Entschuldigung, habe wohl ueberreagiert ... aber nochmal ausfuehrlich zum Thema Todes- oder Mordsache Graeff ...
... bei nochmaligem Lesen erkenne ich wohl, dass es nur eine Tatsachenschilderung ohne "tendenzioese" Richtung war.
Kern-Thema war, dass Tanja Graeff nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen zur Zeit ihrer Verwesung in einem Baum hing.
Dazu möchte ich noch sagen, dass eine im Baum hängende Leiche einen großen Schwarm Krähen anlocken würde. Das Weitere dürfen interessierte Leser sich selbst zusammenreimen.
Ja, es gibt einige Ungereimtheiten, und die sind mir ja auch weder entgangen noch bin ich jemand, der blind auf Behoerden vertraut oder die Polizei "in Schutz nimmt".
Da Polizeien und Staatsanwaltschaften weisungsgebunden sind, kommen Durchstechereien hier immer dann vor, wenn
a) Geheimdienstinteressen tangiert sind (Kiesewetter/NSU z.B. sind schlecht mit untadeliger Polizeiarbeit vereinbar)
und
b) wenn Polizisten selbst involviert sind ("Korpsgeist" etc.).
Desweiteren haben wir grossangelegte Vertuschungsversuche
c) wenn Politiker in schmutzige Geschaefte oder Sex-Skandale verwickelt sind (vgl. Paedophilieskandale, Schmuggel, Rauschgift, Kreditbetrug, Ausschreibungswesen, Waffenhandel usw.).
Ob im Fall Graeff irgendeine der o.g. Konstellationen zutrifft, entzieht sich nicht nur meiner, sondern ich behaupte, bisher jedermanns Kenntnis, ausser evtl. Beteiligten.
Was mich stoert, und worauf ich seit dem Germanwings-Absturz und den dazu verbreiteten voellig (!) unhaltbaren (!) Theorien hier im Gelben aeusserst gereizt und scharf und die Akteure blossstellend reagiere, egal, wer es sein mag, ist, dass hier jedes Argument OHNE forensische Recherche eingebracht wird, wenn es eine zu wackeln beginnende oder von vornherein schon hirnrissige Theorie zu "stuetzen" vermag.
Ob Aeste in Baeumen das Gewicht einer (nicht uebergewichtigen weiblichen) Person laengere Zeit nicht zu halten vermoegen, kann man nicht einfach so daher-behaupten ohne Belege. Dazu gibt es forensische Fachliteratur und dokumentierte Faelle.
Es einfach so zu behaupten ist unredlich oder zeugt zumindest von grober Unkenntnis. Damit relativieren die Beteiligten, die einen solchen Schmarrn in die Welt setzen, ihre bisherige "Aufklaerungs"-Arbeit zu anderen "Verschwoerungen" erheblich, so dass ich mittlerweile lieber selbst recherchiere, als mich auf jene romanhaften Erzaehlungen blind zu verlassen.
Nun also: Die Verletzungen der Tanja Graeff, soweit sie sich am Skelett noch erforschen lassen, stimmen gut mit der Annahme ueberein, dass Frau Graeff an ziemlich genau der Stelle "senkrecht" darueber abgestuerzt ist, an der nun die Skelett-Reste geborgen wurden. Prof. Urban erlaeutert in der Pressekonferenz sehr ausfuehrlich, welche Verletzungen an der Lenden- bis Halswirbelsaeule rechtsmedizinisch erhoben wurden, und dass diese mit typischen Stuerzen aus groesserer Hoehe uebereinstimmen.
Sofern (natuerlich ...) diese Angaben wahrheitsgemaess sind, scheidet zwar mangels noch analysierbarer Weichteile eine vorherige Ermordung nicht ganz aus, aber die Verletzungen am linken Handgelenk und den "dazu hinfuehrenden Knochen" legen nahe, dass Frau Graeff sich beim unverhofften Sturz noch unwillkuerlich abstuetzen/abfangen wollte, also anfaenglich bei Bewusstsein war. Der Tod trat dann unmittelbar im Zusammenhang mit dem Sturz durch Verletzung von das Gehirn mit Blut versorgenden Schlagadern auf.
Dies spricht dafuer, dass sie zum Zeitpunkt des Absturzes noch lebte, aber nicht mehr um Hilfe rufen oder sich sonst bemerkbar machen konnte. Die Fundstelle passt zu einem Absturz an diesem Ort (und keinem anderen, auf den derzeit ein Verdacht fiele).
Dann gibt es die Moeglichkeit, dass sie weder versehentlich noch freiwillig dort abgestuerzt ist. Daher wird die Sache ja nach wie vor als Todesfallermittlung mit moeglichem Fremdverschulden gefuehrt.
Auch ist moeglich, dass Frau Graeff auf der Flucht vor einem Angreifer/potentiellen Vergewaltiger etc. pp. war und dadurch dort ueber den Zaun kletterte (nur 1,20 m hoch lt. Pressenkonferenz) und dann abstuerzte. Oder dass sie jemand lebend dort hinuntergestuerzt hat. Allerdings unter erheblicher Selbstgefaehrdung, was das Szenario eher ausschliesst.
Wenn man wegen der Knochenfunde und der zum Gelaende passenden Todesart, so wie sie sich anhand der Skelett-Schaeden darstellt, davon ausgeht, dass Frau Graeff nicht woanders zu Tode gestuerzt wurde/gefallen ist und dann erst tot ueber diese Boeschung "entsorgt" wurde und wenn man davon ausgeht, dass am spaeteren Fundort der Skelettreste genauestens gesucht und damals nichts gefunden wurde, dann muss man annehmen, dass Frau Graeff laengere Zeit leblos in einem Baum so gehangen hat, dass sie ohne weiteres weder von unten noch von oben bemerkt werden konnte.
Ansonsten bleibt nur noch die Moeglichkeit, dass jemand Frau Graeff woanders erst umbrachte, wobei er die rechtsmedizinisch erkannten, zu einem Sturz bestens passenden Skelettverletzungen und Wirbelbrueche erzeugte, dann die Leiche in einer mit dem Fundort nicht in Widerspruch stehenden Umgebung hat verwesen und skelettieren lassen, und dann ... sich der Gefahr der Entdeckung aussetzend, die Knochen dorthin verbracht hat und sie auch noch so drapiert hat, dass sie zu einem Herabfallen aus dem darueberliegenden Baum auch noch so gut passen, dass ein erfahrener Rechtsmediziner keinen Verdacht schoepft.
Oder: Frau Graeff lag die ganze Zeit da, die in die Verschwoerung eingebundene Polizei ist fein saeuberlich damals darum herumspaziert usw.
Oder: jemand hat, die Gefahr der Entdeckung nicht scheuend, den Leichnam dort noch vor der Verwesung in den Baum "gehaengt", nachdem die Suchaktionen vorbei waren.
Ja, sagte Inspektor Colombo immer, "So wird es wohl gewesen sein".
Solche Faelle gibt es in der Forensik zuhauf, die werden nur totgeschwiegen ....
Nun kann man argumentieren, dass ... die Polizei doch auch in den Baeumen haette nachschauen koennen/sollen.
Das verkennt aber die wahrscheinliche Zielrichtung der damaligen Gelaende-Suche. Ich nehme an (und etwas anderes wurde hier im Gelben nicht vorgetragen), dass man dieses damals schwer ueberschaubare Gelaende absuchte, weil man dem Verdacht nachgehen wollte, dass Frau Graeff dort unten zu Tode gekommen sein oder noch hilfslos dort liegen koennte.
Ich nehme an (ich bin weder der Ermittler noch interessiert mich der Fall besonders, mich interessiert nur die Reputation des Gelben Forums, das es nicht verdient hat, zur verschwoerungstheoretischen Muellkippe zu verkommen), ich nehme an, dass man sehr viele Spuren verfolgte und vermutlich nicht nur dort, sondern auch an anderen Stellen.
