legal tender for all debts

Nico, Samstag, 02.05.2015, 00:27 (vor 3910 Tagen) @ politicaleconomy3998 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 02.05.2015, 00:51

Hallo Falkenauge,

danke für den Hinweis und den Artikel.

Deiner Danksagung schließe ich mich an, dieser Artikel bedeutet wichtige Aufklärung. Hitler war ein Agent der alliierten Mächte, und hat den Krieg für seine Partei gewonnen. Eines der wichtigsten Kriegsziele war Bretton Woods, auf dem die US-Hegemonie erst errichtet werden konnte. Die Weltkriege waren keine Kriege unter Nationen, sondern ein Krieg der … hmm … ich sag mal „Irrsinnigen Dominanten Minderheit“, um nicht den aufwertenden Begriff „Elite“ zu verwenden, gegen die Menschheit an sich.

Du schreibst da über das von angloamerikanischen Bankern installierte
System der Reparationskredite:

„Was an dem System nicht stimmte, war nur, a) dass es in sich
zusammenfallen würde, wenn die Vereinigten Staaten aufhören würden zu
leihen und b) dass in der Zwischenzeit die Schulden nur von einem Konto auf
ein anderes verschoben wurden, aber niemand der Zahlungsfähigkeit wirklich
näher kam. (…) Dadurch wurde nichts wirklich geregelt, aber die
internationalen Banker saßen im Himmel unter einem Dauerregen von
Gebühren und Provisionen
.“

Exakt dieses Spiel wiederholen die Banken heute mit Griechenland
(Varoufakis weist völlig zu Recht immer wieder darauf hin).

Stadermann entlarvt dieses Spiel systematisch in seinem Buch
"Der
stabile Euro und seine Feinde
" (Link führt zum Verlag, Inhalt und
Vorwort dort einsehbar).

Rezension
hier.


Kurzeinblick in einen Teil der Argumentation:
Untersicherte
Kredite als Machtinstrument
:

"Zins und Risiko steigen und fallen proportional.

Das ist nur bedingt richtig, und ich habe hier zweierlei anzumerken:

1)
Banken transformieren „Risiken“ einzelner Kredite in kalkulierbare Flussgrößen von Ausfällen als Kosten des entsprechenden gesamten Kreditsegmentes. Insgesamt decken Zinsen keine Risiken, sondern kalkulierte Kosten, welche sich insgesamt auch nicht von anderen Kosten wie z.B. Personalkosten wesentlich unterscheiden. Deshalb geht auch der Zins nicht auf Null, wenn das Risiko so einzuschätzen wäre (Zinsfuß).

2)
Somit bedeutet nicht der Risiko-belastete Kredit ein hohes Zinsniveau, sondern der Kosten-intensive. Das wirkliche Risiko (Wahrscheinlichkeit des Ausfalls) hingegen wird durch die im Folgendem aufgeführten „Sicherheiten“ nicht berührt, und auch nur einem Anderem überlassen.

Das galt bis vor
wenigen Jahren ganz allgemein. Inzwischen haben Großbanken sich
Marktformen gestaltet, innerhalb derer es ihnen möglich ist, risikolos
ihren Kredit in den hohen Zins bietenden Bereich untersicherter Forderungen
dadurch zu expandieren, dass sie die damit unverändert verbundenen
extremen Risiken auf die Allgemeinheit der Steuerzahler überwälzen.

Die angesprochenen „extremen Risiken“ liegen nicht in der „Untersicherung“ der Kredite, sondern in der Beurteilung der Marktlage. Die Besicherung eines Kredites sagt nichts über die daran geknüpfte Ausfallwahrscheinlichkeit aus.

Die
2010 aus heiterem Himmel ausgebrochene Schuldenkrise Griechenlands ist der
in der jüngeren Vergangenheit erste Fall, in dem eine
Untersicherungsstrategie nach allen Regeln der Kunst der Ausplünderung
öffentlicher Kassen auf eine ganze Volkswirtschaft angewendet wurde.

Diese Diagnose wage ich daher in dieser Form zu bezweifeln. Die Griechenland-Krise resultiert aus der Form der Staatsfinanzierung und der Geldpolitik, und nicht aus dem Status der Besicherung von Krediten. Dafür spricht ja bereits, dass im Falle einer deflationären Depression natürlich auch die Sicherheiten abwerten.

