Eigener Erfahrungsbericht: Besuch im Flüchtlingsheim
Am Wochenende war ich zu Besuch in einem der Flüchtlingsheime bei uns in der Nähe. Untergebracht sind hier ein paar Dutzend junge Männer vorwiegend aus Afghanistan und Senegal.
Erster Eindruck: im Wohnheim ist alles blitzblank geputzt; kaum war ich drinnen, hat auch schon einer den Flur gewischt. Alle machten einen sehr gepflegten Eindruck.
Die Asylbewerber sind alle erst seit kurzem in Deutschland, daher war eine Unterhaltung nur in Englisch bzw. Französisch möglich. So wie ich es verstanden habe, werden sie nach der Ankunft in Deutschland quasi sortiert nach unproblematisch und möglicher Weise problematisch. Die Ersteren waren in dem Wohnheim, das ich besuchte. Sie erhielten 2 Sätze neue Kleidung, sowie Geld, um sich selbst Lebensmittel zu kaufen. Einige Deutsche kümmern sich ehrenamtlich um die Bewohner, montieren z.B. Fliegengitter an den Fenstern, besorgen Bälle zum Spielen etc.
Ausnahmslos alle sind sehr freundlich und aufgeschlossen, mir wurde gleich Kaffee/Tee angeboten, den sie sich von ihrem Taschengeld gekauft hatten.
Berührt hat mich die Aussage eines Afghanen: "We are all human beings, we are brothers. I am Muslim, you are Christ. But it is one god, we believe in the same god."
Die Schicksale sind ausnahmslos heftig. Beispiele: die gesamte Großfamilie eines Afghanen wurde im Elternhaus erschossen, ein Senegalese berichtete, dass das Flüchtlingsboot gekentert ist und er als einer der Wenigen überlebte. - Alle meinten übereinstimmend, dass keine Hoffnung bestünde, je wieder in das Heimatland zurück zu kehren.
Sehr auffallend war für mich, dass kein Interesse daran bestand, von mir etwas zu erfahren. Mit einer seltsam anmutenden Emotionslosigkeit kamen Schilderungen von grausamsten Vorgängen. Der Blickkontakt hielt jeweils nur während des Sprechens, danach ging der Blick zu Boden, abgewandt, wie abwesend. Diese Menschen sind zutiefst traumatisiert, ja gespalten. Sehr schwierig, damit umzugehen, und sicher noch viel schwieriger für die Betroffenen selbst. Sie sind jetzt hier in unserem Land, und ich glaube nicht, dass es irgendwie besser wird, wenn wir sie ignorieren. Andererseits weiss ich wirklich nicht, wie solche zutiefst traumatisierten Menschen hier integriert werden können.