Von Bildung, Rissen und dem Salz der Erde.

SUCRAM, VLC, España, Montag, 26.10.2015, 13:07 (vor 3747 Tagen) @ Falkenauge5082 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 26.10.2015, 13:11

Einen ganz wichtigen Aspekt spricht Martin mit dem folgenden Satz an:
"Die Schulen sollten nicht auf Staats-, sondern auf freiheitliche
Nicht-Staats-Systeme vorbereiten."

Das können sie aber nicht, weil sie in der Regel dem staatlichen
Schulsystem angehören und das unterrichten müssen, was die Herrschenden
vorgeben. Die relativ wenigen freien Schulen müssen sich über das
staatliche Prüfungsmonopol auch nach den staatlichen Vorgaben strecken.

Daraus folgt mit zwingender Logik, dass es zunächst das Allerwichtigste
wäre, für ein vom Staat unabhängiges freies Bildungswesen zu kämpfen.

Es gibt einige wenige Schulen, die freiheitliche, menschliche Konzepte in kleinen Gemeinschaften bereits leben, oder es zumindest in Ansätzen versuchen. Z.B. zähle ich da Neills Summerhill dazu. Niemals wird es aber in der kollektivistischen Massenveranstaltung (=öffentliches Bildungswesen) soweit kommen. Nicht weil es eine "höhere Zentralmacht" (könnt auch gerne Eure Begriffe wie Freimaurer, NWO, Usrael, etc. verwenden) nicht will, sondern weil das System solche Ideen in der Breite versucht entweder im Ansatz zu assimilieren und neutralisieren (sprich "seht, wir bieten ja auch Alternativen für die Spinner"), oder aber offen entgegentritt mit all seiner kommunikativen Macht.( Ja, auch Sorgerechtsentzug ist ein Akt der Kommunikation).
Somit irrt sich m.E. Martin, wenn er meint, dass das Umdenken in den Schulen anfangen könnte, auch wenn es natürlich, bezogen auf die Reichweite, der ideale Ort wäre.
Demnach bleibt uns nur das "private Umfeld": aufgeschlossene Familien, Freunde, Internet, etc.

Somit bleiben, wenn sich in den Köpfen der Erwachsenen nichts ändert, eine Summerhill-Schule Aussenseiter, geduldet, als Alibi. Von der Masse schief angeguckt. Die Masse will lieber wieder Zucht- und Ordnung in die Schulen und damit Kinder bringen. Muss sie auch wollen, wenn sich das System des kollektivistischen Wahnsinns bis zu seinem unvermeidlichen Ende durchhalten soll. Das System braucht Kinder die Putin zujubeln, Assad als akzeptables Übel ansehen und meinen, ohne Staat gäbe es nur Chaos und Totschlag. Denen die Natur in der sie leben nur einen Scheißdreck wert ist, und denen natürliche Gemeinschaften menschlicher Wesen als belächelnswerte aber doch "erhaltenswerte" Zooattraktion dienen. Denen der Wettkampf zum Lebensinhalt wird: Sport, Arbeit, Freizeit, Familie.

Solange Mütter und Väter, Onkel und Tanten, Großväter und Großmütter dies leben, wird sich auch von innen nichts ändern, nicht in den Schulen, nicht in den sogenannten Familien.

Darauf zu hoffen, dass Migranten das Problem lösen, ist lachhaft. Erstens kommen die aus erzkonservativen Gesellschaften mit Ansichten und Lebensweisen, die der Aufklärung diametral entgegenstehen, und zweitens ist unser hochkomplexes und ausgeklügeltes Kollektivsystem in der Lage, sich über die Zeit anzupassen und zu assimilieren.

Es bleiben also nur wir selbst. Beginnend im eigenen Kopf das kollektivistische System als solches zu sehen und sich davon im Inneren kommunikativ und rezeptiv zu distanzieren. Und so scheidet man langsam als Element aus diesem System ohne sich physisch auch nur einen Millimeter bewegt zu haben. Dann kommuniziert man dieses Umdenken, klärt auf. Das Internet ist da hervorragend geeignet. Man kann nun versuchen, sein Parallelsystem zu bilden: In den Wald gehen, Gemeinschaften Gleichgesinnter bilden oder in den offenen Kampf gehen. Es ist und wird aber immer ein Trugschluss sein, wenn man einen vermeintlichen "Kopf" der Hydra abschlägt, man das Problem löst. Das System, und das sollte man nicht vergessen, basiert nicht auf Maschinen, ist nicht technisch angelegt, sondern ist "organisch". Es ist, wie es @Zarathustra schon versucht hat zu erklären, autopoietisch. Und ich bin der Überzeugung, dass, wenn sich eine kritische Masse an Elementen, sprich Menschen, bildet, diese sich vom "übergeordneten" System nachhaltig differenzieren können, und eigene Systeme bilden, wie zum Beispiel kleine Gemeinschaften, die dann nicht nur Außenseiterrollen spielen, sondern das "Hauptsystem", die kollektivistische Sklavengesellschaft Stück für Stück nachhaltig beseitigen.
Wenn genügend Menschen zu sehen beginnen, dass der Kaiser nichts trägt, außer die Illusion, die wir selbst mit ihm kreieren, dann ist der Anfang gemacht für etwas, dass ihn nicht nur wieder neu einkleidet, sondern ihn zum Teufel jagt, diesen Kaiser, der in jedem glaubenden Zivilisten wohnt.