Das
war insofern ein Sonderfall, als er die Existenz einer Haftungsgemeinschaft
der Eurozonenländer zur Voraussetzung hatte. Die 2007 ausgebrochene
Untersicherungs-Krise im Immobilienmarkt der Vereinigten Staaten von
Amerika war der Probelauf hierfür und zeigt das gewöhnliche, gegen
Untergliederungen einer Volkswirtschaft gerichtete Vorgehen bei der
Durchsetzung der Strategie im nationalen Rahmen.

Die Diagnose „Untersicherungs-Krise“ ist grober Unfug, weil die Krise darin besteht, DASS Kredite platzen. Die hier angesprochenen Sicherheiten erhalten aber erst ihre Bedeutung, WENN Kredite platzen.

Die abendländische Doppelte Buchführung kennt keinerlei Ausdruck für eine Besicherung, geschweige gar einer „Untersicherung“. In der Doppelten Buchhaltung sind Aktiva und Passiva grundsätzlich gleich. Die etwaige Vorstellung, man würde scheitern weil man zu wenig Sicherheiten hat wäre ungefähr die gleiche wie die, dass man scheitern würde, weil man zu wenig Geld hat.

Wenn die Nominalverbindlichkeiten, mit denen sich eine Regierung zum
Marktzins verschulden will, von potentiellen Gläubigern als durch
zeitgleich mit den Tilgungsfristen bestehenden Steuerforderungen gut
gesichert angenommen werden, werden sie am Markt zu den dort üblichen
Bedingungen und zum Parikurs absetzbar sein.

War also klar, wohin das hier führen soll: Nur wenn der Staat nachweisen kann, dass er seine Schulden auch bezahlen können wird, bekommt er auch sein Geld. Das ist Marktfundamentalismus pur. Der Staat ist aber ganz sicher nicht darauf angewiesen, vom Markt Geld zu erhalten, damit er sich auch mal was kaufen kann. Hier befinden wir uns in der pastellfarbenen Welt von Mickey Mouse und Dagobert's Geldspeicher. Jeder erschafft Geld durch Verschuldung und Schulden entstehen durch Kauf. Die Schulden des Staates aber sind „legal tender for all debts“ (oder könnten es sein), und meine sind es (leider) nicht – genauso wenig wie die eines anderen Marktteilnehmers, oder etwa des Marktes an sich. Stadermann verdunkelt den Staatsstreich über die Notenbanken. Das Recht, gZM zu emittieren ist das Recht des Souveräns. Staadermann will den Raub an diesem Privileg verdunkeln, indem er die damit beschriebene Funktion dem Markt zuzuschreiben sucht.

Findet so ein
Verschuldungsangebot keine ausreichende Nachfrage, wird diese Anforderung
nach der Auffassung der Gläubiger nicht erfüllt.

Verschuldung entsteht durch Kauf, und bedeutet somit selbst die Nachfrage. Die Frage ist nur, ob eine Bank bereit ist, als Nachschuldner ein-zuspringen. Die Bank bräuchte nun aber Sicherheiten, wie wir hier von Stadermann erfahren. Ein wahrer Teufelskreis [[freude]] . Liegt wohl zum Glück aber nur an seinem unsinnigen Risikobegriff, welcher das Prinzip der gegenläufigen „Chance“ völlig unterschlägt. Erfolgreiches Wirtschaften läuft nicht darauf hinaus, KEINE Verluste zu machen, sondern nur WENIGER Verluste als Gewinne. Und das wird auch für alle Zeiten so bleiben. National oder auch global gefährlich wären auch nur entsprechende „Risiken“ im entsprechenden Maßstab (Sonnensturm, Sintflut, Meteoriten-Impakt oder dergleichen). Ansonsten trägt jeder sein eigenes Lebensrisiko.

Je nach der Lage ist der
Marktwert der Schuldtitel geringer als ihr Nennwert oder sie sind einfach
im extremen Fall Papier und wegen der Unfähigkeit der Regierung, sich für
den Kapitaldienst ausreichende Einnahmen zu verschaffen, mit Null zu
bewerten.

Ja, und die mit „Null bewerteten Schuldtitel“ sind eben auch jene mit astronomischer Rendite-Chance.

