Vielen Dank auch von mir - Parallelen zu Italien.
Vielen Dank Efimera für Deine ausführliche Antwort.
Das Prinzip kann man fast 1:1 auch auf Italien übertragen. Das finde ich sehr interessant.
Putzigerweise wird - meine persönliche Erfahrung - von Deutschen regelmäßig erwartet, dass man Land/ Bauland hinterhergeworfen bekommt.
Das mag so gewesen sein, als man den Umrechnungsvorteil hatte von der harten DM zur wachsweichen Lira/ Peseta.
Was gern in den südlichen Ländern von Ausländern vergessen wird:
Es war üblich, in Land zu investieren, auch für die nachrückende Generation.
Die Italiener lieben Wohneigentum und gehen bis heute kaum in Papierwerte, Sparverträge wie Riester, Rentenfonds etc. sind bis heute eher unüblich.
Man kauft lieber ein Stück Land und spart dafür zuhause an.
Zum Verkauf, weil die Bank Probleme macht und die Raten schwer zu stemmen sind, kommt es daher eher nicht. Bezahltes Land lässt man eben liegen - es hat immer seinen Wert und es kommen ja die Kinder und Enkel nach.
In unserem Umkreis sieht man inzwischen ein Phänomen:
Deutsche kaufen fruchtbares Land, machen eine Bohrung für einen Trinkwasserbrunnen und beantragen dafür den Stromanschluss.
(Brunnen berechtigt hier aus Bewässerungsgründen für das Land IMMER zu einem Stromanschluss).
Sie zahlen dann ihren Mast selber - haben aber im Gegenzug Land mit Trinkwasser und Strom - eine bessere Investition ist kaum zu finden heute.
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Doch einen Unterschied zu Deutschland gibt es und der ist nicht unerheblich - eine große Rolle spielen bei allen bürokratischen Hürden die Beziehungen. Und dies gilt auch und gerade für die "kleinen Leute" in den kleinen Gemeinden.
Kennste wen - haste alles schnell bei der Hand.
Nervig, solange man sein soziales Netzwerk noch nicht aufgespannt hat, wie bei mir am Anfang vor meinem Hausbau.
Danach trägt es sehr zur Entspannung bei und erleichtert das Leben ungemein.
Zum Punkt "Erschließung":
Wie in Spanien wird auch in Italien vom Bauherren selber erschlossen.
Trotzdem fordert die Gemeinde bei Aushändigung der Baugenehmigung einen höheren Betrag "spese di urbanisazione" - für Erschließung.
Darin enthalten sind alle zukünftigen Maßnahmen.
Sollte die Straße ausgebaut werden, Wasser, kanal etc. verlegt werden, kommt nicht wie in Deutschland der große BUMM in Form eines Anliegerbeitrages.
Man hat dafür schon bezahlt.
Bei mir waren es 12.000 Euro - Kosten der Baugenehmigung und alle eventuellen späteren Erschließungen der Gemeinde.
Aber die Erschließung ist Privatsache, daher kann man bei uns auch zu 100% (noch?) damit rechnen, eine Brunnengenehmigung zu erhalten, denn Wasser liegt in der Regel nicht an außerhalb des Ortes.
Das Erteilen der Baugenehmigung enthält somit ungeschrieben das Recht auf Wasserentnahme, denn ohne Wasser keine Bauabnahme + Wohnberechtigung.
Vorteil:
Keine/ kleine monatlichen Rechnungen, denn Wasser = Brunnen (bei uns ohne irgendeine Abgabe), Abwasser = kostengünstige Kleinklärgrube nach Sickerprinzip, Strom = Solar möglich zur Senkung der Rechnung.
Viele Grüße nach Spanien!
modesto
edit: ein Rechtschreibfehler