Spasiba bolschoje
Lieber Kirov,
vielen herzlichen Dank für Deine umfangreichen und interessanten Informationen! Bzgl. meiner Fragemotivation werde ich später etwas sagen, zu Deinen sehr erhellenden Berichten kamen mir allerdings gleich neue………. Fragen, meine ich. 
Ich bitte vorweg, die folgenden Fragen nicht als despektierlich oder provozierend aufzufassen – mir geht es schlicht um Wahrheit und es freut mich in diesem Zusammenhang sehr, Fragen an eine „kompetente Stelle“ richten zu können. Alors:
Dass die mediale Berichterstattung in Sachen Russland stark hinkt (also bei uns) – davon bin ich wie gesagt überzeugt, ebenso, dass dies Zerrbild auch den FSB betrifft. Dass indes dort einfach patriotische, russische Bürger mit moralischem Gewissen arbeiten, glaube ich auch nicht.
Ich denke vielmehr, die Geheimdienstarbeit zieht nicht nur einen ganz bestimmten Charakter oder Typus Mensch an, sie verdirbt auch die Menschen – oder sagen wir, die Gefahr ist groß, dass dies geschieht. Dies vorweg. Nun die Fragen:
Wie beurteilst Du die Anschläge von 1999, welche zum zweiten Tschetschenien-Krieg führten? Waren sie ein Werk des FSB (wie ich persönlich zu glauben geneigt bin)?
Du schreibst: Die Informationen zum Aufspüren und Bekämpfen von Allahs irren Clowns besorgt der FSB. Und das Fernseh-Publikum bekommt die Feuergefechte mit den Verrückten nun schön ausgiebig in den Nachrichten serviert. Damit man direkt begreift, warum man einen FSB hat und warum man ihn braucht. Ein ganz anderes Marketing als früher. Eines das sehr erfolgreich ist.
Da ja der FSB seine Popularität durch den Kampf gegen die Mad Mullahs steigern kann – kannst Du es ausschließen, dass der FSB nicht auch analog zu den Amis seine eigenen Feinde finanziert, um diese dann medial markant zu zerlegen (USA – ISIS) - oder zumindest so zu tun, als ob?
Leider wäre dies ja, wenn ich Dich richtig verstand, die Domäne des Auslands-Geheimdienstes, zu dem Du wenig sagen kannst – insofern ignoriere doch bitte diese und die nächste Frage, so sie schlicht nicht „mit Fleisch an den Knochen“ beantwortet werden können.
Die nächste Frage: Ist es auszuschließen, dass der Auslandsgeheimdienst Russlands analog zum CIA Umstürze vorbereitet/Inszeniert etc. oder mit Geldmitteln und anderweitig Regimegegner in solchen Ländern finanziert, die Russland feindlich gesinnt sind (naheliegendster Fall wäre ja wohl die Ukraine) oder wo Russland geostrategische Interessen verfolgt?
Anna Chapman ist natürlich ein „lustiger“ Fall – dass dort indes nur Annas und nicht auch russische John Perkins herumlaufen – das erscheint mir nicht ganz einsichtig.
Was hältst Du vom Fall Litvinenko?
Deine Einschätzungen der geopolitischen Rolle Russlands in den Augen der USA (und der daraus folgenden Politik seitens der USA) sowie der fast schon masochistisch anmutenden Tendenzen deutschen Verhaltens bzgl. Außenpolitik teile ich weitgehend. Und dass man alte Stories (zum KGB) aus den dreissiger Jahren gerne medial neu verpackt ist bei uns auch nicht viel anders, was bestimmte Geschichten hierzulande angeht.
Vielleicht hast Du noch Zeit und Lust diese Fragen zu beantworten. Falls es Deine knappe Zeit einfach nicht zulässt, habe ich dafür (nicht vollstes, aber) Verständnis.
Beste Grüße
K_v_S
P.S.: Um mich mal informativ zu bedanken: Ich arbeitete vier Jahre in einer Firma, die auch Kunden in Kasachstan und der Ukraine hatte, Dadurch lernte ich vor allem Russen kennen, die mir im Allgemeinen (mittleres Management) angenehme und gebildete Gesprächspartner waren. Ein Kollege von mir, selber aus der DDR stammend und lange in Rumänien vor Ort im Einsatz, sagte mal, der ganze Osten Europas habe noch alte Netzwerke aus der Zeit vor 89. (Dies angesichts dieses Falls in Estland, wo ein General, wenn ich mich recht erinnere, Geheimnisse an Russland verraten hatte). Jedenfalls war mein Kollege, den ich als klugen Menschen schätzte, davon überzeugt, dass im Hintergrund noch alte Kontakte existieren und genützt würden.
P.P.S.: Mein eigener Vater (und Großvater) hatten immer eine starke Affinität zu russischer Literatur. Ich bin insofern mit Dostojewski, Tolstoi, Bulgakow, Tschechow etc. aufgewachsen und war von russischer Literatur immer besonders fasziniert. Auch daher rührt also mein Interesse an russischer Gegenwart. Mir erschien immer ein potenziell starkes Band zw. Russen und Deutschen zu existieren. In alten Büchern von vergessenen Autoren wie Hermann Graf Keyserlingk oder Lou Salome oder auch bei Rosa Luxemburg oder bei Kriegsautoren findet man eine Ehrfurcht vor russischer Gefühlskraft und russischem Gemüt. Und den Wunsch, beide Völker mögen doch GEMEINSAM etwas schaffen anstatt gegeneinander. Vielleicht sehen wir dies eines Tages. Die Zukunft ist zumindest eines – offen.
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Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin