Das Volk ist nicht politisch interessiert

Orlando ⌂, Mittwoch, 10.06.2015, 14:10 (vor 3872 Tagen) @ Leserzuschrift3365 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 10.06.2015, 14:45

Hallo s

Zitat: "Im Leben zählt, ob die Vorteile die Nachteile ÜBERWIEGEN.

Und genau das ist meiner Ansicht nach bei der repräsentativen Demokratie
der Fall."

Fragt sich halt immer, für wen. Gut wenn Du oben dabei bist.

Für das Land als Ganzes. Dass es unten und oben gibt, ist nunmal so.

Das Durchdrücken von ESM etc. könnten bspw. Russlandhasser auch als
putinesque bezeichnen. Wird halt nicht gemacht, ist halt EU und nicht Putin

Der ESM ist verfassungswidrig zustande gekommen?

Zitat: "Glaubt jemand im Ernst, bei Volksabstimmungen würde das Ergebnis
anders ausfallen als an der Ladentheke oder im Zeitungskiosk oder an der
TV-Fernbedienung?"

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich den Satz interpretieren soll. Aber
ich habe den Eindruck, Dir scheint die "repräsentative Demokratie" gerade
deswegen zu gefallen, weil sie echte Demokratie verhindert und Volkes Wille
(böse, populistisch) nicht umgesetzt werden muss.

Von böse oder populistisch habe ich nicht gesprochen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass das Volk nicht besonders interessiert ist an Politik. Dass es sich von den Leitmedien berieseln lässt und die existierenden Möglichkeiten der politischen Teilhabe nicht ausnutzt - siehe Wahlbeteiligung, siehe aktive Mitarbeit in politischen Parteien etc. Deshalb bin ich ganz froh über die dämpfende Wirkung der repräsentativen Demokratie. In einer direkten Demokratie würden die interessierten Kreise natürlich noch viel massiver Werbung für ihre Positionen machen und "das Volk" ist nunmal anfällig für Werbung - siehe Konsumverhalten oder TV-Gewohnheiten.

Anders ausgedrückt: direkte Demokratie gibt die Entscheidung in die Hände von Leuten, von denen ein Gutteil bekanntermaßen inkompetent ist. Das hat nichts mit Herabsetzung zu tun, es muss sich nicht jeder für politische Fragen im Detail interessieren - aber eben dann auch nicht über die Details entscheiden.

Wenn das Volk mehrheitlich gegen bspw. den ESM gewesen wäre, hätte die AfD doch locker die 5 %-Hürde nehmen müssen.

Hätte man das Volk demokratisch abstimmen lassen, gäbe es keine Euro,

Siehe oben, die Leute verstehen doch noch nicht mal ihren Händivertrag.

In der BRD ist die FDP jahrzehntelang auf den Zweitstimmen geritten, weil ein großer Teil der Wähler nicht weiß, dass allein die Zahl der Zweitstimmen über die Zusammensetzung des Parlamentes entscheidet.

wir müssten nicht zahlen und bürgen (Export von Wohlstand).

Dass wir durch den Euro mehr "zahlen und bürgen" müssen als zuvor, halte ich für einen Trugschluss.

Man nehme nur mal stichprobenartig die Bundesbankbilanzen 1985, 1995, 2005 und 2014 im Vergleich.

1985: 25% Dollarforderungen
1995: 33% Dollarforderungen
2005: 11% Dollarforderungen
2014: 6,5% Dollarforderungen

Das heißt im Klartext: wir als Überschussland haben zu DM-Zeiten die USA finanziert und finanzieren nun die EU-Staaten. Als Überschussland muss man immer jemanden finanzieren - da ist es doch besser, man finanziert Europa als Übersee.


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