Zusammenfassung von Stadermanns Thesen

politicaleconomy, Freitag, 01.05.2015, 20:00 (vor 3910 Tagen) @ politicaleconomy4362 Views

Dazu ein paar Zitate aus dem hier verlinkten Buch:

"Die Lage Griechenlands heute ähnelt der, die am Ende der Republik von weimar in Deutschland bestand, in zahlreichen Aspekten." (165)

"Schon in der Republik von Weimar hatten New Yorker Banken die Kreditwürdigkeit von nicht kreditwürdigen Unternehmen durch die Verstaatlichung der Unternehmensschulden herzustellen versucht. Dieses Konzept wird dann im großen Stil mit der Gründung des Internationalen Währungsfonds auf die ganze (nicht sozialistische) Welt erweitert. Der US-Dollar ist, auch dadurch gestützt, endgültig der Nachfolger des britischen Pfundes als Leitwährung geworden. Das bedeutet, alle mehr oder weniger geldwirtschaftliche organisierten Länder benutzen seitdem in den in die rund um den Planeten Erde ausgebreitete Geldwirtschaft integrierten Sektoren ihrer Wirtschaft den Dollar als Rechengeld und Reservewährung. Die Banken des Finanzzentrums New York erringen damit die dazugehörende Sicherheit, ihre fremden Schuldner ohne Ausnahme in ihrer eigenen Währung verschulden zu können. Alle ließen sich, um nicht den Kredit der einzigen Gläubigernation (USA nach 1945, PE), mit einem festen Wechselkurs an die amerikanische Währung ketten (System von Bretton Woods, PE). Als Mitglieder des Internationalen Währungsfonds verpflichtete sie der feste Wechselkurs nicht nur, dem Dollar keine Konkurrenz durch das Angebot einer nach solideren Grundsätzen emittierten währung zu machen, sie verpflichteten sich sogar, ihn durch unbeschfäntke Ankaufspflichten zum fixen Kurs zu stablilisieren.

Den Staat für private Schulden zum Bürgen zu machen, ist das in allen US-Hilfsprogrammen verschleierte Geheimins der Kreditexpansion der New Yorker Banken in die nicht kreditwürdige Wirtschaft erst der Staaten Westeuropas, Südeuropas und der Türke, dann nach Südamerika und Ostasien. Seit 2007 haben die Banken in New York dieses Instrument weiterentwickelt. Die öffentlichen Kassen werden seitdem auch nachträglich für private oder fremde staatliche Schulden in gesamtschuldnerische Haftung gezwungen. Es klingt allerdings freundlicher, wenn es Beistand genannt wird. Im Kern geht es darum, einen nicht kreditwürdigen Schuldner durch weitere Kreditgewährung bewußt an den Rand der Insolvenz zu bringen, wenn auf eine kreditwürdige Regierung absehbar so viel Druck ausgeübt werden kann, daß sie dem Schuldner durch Beistandsleistungen Kreditwürdigkeit wiederherstellt." (S. 8/9)

"Als Marktmacher von Staatsschuldtiteln auftretende Großbanken verfügen gegenwärtig über einen mit den Grundsätzen dieses Wirtschaftssystems nicht mehr vereinbaren, aber ohne Zweifel noch steigerbaren Einfluß auf öffentliche Stellen. Mit diesem können sie sich nicht nur aus den Haftungszusammenhängen befreien, sie haben selbst auf die Zentralbank so starken Einfluß erlangt, daß sie sich bis zu einem gewissen Grad, wie auf S. 160 gezeigt wird, selbst, zud zwar OHNE Sicherheitsleistung, mit Zentralbankgeld versorgen können. Derartige Korruptionen im Steuerungssystem führen ... früher oder später zum Scheitern der Geldwirtschaft." (S. 37)

"Wie sicher sich die Vorstände in den Bürotürmen der Großbanken waren, Einfluß auf die Gestaltung des Eurosystems zu haben, läßt sich aus unterlassener Vorsorge für andere Entwicklungen als die erwartete ahnen. Daß Italien von dei Masstricht-Kriterien erfüllenden Gründungsnationen zum Beispiel seiner u hohen Verschuldung wegen nicht als Mitglied erer sten Runde zugelassen werden könnte, wurde offensichtlich hier gar nicht für möglich gehalten. Es schien auch alles bestens vorbereitet: Italien wird durch seine neuen Verschuldungsmöglichkeiten an den Rand der Illiquidität geführt. Es sucht Beistand bei den Gläubigerländern der Währungsunion. Diese berufen sich auf den Vertrag von Maastricht und lehnen freundlich ab, als Gesamtschuldner zu haften. Damit muß das Land beim IWF um Unterstützung nachsuchen. Die alles initiierende Großbank wird dann den Statssektretär für Finanzen davon in Kenntnis setzen, daß seine Forderungen gegen Italien das Institut bedrohen und in den schwärzesten Farben ausmalen, welche Folgen ein Zusammenbruch des Hauses für die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika und vor allem auch für den Finanzminister haben wird. Den "Zusammenbruch der Kreditpyramide" abzuwehren wird zur prioritären Aufgabe der Politik. Das Instrument, mit dem Druck auf die Gläubigerländer in der Europäischen Währungsunion aufgebaut werden kann, ist der IWF. Er wird auf Dränen des Federal Reserve Systems und des US-Finanzministeriums die Notwendigkeit einer Stützung Italiens zu Lasten der Gläubigerländer des IWF erkennen, aber diese Unterstützung davon abhängig machen, daß sie auch die "Europäer" beteiligen. Da dauert es dann nicht mehr lange, bis die gesamtschuldnerische Haftung erst ausnahmsweise und schließlich als Regelfall zugestanden wird. " (153)

