Schule und Rechtschreibung

Leserzuschrift, Montag, 28.09.2015, 13:59 (vor 3772 Tagen) @ Hyperion2929 Views

Hallo Hyperion,

gleiches Problem haben auch wir mit unserem Kind in der Grundschule gehabt! Auch uns wurde unmissverständlich mitgeteilt: "wir dürfen unser Kind in der Rechtschreibung nicht korrigieren"! Diese Methode ist der reine Wahnsinn!
hier lesen:
http://www.stern.de/familie/schule/ueber-die-zunehmend-schlechte-rechtschreibung-bei-ki...

Ehrlich gesagt, war uns das total egal, was der Lehrer uns versuchte im herrischen Ton zu befehlen.

Ich fasse zusammen.
Unser Kind zeigte uns stolz sein erstes Geschriebenes im 1.Schuljahr. Es freute sich wie ein Schneekönig! Wir hingegen waren total entsetzt, wütend und traurig!

Was tun in solch einer Situation? Nun, erstmal haben wir unser Kind gelobt!
Nachdem wir schauspielerisch seine Werke lobend bewundert haben, sagten wir unserem Kind (nach 3. oder 4. Text, weil direkt mit 1.Text wäre zu hart gewesen), dass die Erwachsenen eine andere "richtigere" Schreibweise haben.

Wir erklärten es unserem Kind so, dass es eine Schreibweise gibt,die "richtig richtig" sei, weil unser Kind natürlich ständig sagte, "Herr xy hat aber gesagt, das ist alles richtig, was ich geschrieben habe". Die Neugier kam dann aber bei ihm durch und so zeigt ich ihm, welche Wörter "richtig richtig" geschrieben werden.

So kam es dann schnell, dass unser Kind schon von sich aus fragte, wenn es seine Arbeiten zu Hause vorlegte, dass wir ihm die "richtig richtigen" Wörter bitte aufschreiben.

Alles, aber auch alles was unser Kind seit der 1. Klasse geschrieben hat, egal ob Textaufgaben später in Mathe, Diktate, Antworten in Reli oder Sachkunde, alles ließen wir ihn korrigieren! Die falschen Wörter musste es dann immer 5 mal aufschreiben!

Wir haben unserem Kind etwas später auch einen Duden (Grundschulwörterbuch) gekauft, gegen den Willen des Klassenlehrers! Dieser wurde nämlich sehr ausfallend und laut, als ich ihn in der 1. Klasse einige Wochen nach Beginn der Grundschulzeit anrief und ihn um Rat gebeten habe, wie wir unserem Kind den helfen könnten, die Rechtschreibung direkt richtig anzuwenden. Wie gesagt, der Klassenlehrer wurde ungehalten und sehr laut am Telefon und untersagte mir regelrecht unserem Kind unter die Arme zu greifen. Auf die Frage, ob es denn geeignete Literatur für Eltern u. Kind für zu Hause geben würde, wurde er noch ausfallender.

Die Reaktion des Lehrers ließ uns aber noch dickköpfiger werden! Und so zogen wir unser Programm durch, nämlich alles was unser Kind zu Hause vorlegte wurde korrigiert.

Uns wurde längst nicht alles gezeigt, was in der Schule gearbeitet wurde. Das lag aber nicht an unserem Kind, sondern am Lehrer bzw. Schule, weil die überwiegenden Arbeiten u. Hefte dort in den jeweiligen Fächern der Kinder bleiben mussten. Sie dürfen also nicht alles mit nach Hause nehmen. z.B. bekamen die Kinder wöchentlich einen sogenannten "Wochenplan". In diesem Wochenplan mussten verschiedenste Aufgaben erledigt werden und Texte geschrieben werden. Dieser Wochenplan musste dann, wenn fertig, den Eltern zu Unterschrift vorgelegt werden. Alle Fehler die wir finden konnten, wurden ausradiert und korrigiert von unserem Kind. Und alle falschgeschriebenen Wörter, wie schon erwähnt, musste unser Kind dann auf einem sep. Blatt 5 x neu schreiben. Gleiches wurde bei den Tests gemacht, hier haben wir allerdings nicht in den Tests radiert sondern auf sep. Blatt wurden die falschen Wörter von unserem Kind korrekt 5 x aufgeschrieben.
(Die Tests wurden übrigens immer nur zur Unterschrift vorgelegt, wir durften diese nie behalten! Erst kurz vor der Entlassung in der 4. Klasse wurden uns alle Tests u. Arbeiten des Kindes augehändigt).

