Strategie statt TINA - im DFG sicher nicht
Hi Bill,
Hi PE,
dort wird doch im Vorwort von "Der stabile Euro
und seine Feinde" fast alles gesagt.
Leider ist Stadermann zu strategischem Denken unfähig
warum nicht etwas leiser, z.B.: "bisher habe ich nichts zu
(Geo-)Strategie von Stadermann gelesen".
Woher könntest Du wissen, dass Stadermann (grundsätzlich) unfähig dazu
wäre?
Wissen kann ich es nicht, nur sehe ich nirgends irgendeinen Anhaltspunkt, daß er es könnte, wie generell nicht allzuviel kohärentes. Siehst Du welche?
- wie es
Deutschland insgesamt an strategischen Denkern und Strategie mangelt.
An veröffentlichter Strategie jedenfalls ganz sicher.
Keineswegs. Man muß nur Helmut Schmidt lesen. Leider gehört der nicht mehr zur handelnden Generation. DER fehlt jegliche Strategie. Das mit "den Besatzern" erklären zu wollen, akzeptiere ich nicht, denn den Schmidt haben die auch nicht daran gehindert, realistisch und strategisch zu denken.
Wenn es Friedman braucht um für die Deutschen überhaupt erst
darzustellen, dass sie etwas entscheiden können... was sagt das
wohl über veröffentlichte (Geo-)Strategie in D?
Oder Varoufakis. Offensichtlich ist man sich in D dieser neu erwachsenen Machtstellung bisher nicht bewußt. Es funktioniert ja auch wunderbar, diese Machtstellung so zu nutzen, daß man sich als braver neoliberaler Musterschüler der USA und Chicago ausgibt, nach dem Motto: "wir machen doch alles richtig wie vorgeschrieben - uns kann keiner was!"
Es
kommt meist nur anklägerische US-Kritik, aber keine eigenständige
Strategie.
Ja. Jetzt müsste man genau unterscheiden. Die öffentliche Meinung mag
durchaus US-kritisch sein, die veröffentlichte Meinung ist es
(noch) nicht.
Eigenständige Strategien hingegen kann ich weder in einer öffentlichen,
noch in einer veröffentlichten Meinung finden. Strategien sind auch hier
im Forum nicht zu finden oder sie sind zumindest Mangelware.
So ist es. Während ein Brzezinski oder ein Helmut Schmidt diesen Mangel nicht kennen.
[Dass es kein
Interesse an einer staatlichen (Geo-)Strategie gibt wird sofort
verständlich dann, wenn alle Staatlichkeit grundsätzlich abgelehnt
wird.]
Die Staatsablehner belügen zuerst sich selbst, dann ihre Leser. Ihre einschlägigen Vertreter machen sich ja zum Sprachrohr des Hegemonen - sei es nun bei BILD oder im DGF. Das spricht Bände. Ob nun Demokratie oder Staatsablehnung vorgeschoben werden, das cui bono ist dabei ebenso klar wie verleugnet.
Gesamteuropa zu lähmen, ist keine längerfristig tragfähige Strategie
für D. Sie wird früher oder später auf D zurückschlagen.
Natürlich wird das früher oder später auf D zurückschlagen.
Es scheitert allerdings aktuell noch immer am Verständnis, dass das
deutsche Verhalten (die deutsche Wirtschaft als Ganzes) überhaupt eine
gesamteuropäische Lähmung zur Folge hat. Stichwort: Saldenmechanik. Wenn
es deutsche Staatsraison sein und bleiben sollte Nettoexportüberschüsse
machen zu wollen, dann muss geklärt werden wo die Nettoexportdefizite sein
sollen. Der "globale Minotaurus" (die alles importierende USA) scheint
dafür nicht mehr unbegrenzt und dauerhaft zur Verfügung stehen zu
können. Imperium hin oder her.
Das auch. Dummheit kommt zur Strategielosigkeit noch hinzu.
Konsequent wäre:
Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System
einer
sozialen Marktwirtschaft ausbauen.
Das ist eine (theoretische) Möglichkeit.
Dafür fehlen Wille und Kompetenz bei
Merkel/Schäuble.
Selbst wenn sie Willen und Kompetenz hätten:
Fehlt ihnen nicht auch der politische Rückhalt in D für soetwas?
Sicher, die "Wähler" haben ja die Regierenden "gewählt", die das exekutieren, was über 30 Jahre hinweg ALLEN als das angebliche Nonplusultra eingebläut wurde. Wir haben ein massives Wahrnehmungsproblem - das ist das Kernproblem, ähnlich wie schon nach Versailles. In Deutschland ist erstaunlicherweise dieses Wahrnehmungsproblem am massivsten - verbunden mit einem extrem verzerrten Blick auf die eigene Geschichte. Natürlich ist dieser Blick auch aufgeherrscht und war im Interesse anderer, die damit ihre nicht ganz weiße Weste reingewaschen erscheinen lassen konnten.