Sich nun im Nachhinein auf diesen Fundort und das "warum hat man nicht genauer" zu kaprizieren ist der typische "bias" kriminalistischer Laien, die hinterher alles besser wissen, als die Ermittler in den Anfangszeiten eines Falles. Fernsehkrimis und Kriminalromane tragen dazu ebenso bei, wie, dass Ermittlungspannen einen relativ grossen Raum in der Berichterstattung und noch mehr in der Erinnerung der Durchschnittsbevoelkerung einnehmen als etwa die vermutlich 99% sauber, zuegig, reibungslos und meist fehlerfrei geloesten Faelle (jedenfalls, was Kapitalverbrechen angeht). (Die Probleme bei Kapitalverbrechen sind nicht die Aufklaerungsraten, wenn ein Fall einmal als Fremdverschulden erkannt ist, sondern, dass insbesondere in Deutschland, die Todesursachenerkennung immer unzuverlaessiger wird!)
Hier im Fall Graeff kommt aber noch etwas weiteres hinzu, das im Nachhinein, d.h. "in hindsight", natuerlich wieder untergeht:
Als Frau Graeff verschwand, gab es erstmal nur einige Seltsamkeiten ihres Verschwindens, die zwar im Nachhinein als Vorstufen eines Gewaltverbrechens interpretiert werden koennen, nun da sie tot ist (notabene, ohne dass Fremdeinwirkung nach der rechtsmedizinischen Untersuchung auch nur entfernt wahrscheinlich waere!), die aber aus Polizeierfahrung haeufig einen ganz anderen Hintergrund haben.
Es kommt haeufiger vor, dass junge Frauen "von zuhause ausreissen" und z.B. mit einem fremden Mann "auf Nimmerwiedersehen" verschwinden, als dass junge Frauen umgebracht werden.
Wie hoch das genaue Verhaeltnis ist, wird man wegen Dunkelziffern nie erfahren, aber: wenn der Freund (der sich jedenfalls selbst dafuer haelt!) berichtet, dass Frau Graeff mitten in der Nacht in den fruehen Morgenstunden (!) ihm auf dem gemeinsamen Nachhauseweg den Laufpass gibt und sich zu einem (ihm!) unbekannten Mann gesellt, dann spricht nach dem ersten Anschein vieles dafuer, dass solch eine erwachsene junge Frau von ihrem "Recht auf sexuelle (und sonstige) Selbstbestimmung" Gebrauch gemacht hat, und ... (voruebergehend oder dauerhaft) "durchgebrannt" ist.
Aus den verschiedensten Gruenden werden in solchen Faellen dann auch noch falsche Spuren gelegt, die es wie ein Verbrechen, eine Entfuehrung usw. aussehen lassen. Manchmal geschieht das, um den Zurueckgelassenen nicht "wehzutun", d.h. ihnen nicht deutlich sagen zu muessen, dass man sich fuer ein Leben "mit einem andern" entschieden hat (statt mit Mutter, Familie, Freund etc.).
Auch wenn es bei Frau Graeff vermutlich nicht einschlaegig ist, aber zur Illustration: bei Maedchen, die zwangsverheiratet werden sollen, und die aber bereits eine anderweitige (von den Eltern nicht geduldete und vor ihnen verheimlichte) Liebschaft haben, kommen inszenierte "Entfuehrungen" oder aehnliches oefter vor.
Ich kannte einen Fall im Rhein-Main-Gebiet und kannte zufaellig sowohl das "verschwundene" Maedchen (fluechtig) wie auch befreundete (auslaendische) Familien, bei denen sie ein und ausging. Das Maedchen war an einer grossen Gesamtschule und hatte einen (heimlichen) deutschen Freund, wie mir ein gemeinsamer Bekannter dann erlaeuterte.
Das Maedchen hatte ihre Eltern noch von einer Telefonzelle aus angerufen und etwas schwer verstaendliches gestammelt, dann brach das Gespraech ab.
Der gemeinsame Bekannte, der wohl tiefer in die Sache verwickelt war, erlaeuterte mir, dass sie mit ihrem Freund zusammenbleiben wollte und nicht zwangsverheiratet werden, und daher sei sie untergetaucht.
