Irritation mit Methode
Hallo,
erstes Diktat aus dem Sprachbuch in der zweiten Klasse morgen:
Kürbissuppe
Der Herbst ist da. Die Kinder decken den Tisch. Frau Meier bringt die Suppe. Alle essen. Die Suppe ist heiß. Die Suppe ist gut.
Die Teller sind bald ganz leer.
„Natürlich“ haben wir ansonsten Lautschrift, aber wer das „richtig!“ schreibt, kriegt eine gute Note, laut meinem Sohn.
Nach ein paar Mal abschreiben, hab ich heut diktiert. Einziger Fehler: Im ersten Satz hat er das D klein geschrieben, „weil da doch nach Kürbissuppe kein Punkt ist.“ Kluges Kerlchen! Von mir gabs ein Lob für das Erkennen der „Regel“ und die Erklärung zur Überschrift.
Zu Anfang der Schreiberei letztes Jahr hab ich ihm erklärt, dass man zwar viele Buchstaben hören kann und man also so schon schreiben lernt. Weil aba alle Leut nich jedes Word imma gans richtich sprechn unt man manches auch nur ganz schwer hört, hat man sich eine Schrift für alle ausgedacht und da gibt es dann verschiedene Regeln, mit denen man dann erkennen kann, wie mans „richtig“ schreibt.
Leider hapert es in der Schule ( Lehrplan) an der Vermittlung von Regeln. Das Einzige war letztes Jahr mal ein Übungsblatt zu der, die, das und der daraus folgenden Großschreibung. Derart unbeleckt bietet der obige Text Überraschung um Überraschung.
Und das ist, was mich ärgert: Denn aus solchen Überraschungen erwachsen Verunsicherungen.
WENN Kind dann trotz der „Husch, husch Vermittlung“ ( alles immer viel zu kurz und Durcheinander) tatsächlich Regelhaftes erkennt, kommt schon wieder irgendeine Irritationsaufgabe.
Diese waren im ersten Schuljahr so vielfältig, dass ich irgendwann meinem Sohn erklärte: „ Das machen die, um die Kinder aus zu tricksen. Da darf man nicht denken, dass man dumm ist oder nichts versteht, sondern dann muss man raus finden, was der Trick ist.“
Z.B.: letzte Woche:
Aufgabe: Verbessere! Finde zwei Lösungen
5 plus 6 = 11 7 plus 8 =13 9 plus 5 = 19
Wer da jetzt, was natürlich wäre, erst mal nur die erste Aufgabe anschaut, wird unglücklich werden und zweifelt, ob er richtig rechnen kann und was er denn nun überhaupt machen soll.
Sämtliche Pisastudien, gemacht zur „Irritation“ der geplagten Eltern, spiegeln das Ergebnis solcher Lehrmethoden und die Aufforderung das Kind zu „retten“.
Was IM SYSTEM nur schwer und ansatzweise geht, außer man macht sich zum Systemling und macht dann zusätzlich zu Hause Schulzimmerprogramm.
Da muss man Entscheidungen treffen mit allen Konsequenzen in DIESE oder eine ANDERE Richtung.
Mit freundlichen Grüßen, Sigrid