Clevere Idee
Hallo dottore,
gute Idee. Es gibt das wohl auch verschiedentlich für Medziner: http://www.medi-learn-kurse.de/responsive/responsive.php?homepage=repetitorien&seit...
https://www.aerzteblatt.de/pdf/ST/5/1/s6.pdf
Habe mich damals geärgert, dass ich erst, wie alle, am Ende zum Repetitor gegangen bin. Das war für mein Verständnis wesentlich, weil es eben a) einen ganz anderen Überblick verschaffte, und b) Repetitoren eben agile fitte Typen sein müssen. Das heißt, bei den Juristen, gab es große Repetitoren, mit solidem Stil, für Streber (Hemmer, und Alpmann - die Scripte kann man jedem wärmstens empfehlen das ist 1A Lehrmaterial, seit Jahrzehnten sehr gut grafisch aufbereitet und perfektioniert); welche für jene, die sich auch zwingen und beleidigen lassen (Alpmann - arbeitete mit Alpdruck), welche bei alten Herren Rechtsanwälten... Meines war völlig serös, aber klein und von flippigen Typen betrieben. Einem coolen Strafrechtler mit Schlangenlederstifeln (das haben einige in der Branche - man versteht, wen das Strafrecht anzieht), einen superinteligenten überdrehten Buddy-Holly im ÖR und einem jungen totalen Überflieger in Zivilrecht (ein Bilderbuch-Dogmatiker - einfach zum Niederknieen - der hatte natürlich auch alle erlangbaren Abschlüsse, auch GB und US), und alles war ungezwungen und unkonventionell, wobei natürlich von allen Seiten geschufftet wurde, wie verrückt. Da musste ja keiner zum Jagen getragen werden, sondern Wissbegier war schlicht selbstverständliche Norm - da wurde von jedem jedes Wort genau verfolgt, wie im Referendariat (und eben nicht, wie das was ich aus den Häkelseminiaren bei den Sozialwissenschaften hörte: Oh Gott!).
Und es war auch wichtig, weil man so seine Not, in der fast alle steckten (es gab nur wenige, die völlig ohne Selbstzweifel-Blokaden waren - interessanterweise waren das auch die letzten DDR-Fernstudenten, die das alles neben dem Beruf paukten und allesamt bestanden!), gegenseitiges Verständnis fand. Wie in privaten Lerngruppen, welche sich überall bildeten (auch beim gemeinsamen Durchstehen von den geharnischten Leistungskontrollen während des gesamten Studiums).
Mein Prof. für Rechtssoziologie, der Überflieger Rottleuthner, hat u. a. mal nebenbei erforscht (und zwar gründlich, mit viel Zeit und gutem Set, riesigen Befragungszahlen usw. - begnadeter Fachmann, der natürlich auch mit den Statistikpäpsten mithalten kann), was die Faktoren sind, die den Studienerfolg sicherten. Es war nicht Herkunft oder finanzielle Unterstützung, oder nebenbei viel Erwerbsartbeit leisten oder Besuch beim Repetitor, wie allgemein angenommen wird, sondern 2 Faktoren: 1)die Menge der Probeklasuren (also harte Übung für die Aufsichtsarbeiten im Examen) und 2) Arbeitsgemeinschaften (das werden natürlich nicht selten Freunde fürs Leben - und was man gut erklären kann, das hat man dann auch drauf).
Eine Mitstipendiatin war Tutor. Die hat das auch ohne Repetitor geschafft, weil sie es eben selbst erklärend rekapitulieren konnte. Eine weitere Freundin im Fach, war einfach zu begabt, um ein Repetitor zu brauchen, und ist erwartungsgemäß fix durch das Studium, perfekt promoviert und hat verdient sehr Karriere in Ministerium gemacht.
Kenne einen auch aus einer der Bremer ehrbaren Familie, ein ungewöhnlich blitzgescheiter Kerl, der hat jeden Tag in der Examensvorbereitung, die die Menge beim Repetitor verbrachte, stoisch seine 4 Stunden eisern studiert, (ohne sich jemals in Selbstzweifel zu ergehen und dabei massenhaft Zeit zu verlieren). Der ist ganz locker zum Prädikatsexamen gekommen, weil völlig gelassen und eben gut vorbereitet. Es waren aber wenige, die das so konnten.
Es war aber eine sehr, sehr gute Zeit, im Repetitorium, voll harter Arbeit und voll von Ahaerlebnissen und sehr amüsant, und hochwahrscheinlich war es auch bei Dir ein riesiges Vergnügen. Nein, da bin ich mir ganz sicher.
Die Professorenschaft hat natürlich immer gestänkert, aber das war a) schlechtes Gewissen und b) wussten sie sehr gut, dass die Uni das so eben vielfach nicht anbot (die Humboldt hat es wenigstens versucht - die FU auch ein wenig, war aber nicht so gut, wie die Privaten, die natürlich auch gehörig kosteten, aber danach konnte man ja auch endlich abschließen*).
Viele freundliche Grüße
azur
* einen Schein habe ich durch Remonstration erkämpfen müssen. In der Arbeit war es um Sicherungsübereignung, die ja ziemlich speziell ist. Nach dem uns das im Repetitorium erklärt worden war, und ich endlich es richtig verstand, habe ich mich bei dem entsprechenden Prof. in einer stillen Minute mit schamesrotem Haupt für meinen Stuss entschuldigt, den ich in der dann akzeptierten Arbeit geboten hatte (vermutlich war die Remonstration auch recht gut gelungen) und bedankt, dass er im Ganzen doch statt gegeben hatte. Das war so ein magischer Moment im akademischen Betrie, wie er diese Entschuldigung entgegennahm. Das war auch ein klasse Didaktiker, was man von vielen Profs. eben nicht behaupten kann (besonders klasse war ja der Typ kauziger Ordinarius - aber da kann man wenigstens etwas lernen, anders als von völlig für Vorlesungen untalentierte oder Lustlose).
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