@dottore's Vision einer "neuen" Gesellschaft ..
Im folgenden zitiere ich von mir ausgewählte Passagen aus diesem Interviews mit verehrtem @dottore und kommentiere es ein wenig:
http://www.mmnews.de/index.php/politik/56483-paul-c-martin-staat-als-machtbastard
Was mich an dieser Stelle interessiert, ist @dottore's Vision einer "neuen" (weltweiten) Gesellschafts-, oder meinetwegen: Gemeinschaftsordnung. Here we go:
Staat ist ein Machtgebilde, das in bestimmten, wenn auch nicht „ex ante“ definierbaren Zeitabständen einen Bankrott hinlegt. Stämme, also die natürlichen Kontrapunkte zu Staaten kennen den Bankrott nicht. So etwas wie Stammesbankrott ist weder jemals vorgekommen noch definierbar [...]
Deshalb sind sie ja noch alle da und blühen und gedeihen, sogar ganz friedlich natürlich .. ich meine die Stämme und Familienclans, die wir ja früher bereits hatten, oder gar immer noch haben!? Einige davon kommen ja gerade nach DE hereingestürmt, um sich hier niederzulassen. Welch ein Segen!
Ich sehe an einer „Warlord-Welt“ auf Dauer keinen Weg vorbei. Wir werden zuerst „failed states“, gescheiterte Staaten, erleben, dann die Phase der privaten Bewaffnung und zum Schluss weltweiten Stammes-Wirrwarr [...]
Das ist eigentlich auch schon alles, was uns @dottore als Zukunftsvision zu bieten hat. Aber lesen wir doch noch weiter:
Nachdem die Staaten nunmehr vollends abwirtschaften, sind dringend Gedanken angebracht über andere Formen des menschlichen Zusammenlebens: An einer Rückkehr zu Subsidiarsystemen führt ohnehin kein Weg vorbei. Die Schulen sollten nicht auf Staats-, sondern auf freiheitliche Nicht-Staats-Systeme vorbereiten [...]
Ooh, das klingt ja hoffnungsvoll: "Sich in der Schule vorbereiten" auf eine Warlord-Welt, Phase der privaten Bewaffnung und auf ein Stammes-Wirrwarr?
Hier kommen wir zum Kernproblem aller Demokratien, in denen Parteien gegeneinander konkurrieren. Diese Konkurrenz schlägt sich in zusätzlichen Staatsschulden nieder [...]
Hier stimme ich mit @dottore überein: Wir brauchen keine politischen Parteien im Falle einer Direkten Demokratie. Im Gegenteil, solche mafiösen Seilschaften und abgezockten Möchtegern-Vormünder (sowie Nepper, Schlepper und Bauernfänger) stehen der echten Demo'Kratia (Bürgerherrschaft) macht-verbissen im Wege.
Auch Stämme sind natürlich kriegerisch, wie wir aus der Geschichte wissen. Am besten man hält sich dabei an Dunbars Zahlen: Bis ca. 150 Menschen haben wir ideale Gebilde [...]
Von meinen Kindern hat mehr als die Hälfte die deutsche Heimat bereits verlassen, Richtung USA und Schweiz [...]
Warum die USA? .. ist ja nicht gerade eine kleine Stammesgesellschaft von 150 Menschen. Nicht einmal kleiner als DE. Immerhin gibt es weltweit einige Hundert kleine Solidargemeinschaften, seit den 60er Jahren von modernen und gebildeten Aussteigern gegründet. Weitere befinden sich in Gründung. Seltsamer Widerspruch!
ef: Welche praktischen Formen könnte solch eine Wiederannäherung an das stammesgeschichtlich verschüttete Erbe annehmen? Eine Renaissance der die sozialstaatlichen Transferleistungen ersetzenden Großfamilie?
Martin: Eine Renaissance untereinander solidarischer Konglomerate. Sozialstaatlicher Transfer ist und bleibt Zwang [...]
So war es doch schon vor 10000 Jahren. Was ist davon zu halten, was uns @dottore hier anbietet? Mein Eindruck ist - wobei ich absolut nicht bestreiten will, dass es eine mögliche Zukunftsoption (unter anderen) ist:
Es handelt sich hier um die Vision eines grandiosen Rückfalls in ein frühes Entwicklungsstadium der heutigen Zivilisation und ein vollständiges Reset derselben. Und dann? Was sollen die Menschen dann anders machen als "zuletzt"? Alles wieder holen?
Wäre das nicht ziemlich fantasielos? Und wer wird dann die fernen Planetensysteme besuchen, friedlich erforschen und besiedeln?
Mit Gruß, Beo2