Zwingt die Regierung derartige Titel der Zentralbank als Ankäufe
auf ihre eigene Rechnung offen, oder wie es meist geschieht, durch einen
Umweg verschleiert in deren Portfolio, dann bleibt zwar nominal ihre Bilanz
im Gleichgewicht, tatsächlich aber ist der Marktpreis ihrer Aktiva um das
Volumen dieses Bestandes geringer als der Nominalwert ihrer durch
Banknotenumlauf und Guthaben der Geschäftspartner aggregierten Passiva.

Ja, Bilanzen bleiben übrigens immer im Gleichgewicht, und die Zentralbank braucht ihre nicht einmal einer (Geschäfts-) Bank vorlegen, um sich damit deren Beurteilung zu unterwerfen. Für Stadermann wohl aber keine der Erwähnung würdige Unterscheidung. Die Zentralbank bedeutet längst selbst die „Regierung“ und lässt sich kaum von einer solchen irgend etwas „auf-zwingen“. Es ist typisch, dass das, was noch am ehesten eine Volksvertretung genannt werden könnte, hier zum Willkür-herrschaftlichen Zwingherren gemacht wird. Zumindest könnte das, was hier Regierung genannt wird noch eher als vom Volk gewählt betrachtet werden, als ausgerechnet die ZB.

Stadermann wirft die üblichen Nebelkerzen, unter welchen individuelle und kollektive Prinzipien vertauscht werden sollen. Alleine das „auf eigene Rechnung …“, als ob die ZB-Banker jetzt vielleicht putzen gehen müssten, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Die ZB basiert einzig auf dem staatlichen Privileg, Geld zu drucken.

Die unmittelbare Folge davon wird an einem aufmerksamen Markt eine
entsprechende Änderung des Wechselkurses und der Kurse der
Realvermögenswerte im Aktienmarkt sein. Das bedeutet für die Inländer
eine Realeinkommenssenkung, da sie mehr Güter exportieren müssen, um die
gleiche Menge Importe zu erhalten.

Reiner Unfug! Die Kurse der Währungen hängen am Austausch von in diesen fakturierten Leistungen. Nationale Notenbanken manipulieren diese natürlichen Wechselkurse damit, dass sie ausländische Werte kaufen. Bar jeder Manipulation würden die Wechselkurse einen beständigen Ausgleich in den nationalen Handelsbilanzen erzwingen.

Es bedeutet aber auch einen Verlust an
Arbeitsplätzen, weil eine Investition in Beschäftigung schaffende
Produktionen im Verhältnis zu den sehr kurzfristigen, Einkommen nur
umverteilenden reinen Finanzinvestitionen in den Sekundärmarkt an
Attraktivität weiter verliert. Kapital wird aus der Produktion abgezogen,
wobei sogenannte Finanzinvestoren den Eigenkapitalhaltern die Hilfe zum
Ausschlachten der der bestehende Vermögenswerte von Beschäftigung und
Einkommen sichernden Unternehmen leisten."[/i]

Der Verlusst von Arbeitsplätzen wurde im übrigen von Paul C. Martin bereits hinreichend mit der „Verrentung“ erklärt, und ergibt sich aus der Staatsverschuldung an sich. Sofern hier überhaupt etwas verstanden werden kann, dann muss die behauptete „Änderung des Wechselkurses“ im gleichen Maße Gewinner und Verlierer hervorbringen, weshalb sich hieraus schon kaum ein allgemeiner Verlust an Arbeitsplätzen ableiten ließe.

Stadermann entwirft dabei eine im Vegleich zu Sutton, Preparata etc. zwar
in manchen Punkten ähnliche, aber eigenständige und darüber
hinausgehende Perspektive, die sich daraus ergibt, daß er als
"Eigentumsökonom" (er hat mit Steiger eng zusammengearbeitet) die Rolle
der Sicherheiten sieht.

