Warum Landwirte keinen Kunstdünger und keine Spritzmittel brauchen - letzter Teil 3
Dies ist der dritte und letzte Teil meiner Serie zur biologischen Landwirtschaft.
Auch im Boden geht es wie auf der Erde bzw. im sonstigen Tierreich um fressen und gefressen werden. Aber auch im Boden hat alles seinen Sinn. In den letzten beiden Teilen ging es um den Nachweis einer ausreichenden Menge an Mineralien für lange Zeit auch bei ständiger Ernte ohne externe Düngung sowie um die Fähigkeiten von Mikroorganismen, die im Boden ausreichend vorhandenen Mineralstoffe aus Sandkörnern und Steinen zu lösen.
Jetzt kommt noch der entscheidende Teil nämlich wie diese gelösten Mineralien in die Pflanzen kommen.
Auch etwa die Forscher Raoúl Francé und seine Frau Annie Francé-Harrar haben diese Entdeckungen schon Anfang des letzten Jahrhunderts gemacht, wenn sie dies auch nicht so deutlich herausgearbeitet haben (s. z.B. das Buch "Die letzte Chance" von Annie Francé-Harrar).
Dazu jetzt ein entscheidendes Dokument über die Arbeit von Dr. Elaine Ingham:
"Published on 7 Dec 2006 by Energy Bulletin.
Soil food web - opening the lid of the black box
by Bart Anderson
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Plants can release through their roots as much as 20% of their photosynthetic production. (Figure from Science; Ingham quotes higher figures.[in ihrem Vortrag "Root of your profits" nennt sie 50%])
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Among the services that bacteria and fungi provide for plants:
- Building soil structure. Bacteria glue together small aggregates (clumps of soil); fungi glue them into larger aggregates.
- Storing nutrients and releasing them in forms plants can use. A "microbial sponge" Moldenke calls the phenomenon. One way micro-organisms do this is by incorporating nitrogen and other nutrients in their own bodies - a much less leachable form than if the nutrients were in their inorganic forms
- Protecting plants against diseases and pests. Beneficial bacteria and fungi out-compete pathogens and occupy potential sites of infection on the plant."
http://www.resilience.org/stories/2006-12-07/soil-food-web-opening-lid-black-box
Bakterien nehmen also die Mineralien, die sie von den Sandkörnern und Steinen nehmen in sich auf, erzeugen eine Art Klebstoff mit dem sie sich, Sandkörner und Biomasse zusammenkleben und so Mikroklumpen bilden. Pilze verbinden diese Mikroklumpen zu größeren Klumpen (die gute Bodenstruktur eines humosen Bodens).
Der entscheidende Punkt ist jetzt, dass Bakterien, Algen und Pilze, die Mikroorganismen, die für die Zersetzung von Biomasse und die Auflösung von Gestein und damit die Freisetzung von Mineralien sorgen, diese Mineralien und Biomassebestandteile in sich aufnehmen - quasi als Lebensmittel. Durch dieses In-sich-Aufnehmen dienen die Mikroorganismen zum einen als Mineralspeicher zum anderen aber auch als Auswaschungsverhinderer (auch Dank der Verklebung). Von den aufgenommenen Mineralien bestreiten sie ihr Wachstum und ihre Fortpflanzung - zudem liefert die Pflanze einen großen Teil der dafür nötigen Energie in Form von Kohlehydraten und Proteinen. Wie auf dem Boden auch, gibt es im Erdboden wiederum sogenannte Räuber, die sich von Mikroorganismen ernähren. Diese Räuber sind z.B. Mikronematoden und Protozoen (räuberische Einzeller). Diese werden wiederum von Mikroarthropoden oder Makronematoden gefressen. Diese Nahrungskette geht bis hin zu Vögeln, Regenwürmern oder Maulwürfen.
Wenn Bakterien, Algen oder Pilze gefressen werden, wird der größte Teil der Mineralien, aus denen diese Mikroorganismen aufgebaut waren, von den Räubern ausgeschieden - idealerweise in einer für Pflanzen leicht verfügbaren Form. Da die Mikroorganismen jeweils in enger Symbiose mit den Pflanzen leben, die diese mit Zucker und Stärke, also den pflanzlichen Stoffwechselprodukten als Wurzelausscheidungen (Wurzelexsudate) versorgt, leben die Mikroorganismen direkt bei oder sogar in (arbuskuläre Pilze) den Wurzeln. Durch das Gefressenwerden werden also die Mineralien in direkter Umgebung der Wurzeln frei und umgehend von den Wurzeln aufgenommen. Dazu muss man aber noch ergänzen, dass Pilze, speziell die arbuskulären Pilze, direkt mit den Wurzeln verbunden sind und über die Pilzfäden Nährstoffe und Wasser von weit her zu den Pflanzen bzw. Wurzeln bringen und eben im Austausch Kohlehydrate oder Proteine bekommen.
Durch Bodenbearbeitung werden vor allem die vielen Pilzfäden im Boden zerstört, die quasi ein zusätzliches Wurzelwerk für Pflanzen sind - mindestens noch einmal so groß. In dem folgenden Vortrag kann man dazu einige überwältigende Bilder sehen (z.B. bei 20:10):
Dr. Christine Jones - An Australian perspective on managing rangelands for drought (1h1min)
https://www.youtube.com/watch?v=salOtdeYE6k
Durch die optimale Ausstattung des Bodens mit Mikroorganismen sind laut Frau Ingham z.B. keine Fruchtwechsel mehr nötig. Die Wasserspeicherfähigkeit wird um ein Vielfaches höher. Man benötigt eben keine Dünger und keine Spritzmittel mehr, weil alles, was die Pflanze braucht, über die Symbiosen geliefert werden. Allerdings braucht es eine gewisse Zeit bis die Symbiosen voll ausgebildet sind. In ihrem Vortrag "The root of your profits" erwähnt Frau Ingham allerdings, dass nach Anwendung von Injektionen in den Boden mit Mikroorganismen-Lösungen eine Wiese/Weide innerhalb von ein paar Wochen sehr fruchtbar wurde.