Danke an all die hier im Forum, die nicht müde werden, Aufklärung zu betreiben. Jeder nach seiner Art eben. Danke auch an @Konstantin oder @Hinterbänkler zum Beispiel, die konkrete Wege aufzeigen, wie wir diesem Irrsinn entkommen können, ohne tausende von Kilometern zu emigrieren.
Ich denke alle spüren diesen Riss im System, in der "Gesellschaft". Es ist aber nicht ein Riss zwischen Autochthonen und Fremden in der Heimat, oder Politiker und Volk, oder all diese Weltbilder von Ost- und Westkurven, Zentralmächten, Islam und Christentum und so weiter. Es ist ein Riss mittendurch uns selbst; mit der einen Hälfte hängt man im System, mit der anderen steht man irgendwo im (Noch-)nichts. Diese "Systemhälfte" ist sehr stark. Jahrtausende alt und bis aufs feinste geschliffen und organisiert. Sie suggeriert einem, dass das andere das Fremde ist, das bekämpft und gehasst werden muss. Es fokussiert auf vermeintlich Schuldige, die in der letzten Konsequenz beseitigt werden müssen. Einmal sind es Immigranten, dann wieder Politiker oder die Amis, oder die Russen. Oft die Vermögenden. Der ganze Frust, der hier im Forum und anderswo zum Vorschein kommt, ist meiner Auffassung nach diesem inneren Riss geschuldet, der gespürt wird, aber nicht interpretiert, identifiziert werden kann.
In "Matrix" war es die Zentralmacht "Maschinen", die das System projizierten. Das ist falsch. Es ist das System selbst mit uns als Elementen, dass diese Welt organisiert und aufrecht erhält. Und dieses System hat keinen Kopf. Da ist kein Feind außer wir selbst. Wir sind seine Köpfe, Milliarden von kollektivistisch eingestellten Menschen, die tagtäglich diese Sklavenidiotie in sich aufnehmen und weitergeben. Das System würde von einem Augenblick auf den anderen aufhören zu existieren, wenn niemand mehr das Kommunizierte verarbeiten und reflektieren würde. Dazu müsste man sich keinen Millimeter von der Stelle rühren, das ist der Witz dabei.

Wie es dann weitergeht nach dem Kollaps, wie man den Kollaps verstärken und beschleunigen kann, im positiven Sinne. Wie man Systemapologeten und -pfaffen identifizieren und zum Teufel jagen kann. Wie man den Migranten und Daheimgebliebene wieder hilft, sesshaft und autark zu werden. Wie man mit den gefährlichen physischen Resten der ehemaligen Zivilisation umgeht. Solche Themen sehe ich als die wirklich interessanten an, die ich auch gerne hier mitverfolge (werden immer spärlicher) und diskutiere.
Das werden die Herausforderung sein, denen wir uns zu stellen haben und nicht wie man möglichst viele Flüchtlinge hassen und schnell wieder zurück deportieren kann. Wer seine Energien hier verschleudert wird so weitermachen wie bisher, und damit zwangsläufig mit dem System untergehen.

Noch ein kleiner Filmtipp von mir zum Schluss (vielleicht ist mein ausschweifender Monolog auch noch "Nachbeben" dieses Films geschuldet): Das Salz der Erde (Le sel de la terre) von Wim Wenders (2014) über den bekannten Fotografen, Menschenfreund und Zivilisationsankläger Sebastião Salgado. Es ist ein Dokumentarfilm mit unglaublichen Bildern (einige bekannt) und Botschaften, die unsere ganze zehntausend-jährige Missere aufzeigen, verzweifeln lässt um dann, daraus geboren, doch Hoffnung zu geben, dass es möglich ist, die Kurve zu kriegen bevor alles zu spät ist. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Dokumentarfilms nochmals Gruß an @Konstantin. Es gibt einige Parallelen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass jeder hier im Forum wissen muss, ob er bereit ist, sich auf das hier angesammelte Wissen und die daran anschließenden Erkenntnisse mit all seinen Konsequenzen einzulassen oder weiter dumpf in seiner geistigen Bequemlichkeit verharren und einer PEGIDA oder anderen Ost- oder Westkurvenvereinen hinterherrennen will. Es ist die Wahl zwischen roter und blauer Pille.

Gruß


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