Zufälle gibt's…
> Wer auch immer der IKA Geld schuldete ... der fand ab dem 15.6 eine komplette Kontensperrung vor.
> Die Aktion kam völlig überfallsartig, erzählte mir ein Unternehmer.
"Plötzlich und unerwartet" nur für die Griechen, die den Fahrplan nicht kannten.
> Selbst wer also nach dem 15. (und erst danach wurde es ja "richtig heiß") reagieren wollte (sei es Geschäfts- oder Privatkonto) der konnte nicht mehr.
Eine Art "Corralito".
Eine ordentliche Staatspleite liefert den Eingeweihten Gewinnmöglichkeiten, von denen Normalanleger nur träumen können.
Wer sich beispielsweise vor der argentinischen Krise 2001/2002 rechtzeitig (im Inland) in Dollar verschuldete, profitierte massiv von der anschließenden Umwandlung dieser Dollarschulden in Peso und der Abwertung des Pesos auf ein Viertel.
Und dieses "glückliche Händchen" hatten Einige mit Rang und Namen.
Da solle auch keiner sagen, das sei einfach nur Zufall gewesen, denn eine Pleite dieses Ausmaßes hätte ja niemand ahnen können, schließlich erfüllte die argentinische Staatsverschuldung zur Jahrtausendwende locker die Maastricht-Kriterien.
Da es allerdings bekanntlich nicht auf die Höhe der Schulden ankommt, sondern auf deren Fälligkeit, türmte sich damals eine dunkle Gewitterfront am Horizont auf, denn die Vorgänger-Regierung unter Menem hatte sich gegen Ende der 90er Jahre immer kurzfristiger verschuldet. Dadurch hatten sich für die Jahre 2000+ Zahlungsverpflichtungen akkumuliert, die das Land allein aus den vorhandenen Exportüberschüssen nicht bedienen konnte. Eine Umschuldung war nötig, und die internationalen Großbanken stellten - diese Zwangslage ausnutzend - unverschämte Zinsforderungen im zweistelligen Bereich. Also suchte und bekam man zinsgünstige Überbrückungskredite vom IWF, während im Hintergrund die Verhandlungen liefen.
Wie Jahre später "durchsickerte", weilte der damalige Finanzminister Domingo Cavallo im März 2001, ein knappes Jahr vor dem Kollaps, zu einem "Stresstest" des argentinischen Finanzsystems in den USA. Dabei wurde alle möglichen Szenarien einer argentinischen Staatspleite simuliert, und es stellte sich heraus, dass die argentinischen Staatstitel ungleichmäßig in der Welt verteilt waren. Während sich die Titel mit unmittelbarer Fälligkeit in den folgenden Jahren überwiegend in europäischen und japanischen Händen befanden, war die Mehrzahl der ab 2010 fälligen Schulden in US-Besitz.
Es wäre durchaus möglich gewesen, die Pleite Argentiniens (zumindest vorübergehend) abzuwenden, um dem Land Zeit für Reformen zu geben, aber das hätte die europäischen Anleger gerettet und das Risiko auf die US-Gläubiger verlagert.
Also wurde Argentinien im weiteren Jahresverlauf gezielt in eine Situation gebracht, die direkt zum Kollaps Ende 2001 führte.
Man darf vermuten, dass in Griechenland etwas Ähnliches abläuft, und ich wäre mir nicht sicher, auf welcher Seite die derzeitige Regierung wirklich steht...