Ich und viele andere Eltern sind der festen Überzeugung (und das waren auch die Infos, die wir erhielten, als wir zu dieser Thematik recherchierten z.B. Link oben Stern TV),
dass die Kinder, wenn man die Wörter falsch stehen lassen würde, dies Wörter auch immer wieder und wieder falsch schreiben. Das prägt sich ins Hirn! Und irgendwann, wenn die Kinder gezwungen sind eine korrekte Rechtschreibung anzuwenden, haben die Kinder immer das "falsche" Wort im Kopf! So war es bei mir (ich habe nach alte Regel gelernt und trotzdem hat man ja immer mal ein Wort, welches man gern falsch schreibt), so ist es bei anderen.

Jedenfalls sind wir der Meinung, dass durch die viele intensive Mühe,Geduld, Ruhe und Unterstützung zu Hause, das Kind die richtige Schreibweise besser lernt. Es ist halt nur mit viel Mühe, manchmal Tränchen, Arbeit und vorallem Geduld und Ruhe verbunden!
Für viele Eltern ist dies vielleicht auch schwer umzusetzen, falls beide Berufstätig o.ä. sind. Es ist aber zum Wohle des Kindes!!! Das sollte man nie vergessen!
Auch wenn es noch so ärgerlich ist und eine Frechheit von Schule, Regierung u. Politik ist, so mit unseren Kindern zu verfahren, man sollte immer daran denken, es geht um die Zukunft des eigenen Kindes, deshalb sollte man versuchen eine Lösung zu finden! Und die Lösung sah für uns halt so aus, dass wir den Scherbenhaufen, welcher von DENEN DA OBEN angerichtet wurde, selbst zu kehren haben, leider, es geht ja erstmal ums eigene Kind!

Wenn Sie das hier alles so lesen, stellen Sie sich sicherlich die Frage, warum wir unser Kind denn nicht auf eine andere Schule versetzt haben.
Ja, genau mit dieser Frage haben wir uns natürlich auch intensiv beschäftigt. Weil es mich am Rande der Verzweiflung gebracht hat!

ES war sowieso schon schwer, weil das Gerücht umging, dass unsere Grundschule im Ort geschlossen werden sollte. Was auch geschah. Außerdem wollten wir unser Kind auf eine "bessere" Schule einschulen, eine Schule mit gutem Ruf etc.
So haben wir uns also für die "bessere gute"Schule entschieden, die auch noch in einem Kreis lag und mit öffentlichen Verkehrsmitteln etc. nicht zu erreichen ist.
Deshalb haben wir unser Kind jeden Tag mit dem Auto hingebracht und abgeholt. (Da denkt man, man tut das Beste und Richtige.... und dann kommt das böse erwachen!)

Jedenfalls nach intensiver Recherche stellten wir fest,
dass die "noch"Grundschule im Ort die einzige Schule in der Gegend war, die noch nach der Rechtschreibfibel lehrte!
Alle, aber auch alle anderen Schulen lehren nach "Lautschrift"! Wir wären auch bereit gewesen noch weiter zu fahren, aber es gibt schlichtweg keine Schule in näheren und weiteren Umgebung, die noch nach den alten Regeln lehrt, es sei denn, wir wären täglich mind. eine Stunde hin und und eine Stunde zurück gefahren und hätten uns noch in den Stau gestellt. Irgendwann gibts dann auch mal eine Grenze!

Einige werden sich jetzt wahrscheinlich hier fragen, warum wir das nicht von Anfang an wussten.
Nun, in der Theorie siehts immer anders aus als in der Praxis! Natürlich wussten wir, dass dort nach der "Lautschrift" gelehrt wird. Uns wurde aber immer gesagt, dass dies überhaupt kein Problem sei, auch von anderen Eltern! Auch das Informationsangebot der Schule war überdurchschnittlich was Unterrichtsinhalte u. Lehrmethodik betraf! Ich kann nur sagen, hinterher ist man immer klüger!
Dennoch war diese Schule eine gute Entscheidung...bis auf die Lehrmethode in der Rechtschreibung! Hinzu kommt, dass wir nur ein Kind haben. Das macht's auch nicht einfacher, weil einfach keine Erfahrungswerte vorliegen.
Man kann sich noch so intensiv im Voraus mit Dingen beschäftigen, hinterher kommt's oft anders als man denkt, leider!