"Ähnliche, gegen die Konsumgüter produzierende und Steuern zahlende Gesamtwirtschaft geführte Raubzüge verbergen sich immer wieder hinter den untersicherten Anleihen und Krediten. Von einer Steigerung des Sozialprodukts durch diese Gefechte umd das Geld öffentlicherh Haushalte oder gar von einer Optimierung der Ressourcenverwendung durch die Kräfte am Markt kann keine Rede sein. Diese Transaktionen sind reine Umverteilungen von bereits vorhandenen Werten. Ihre gesamtwirtscahftliche Wirkung gleicht der eines Raubüberfalls auf Geldtransporte der Zentralbanken. Der entscheidende Unterschied besteht allein darin, daß Raub und schwerer Raub als Straftatbestand "angesehen" und deswegen in den §§ 249 und 250 des deutschen Strafgesetzbuches reguliert werden, währ4endn die Drohung, einem hochversculdeten öffentlichen Kreditnehmer keinen Kredit mehr zu gewähren, wenn er nicht für die Verluste einer privaten untersicherten Forderung die Sicherheit schafft, als ein Akt der Verbesserung der Ressourcen allokation mißverstanden wird. Beispiele für den albernen Versuch, die Beute als Einkommen einer "Spekulation" und Ergebnis einer sozialproduktwirksamen Tätigkeit nachzuweisen, finden sich in der liberalen Theorie häufig. Die schönsten aber sind in den Werken von Ludwig Mises zu finden." (173)

In Richtung Heinsohn und Monetärkeynesianer schreibt Stadermann:

"Die Theorie der Geldwirtschaft hat diese Veränderung und ds Leerlaufen ihrer institutionellen Bedingungen noch zu wenig wahrgenommen. Mit ihr träumen die Ökonomen weiter von Verträgen auf der Grundlage von Eigentum und Haftung. Es genügt ihren Anhängern, daß sie so überzeugend die Neoklassik kritisieren können. Warum sollte sich Herr Mustermann mit einem Blick auf dem Fenster in die erlebbare Wirtschaftswirklichkeit Ungemach verschaffen?

In der veröffentlichten Meinung wird erst recht der Anschein aufrechterhalten,: Alles sei bestens geordnet, liest und hört man. Manches sei anders als früher. Die Welt ändert sich, also muß sich die wirtschaft auch ändern. Auch die Soziale Marktwirtschaft kann nicht unverändert bleiben. Sie muß zur Neuen Sozialen Marktwirtschaft5 werden. Renditen der Hedgefonds und der sie finanzierenden Großbanken von mindestens 25% vor Steuern werden in den Medien wie Beiträge zur Erhöhung des Volkseinkommens abgehandelt. Dabei finde ganz deutlich genau das Entgegengesetzte statt: nicht die privat geschaffene Wohlfahrt wird der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt hinzugefügt, sondern das, was als gesamtwirtschaftliches Vermögen vorhanden ist, wird liquidiert, in Umverteilungsakten privatisiert und im Fall des Scheiterns entstehende private Verluste werden auf die Gemeinschaft übertragen. Könnte es sein, daß die Köche des Deregulierungsmenüs das Kapital von Karl Marx als Kochbuch benutzt haben? (216f.)"

"Steigende Nominallöhne sind ... die Bedingung für die Durchsetzung des technischen Fortschritts. Es ist die Annahme, technischer Fortschritt mache irgendetwas billiger, ein weiterer neoklassischer Irrtum. Ganz das Gegenteil ist richtig. Wo er nicht durch die Möglichkeit zur Einsparung zur Einsparung von Einseätzen teurer werdender Arbeitsleistungen eingesetzt werden kann, wird die Implantierung von Ressourcennutzungen verbessernden Verfahren unterbleiben. Wirtschaftsräume, in denen Lohnsenkungen erzwungen werden, mindern so ihre Zukunftsfähigkeit." (126)

Anders: Wer um niedrigere Löhne konkurrieren kann, muß nicht mehr um arbeitssparende Technologie mitkonkurrieren, mit der der Arbeitsaufwand reduziert und so die zu verausgabende Lohnsumme über Innovation gesenkt wird. Ohne Flächentarifverträge konkurrieren Unternehmer nicht mehr darum, wer am innovativsten und arbeitssparenden produziert, sondern darum, wer am effektivsten ausbeutet.

Das ist das "Geheimnis" des "deutschen Erfolgs" der 2000er Jahre - in einer Währungsunion lassen sich so andere niederkonkurrieren, deren Defizitpositionen dann die eigenen Überschüsse gegenüberstehen. Klassisches Beggar thy Neighbor, legitimiert durch die Ideologie des "Standortwettbewerbs" - eine weitere Parallele zur Weimarer Zeit.

Neoliberal deregulierter Finanzkapitalismus heißt also: Banken und Politik kooperieren bei der Umverteilung von unten nach oben so, daß sie Sozialismus für Banken und Frühkapitalismus für Arbeiter herstellen.

Auch die heutige Legitimationsideologie ist wieder dieselbe wie schon zur Weimarer Zeit: die Neoklassik.

Schön, daß da mal ein "Eigentumsökonom" draufgekommen ist.


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