Wie gesagt, es gibt sehr haeufig solche Faelle, in denen Personen ab ca. sechzehn Jahre "verschwinden", wiewohl sie i.W. nur untergetaucht sind.
Die Polizei muss nun, anders als allwissende Hobby-Kriminalisten, jede Moeglichkeit in Betracht ziehen. Da nach den mir bekannten Schilderungen Frau Graeffs Verhalten, sich mit einem (dem Freund!) "fremden" Manne einzulassen und den "Freund" fortzuschicken, einen starken Hinweis darauf gibt, dass sie sich freiwillig mit jemandem eingelassen hat, der von Freund und vermutlich auch der Mutter nicht "goutiert" worden waere, und da keine weiteren Anzeichen fuer ein Gewaltverbrechen damals vorhanden waren, hat die Polizei mit ihren Suchaktionen schon sehr viel unternommen.
Wuerde sie das in jedem solchen Falle tun (und dann noch, wie bemaengelt, alles roden), dann waere Deutschland kahlgerodet und von Suchtrupps ueberzogen.
Dass dann an der "Kabinenbahn" Schreie gehoert wurden und nahe der Felsen u.U. auch noch, auch das ist nur fuer Hobby-Kriminalisten und im Nachhinein "von Bedeutung".
Davor sind es erstmal Schreie.
Dass diese der Polizei berichtet werden, haengt mit der in diesem Falle sehr offensiven Oeffentlichkeitsfahndung zusammen.
Was glauben denn alle Hobby-Kriminalisten, was passieren wuerde, wenn man die gesamte Bevoelkerung fragen wuerde "Haben Sie gestern nacht was auffaelliges bemerkt?" Natuerlich wird jede Nacht irgendwo geschrien ...
Also nochmal: ob Fehler gemacht worden sind, speziell im Falle Graeff, das weiss ich nicht und halte es fuer zu frueh, das zu behaupten.
Dass die Polizei, wenn eine konkrete Leiche fehlt, nicht in jedem "Entfuehrungs"- oder "Vermissten"-Fall von erwachsenen Personen taetig wird, das hatte ich versucht, zu erlaeutern.
Menschen, die erwachsen sind, duerfen, wenn sich nicht mit Haftbefehl gesucht werden, sich so unsichtbar machen, wie sie wollen. In manchen Faellen geschieht dies, obwohl die Angehoerigen "Stein und Bein schwoeren", dass "gerade der Egon" sowas nie, nie, niemals machen wuerde.
Wie viele Ehegatten fielen schon aus allen Wolken, wenn der andere Partner ihnen ploetzlich erzaehlt, er/sie wolle sich scheiden lassen.
Was soll die Polizei in solchen Faellen tun? Statistisch weiss sie, dass es haeufiger vorkommt, als die betroffenen, trauernden, verzweifelten "Hinterbliebenen" ahnen oder wahrhaben wollen. Was soll eine Polizei tun? Sie ueber die Statistik aufklaeren und der Mutter, der Ehegattin, dem Verlobten gegenueber insinuieren, sie seien zugunsten "einer besseren Partie" versetzt worden?
So muss sich die Polizei halt nunmal fuer vieles schelten lassen, was sich aus ihrer fachgerechten Arbeitsweise zwangsweise ergibt.
Nun nochmal zu Ihrem Einwurf:
dass eine im Baum hängende Leiche einen großen Schwarm Krähen anlocken würde.
Nun, wo haben Sie das denn her? Wenn, wie ich behaupte, wir von Kadavern umgeben sind, dann waeren ja "alle Nase lang" Kraehen zu sehen.
Ich kann nur als Autofahrer, der wahrscheinlich im Leben ueber eine Million Kilometer als Fahrer zurueckgelegt hat, sagen: ich habe totgefahrene Wildtiere gesehen, da war ein ganzer Schwarm Kraehen zu sehen. Und ich habe mindestens fuenf- bis zehmal soviel verwesende Wildtiere gesehen, wo weit und breit keine Kraehe zu sehen war!
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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