Jetzt geht unser Kind mit einem sehr guten Zeugnis an eine weiterführende Schule (5. Klasse). Die Rechtschreibung hakt noch hier und da minimal, aber wir haben ja unsere festen Regeln, und daran wird auch festgehalten!

Was ich noch erwähnen möchte ist, dass die Rechtschreibung in den Deutschtests in der Grundschule erst ab ca. 3. Klasse bewertet wurde. Das ging quasi von heute auf morgen!
Bei allen anderen Tests wurden die falschen Wörter nie vom Lehrer angemeckert! Was ich nicht verstanden habe!
Auch wurde im 2. Halbjahr des 4. Schuljahres in den Deutschtests (Brief, Zeitungsartikel, Geschichte) keine Korrektur der Rechtschreibung seitens des Lehrers mehr durchgeführt, es ging nur noch nach dem Inhalt!
Eine merkwürdige, in meinen Augen nicht zufriedenstellende Methode!

Also, was kann man als Eltern tun?
Vorher gut informieren, welche Schule nach welchen Rechtschreibregeln lehrt!
Sich einfach über die Lehrmethode hinwegsetzen und mit dem Kind zu Hause geduldig seine eigene Methode erarbeiten, was ich für zwingend notwendig halte.
Oder...
Schule wechseln, falls es noch Schule gibt, die nach alte Methode lehrt! Würde dieser Schule auf jedenfall immer den Vorzug geben!
Und das AllerAller Wichtigste!!!...lasst Euer Kind viele viele Bücher lesen! Lesen, lesen lesen! Wenn es nicht gern lesen sollte, solange suchen, bis man ein passendes Buch/Geschichte findet! Andere Kinder fragen, was z.Z. angesagt ist! Das wollen die Kinder dann auch meistens lesen! Und das Kind vorallem zu Hause vorlesen lassen!
Z.B. wenn man Kind abends ins Bett bringt, einfach dazu setzen oder legen und Kind aus Buch vorlesen lassen!
Es gibt mitlerweile Bücher für 1. u. 2. Klässler! Schöne Geschichten in großen Buchstaben, kurze Sätze mit Bebilderung. Lesen und laut vorlesen lassen und hinterher sein!

Übrigens! Immer mehr Germanistikstudenten haben irre Probleme mit der Rechtschreibung, weil sie nach der "Lautschrift" gelernt haben. Das Problem ist an den Unis bekannt!

Ich finde diese Art von Experimenten an Kindern unverantwortlich und abartig! Nun ist ja aktuell im Gespräch, die Schreibschrift abzuschaffen (bzw. eine "vereinfachte" zu lehren). Finland hat es schon getan!
http://www.fr-online.de/kultur/finnland-schreibschrift-pflicht-abgeschafft,1472786,2955...

Wie gesagt, am Besten, man lässt sich alles zeigen, was die Kinder in der Schule erarbeitet haben, um dann entsprechend eingreifen zu können und ""nicht"" auf die Lehrer oder Texte irgendwelcher Arbeitshefte hören!
Ich vertraue da immer ganz auf meine innere Stimme!
Und die hat damals gesagt, so geht das nicht! Daran muss gearbeitet werden.

Eines ist jedenfalls sicher (und mit dieser Meinung stehe ich Gott sei Dank nicht alleine da), dass die Eltern den Kindern in der Rechtschreibung nach Lautschrift Hilfestellung geben sollten!

Am Allerbesten ist es eigentlich, auszuwandern. Aber das ist ein anderes Thema.

Sorry, für den langen Text, aber das sind nunmal unsere Erfahrungen und Eindrücke.

Herzliche Grüße und Toi Toi Toi :-)

Ein stiller Leser


ps: Danke das es Euch gibt! Lese Euch schon seit vielen Jahren täglich und gerade in hiesiger Zeit bin ich sehr froh, noch Meinungen, Worte und Dinge zu lesen, worüber woanders gar nicht berichtet wird (werden darf).
Weiter so!
Lasst Euch nicht kleinkriegen! <img src=" />


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