Linie davon ab, was man unter "leben" versteht
Hallo,
es ist denkbar, dass du diesen Kampf gegen das System gewinnst, aber den
Krieg verlierst du, spätestens wenn deine Lebensuhr abgelaufen ist.
Kommt auf die persönliche Einstellung an. Der eine sieht seine Lebensessenz darin, sich der Malerei hinzugeben, der andere, Musik zu machen, der nächste, sich an der Natur zu erfreuen, - alles positive Dinge.
Es gibt auch welche, die Erlebnisse sammeln, die gar nicht in der Lage sind, auf einem regelmäßigen Level zu schwimmen, - die die Herausforderung suchen und in der Aneinanderreihung dieser Erlebnisse, egal ob positiv oder negativ - Ihr Lebensziel betrachten. Typisches Beispiel ist Reinhold Messner, - aber eben wieder auf andere Art.
Es gibt Leute, die nur in der Umsetzung ihrer Überzeugung, koste es was es wolle, ihre Erfüllung sehen. Soll ich meinen Großvater verdammen, weil er im 3. Reich sich solange für seine Überzeugung engagiert hat, bis man ihn umgebracht hat? Hat er nun den Krieg verloren, nur weil seine Lebensuhr früher abgelaufen ist?
Ich kanns nicht beantworten. Aber ich kenne jemanden, der genau diese Natur gehabt hat. Irgendwann nach dem Eintritt in die Rente hat man ihn von Seiten seiner Familie, vor allem seiner Frau, massiv bearbeitet, diesen bisherigen, oftmals als exzentrisch bezeichneten Lebenswandel ultimativ bleiben zu lassen und sich eines ruhigen Daseins zu befleissigen, wie es einem Rentner geziemt. Ich hatte nicht mehr soviel Kontakt aufgrund meines Wegzugs, - ich weiß nur, dass er knapp zwei Jahre danach verstorben ist. Als rüstiger Rentner, organisch gesehen.
Es ist eben aus meiner Sicht ein Unterschied, ob ich einen Baum pflanze
oder gegen ein Gedankenkonstrukt (Staatsgebilde) ankämpfe. Das ist es
eigentlich, worauf ich aufmerksam machen wollte.
O.k., das ist Deine Meinung, die ich respektiere. Aber es ist letztlich eine Meinung. Ich formuliere es anders: Es ist kein Unterschied, ob ich den Baum pflanze oder gegen das Staatsgebilde vorgehe.
Warum: Weil ich den Baum pflanze, um (nicht nur, aber auch) gegen das Staatsgebilde vorzugehen
Ich weiß nicht, ob ich Dir meinen Gedankengang so nachvollziehbar erklären kann, wie ich es möchte. Vielleicht kommt es ungefähr aus der letzten Strophe meines Liedes heraus, das ich mir in Siebenbürgen anläßlich meines 60. Geburtstages zusammengebastelt habe. Die Übersetzung reimt sich natürlich nicht, weil es in rumänischer Sprache verfaßt wurde:
Im Leben hat man mich meistens oben oder unten gefunden, - in der Mitte selten. Ich hatte alles gehabt, -und auch alles verloren, - aber der Herrgott hat mir nochmal eine Chance gegeben. Ob ich sie sinnvoll genutzt habe, das kann man erst am Ende des Weges sagen. Weil wenn man im Leben wie eine Flamme brennt, dann muss man auch zwischendurch mit Rauch rechnen.
(Der letzte Satz davon ist ein rumänisches Sprichwort/Redewendung).
Natürlich liegt es nahe, - schon von Deinem geografischen Standort aus gesehen - das Leben von der schönen, von der unbeschwerten Seite zu betrachten. Das läßt sich schon von der Schönheit der Natur in Deiner Umgebung ableiten. Ich kenne auch jemanden in dieser Gegend, der mit Deutschland längst abgeschlossen hat, weil ihm schon die Nachrichten aus der Heimat Magenkrämpfe bereiten und er keinen Bock darauf hat, sich den letzen Abschnitt seines Lebens damit zu versauen. Vielleicht komme ich auch mal in diese Phase, - aber noch bin ich nicht soweit.
Gruss
Gruß zurück in die Hitze!