Und mit dieser „Eigentumsökonomie“ befindet sich Staderman auch auf dem selben Holzweg wie Heinsohn. Mit Debitismus hat diese Eigentumsökonomie nichts zu tun. Am leichtesten lässt sich dieser Unterschied noch anhand der jeweils Verwendung findenden Grundbegriffe aufzeigen. Im Debitismus ist es die Schuld, welche stets als der Gegenpol zu einer Forderung aufgefasst wird. Das heißt, niemand kann zugleich Schuldner und Gläubiger im selben System sein. Die s.g. „Eigentumsökonomie“ setzt hingegen auf den Begriff des Eigentums. Ebenso wie nach der herrschenden, wie auch der hier Anwendung findenden Auslegung dieses Begriffes bedeutet dieser aber nicht den Gegenpol zum „Besitz“. Man könne also Besitzer und Eigentümer in einer Person sein, wie es angeblich z.B. im Falle einer „Eigentumswohnung“ gegeben wäre. Ich selbst würde übrigens sehr wohl behaupten, dass man nicht Besitzer und Eigentümer in einer Person sein kann, nur lege ich diese Begriffe auch grundlegend anders aus, als der Volksmund, der Jurist oder eben auch der Eigentumsökonom es praktizieren. Würden also die Eigentumsökonomen ihren primären Gegenstand vielleicht auf meine weise sehen, dann würden sie wohl auch zu vergleichbaren Resultaten gelangen. Die Begriffe Besitz und Eigentum bleiben sonst aber unscharf und gegeneinander austauschbar. Sie haben keine Substanz auf der ein ökonomisches Modell errichtet werden könnte. So meinen die Juristen auch, dass nur der Eigentümer etwas verkaufen könne. Wer aber vom Besitzer kaufe, der wäre halt gutgläubig. So bedeutet jeder Zielkauf (gewöhnlich unter Eigentumsvorbehalt)
wohl auch einen gewerblich betriebenen Betrug, welcher darauf zielt, die Gutgläubigkeit des Publikums auszunutzen. Natürlich könne auch nur der Eigentümer eine Wohnung verkaufen. Es gilt dabei nur zu beachten, dass „Kauf nicht Miete bricht“. Nanu? Der Eigentümer Verkauft, und der neue Eigentümer kommt in seine Bude nicht rein?!

Er bietet neue, essentielle Einsichten, die man übersieht, wenn man die
Eigentumsfundierung von Krediten nicht explizit versteht (wie z.B. die MMT,
Flaßbeck, und viele andere Postkeynesianer).

Da gibt es eben auch nichts zu verstehen. Schulden entstehen durch Kauf und NICHT durch Kredit.

Es zeigt sich dabei, daß die Banken mit dieser Strategie sogar die
Zustimmung keynesianischer Ökonomen finden konnten, da diese - auf dem
Auge der Eigentumsfundierung des privaten Kreditsystems blind - deren
Wirkung nicht erkannten und bis heute nicht erkennen.

Sehr aufschlußreich ist auch, daß Stadermann sich von Heinsohn
distanziert, dieser wird nicht einmal im Literaturverzeichnis erwähnt.

Dabei hat sein Buch leider auch große Schwächen. Er belegt seine Thesen
nicht akribisch mit konkretem historischem Material.

Vielleicht für Dich interessant, da Du mit Deinen Erkenntnissen ja schon
recht weit gekommen bist. Hier könnte ein ganz wesentlicher essentieller
weiterer Baustein zum Verstehen des Geschehens hinzukommen.


Stadermann erkennt genauso wie Heinsohn vor allem nicht den Status der ZB als Staatsorgan und dass sie als infallibler Schuldner ausschließlich Staatsgeld emittiert. Staatsgeld bildet eine Symbiose mit Kreditgeld und kann nicht isoliert betrachtet werden. Staatsgeld und Kreditgeld entsprechen der Symbiose der kollektiven und der individuellen Sphäre einer Gesellschaft. Eigentum und Sicherheiten sind der individuellen Sphäre und damit dem Kreditgeld zugeordnet. Letztlich befördert Stademann auch nur den von dir zu Recht kritisierten Marktfundamentalismus. Auch der Markt ist eine Domäne ausschließlich des Privatsektors. Auf dem Markt entscheiden die Marktkräfte, auf dem Staatssektor wird per Dekret entschieden. So kann der Staat auch per Dekret entscheiden, dass die von ihm ausgegebenen Papiere „legal tender for all debts“ bedeuten. Und wenn das allein nicht deren Wert begründen kann, dann weiß ich auch nicht …

Schöne Grüße

--
... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...


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