Teil 3
Eine Frage ist noch übrig aus dem ersten Fragen Posting.
c) Wen würdest DU heute empfehlen (zu lesen), um sich ein realistisches Bild von Russland, russischer Politik und Wirklichkeit, zu machen?
Was würde ich empfehlen. Mein Russisch ist zu schlecht um schnell zu lesen, daher bin ich allein schon aus Zeitgründen genau wie du auf das recht begrenzte englisch-sprachige Russische Internet festgelegt. Wo ich reinschaue, ausser RT, Sputnik und Saker... also zum Beispiel
Fort Russ - Privater Nachrichten Blog mit Ukraine-Schwerpunkt. Leisten viel Übersetzungs-Arbeit. Leider ist JHawk, einer der beiden fleissigen unermüdlichen Übersetzer, bekennender Stalin-Fan. Man liest besser nur seine gewissenhaften Übersetzungen - und erspart sich seine Essays.
Russia Insider ist eine große News Sammlung und halbwegs übersichtlich. Die filtern im Grunde nur nochmals über bereits übersetzte Russland-Quellen aller Art drüber. Aber das machen sie recht gut.
RBTH - Umfangreiches Informations-Angebot welches nicht auf die täglichen Schlagzeilen festgelegt ist. Hier kann man auch Land, Leute, Lebensart etwas näher kennen lernen. Wichtig : Sofort oben in der Menüleiste World-Business-Politics-Defense-Art-Travel-usw. eine Vor-Auswahl treffen, dann mutiert das wirre Allerlei zu Ordnung.
Oriental Review - Anspruchsvolle Analysen zu aktuellen und zu historischen Themen mit Russland-Bezug.
Das war's im Grunde schon. Und veranschaulicht mein Problem. Ich muss meine Russisch-Kenntnisse massiv verbessern, denn anders komm ich in meinem gewählten Interessengebiet nicht weiter. Das wird noch sehr schmerzhaft werden. ;)
Bücher?
Punkt 1 - Die können kaum noch was liefern das man sich als langjähriger Gelbling nicht ohnehin schon selber zusammengereimt hat.
Punkt 2 - Die neueren Bücher in deutscher Sprache sind fast Alle gleichgeschaltet. Um in Deutschland überhaupt noch veröffentlicht zu werden, muss ein Minimum an fundamentaler Putin-Ablehnung drin sein, oder wahlweise mindestens ein Kapitel Lobpreisung für westliche NGOs, oder ein Kapitel Anbetung für den göttlichen Chodorkowski.
Das ist kein Scherz. Sogar renommierte Russland-Autoren wie Alexander Rahr machen da mit, obwohl sie es definitiv besser wissen. Ohne Lobpreisung der Gottheit kriegt er keine Veröffentlichung mehr. Freie Presse oder so nennt man das.
Kleine unabhängige Verlage bringen noch ab & zu was ohne Lobhudeleien auf Chodo und die NGOs. Aber siehe oben - als langjähriger Gelbling kennt man das Meiste bereits.
Originell sind alte Bücher von Gabriele Krone-Schmalz, die es heute nur noch im Antiquariat gibt. G-K-S hat die letzten Jahre unter Gorbatschow und den Yeltsin-Sauhaufen noch live erlebt und beschrieben. Liest sich wie Gorky Park, nur ohne Leichen. Aber das sind reine Hobbies für Russophile.
Ein Posting voll mit neuen Fragen erwartet mich.
Entspannte Grüße
Kirov