Würden
sie nicht in Bausch und Bogen vom Hof gejagt werden, wenn sie tatsächlich
tun würden was derzeit für sinnvoll gehalten werden könnte?
Vermutlich, wie man an den Reaktionen auf diesen Thread ja sieht.
Z.B.: europäische clearing union plus Recycling der deutschen
Überschüsse, Lohnerhöhungen in D (mindestens 25% fehlen, wenn man die
Produktivitätszuwächse in den letzten 15 Jahren berücksichtigt),
außerdem Herstellung zivilrechtlicher und fiskalischer
Infrastrutkurvoraussetzungen insbesondere in GR, BG, RO aber auch
Verbesserungen in Teilen von IT, PT, ES.
Das Ganze müsste zudem dem "deutschen Steuerzahler" so verkauft werden,
dass er einerseits nun nicht doch "für alles" zahlen muss und dem Rest
Europas müsste gleichzeitig nahe gebracht werden, dass das kein "am
deutschen Wesen soll die Welt genesen" ist.
So - plus einem massiven europäischen "New Deal" a la Varoufakis und Schulmeister (inkludiert Vermögenssteuer-Neuregelung) - müßte es sinnvollerweise laufen. Modest Proposal (Varoufakis) - New Deal (Schulmeister/Varoufakis) - European Clearing Union (Amato/Fantacci).
In die Hirne ist das derzeit nicht reinzubekommen, da kommt so gut wie überall nur klischeehafte Abwehr.
Eine dafür erforderliche "Kompetenz" kann ich bis dato nicht erkennen.
Ich auch nicht.
Wo
sind die deutschen/europäischen, deutsch/europäisch finanzierten,
(geo-)strategischen think tanks, die auch unbequeme Fragen stellen und
bearbeiten können?
In Österreich, Griechenland und Italien ... nur nicht in D.
Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.
Man könnte zwar, aber es würde die deutsche Wirtschaft als
plötzlicher, harter Schnitt, heftig erschüttern, weil Anpassungen extrem
schnell erfolgen müssten. Ob die Anpassungs-,
Veränderungsgeschwindigkeiten in der deutschen Wirtschaft en gros
ausreichen für so einen Schock? Es würde sicher 'irgendwie' gehen,
wahrscheinlich zum Preis einer deftigen Rezession (2008 war dagegen ein
Kindergeburtstag).
Es ging ja vor dem Euro auch. Allerdings war da die Weltwirtschaft nicht in einer deflationären Situation. Ein Ausstieg D's würde D die Möglichkeit nehmen seine Arbeitslosigkeit über den Euro zu exportieren. Die Exportindustrie würde zurückschrauben müssen, die Arbeitslosigkeit würde steigen, ggf. auf den europäischen Durchschnitt v. 13%.
Die Weltwirtschaft dürfte auf diesen Schock auch nicht gerade mit begeisterten Wachstumsimpulsen reagieren.
Aber es wäre wenigstens ein konsequenter Schritt, kein planloses destruktives Herumgeeiere (Soros hat das ja auch vorgeschlagen: "only germany can put it right". Textversion hier).
Mutig sein für diesen Schritt (Raus aus dem Euro,
eigenen Weg mit der DM 2.0) müsste man mindestens, wenn nicht ein
Hazardeur.
Halte ich heute für eine kaum gangbare Lösung.
Ich auch nicht.
Ich plädiere für ersteres.
Verstehe ich sehr gut.
Was wird denn eigentlich aktuell gemacht:
- aktuell wird versucht die Deflation dadurch abzuwenden, dass bestimmte
Vermögenspreise durch die Zentralbank hochgekauft werden, vorwiegend durch
Staatsanleihenankauf; das hat zur Folge, dass zwar die Banken
(Arbitrage-)Gewinne machen können, aber mehr Kredit für die KMUs gibt es
von diesen Banken deshalb noch lange nicht (deshalb mein Plädoyer für ein
CF
2.0)
Funktioniert nicht dort, wo es funktionieren soll (Gütermärkte, da wo Infla gemessen wird). Fiskalische Stimuli werden kommen müssen und WERDEN kommen. Ist nur die Frage, in welcher Form und wofür. In den 30ern war es Kriegswirtschaft.
- die tatsächliche deutsche Wettbewerbsfähigkeit (i.e. Innovationskraft,
nicht billige Arbeitskraft) wird stückchenweise dadurch ausgehölt, dass
die exportorientierten Unternehmen immer wieder durch den Weich-Euro
warmgeduscht werden, obwohl ihnen der (relativ zum Dollar) schwache Euro
nur bedingt hilft.
Durch den Weicheuro und durch das vergleichsweise niedrige Lohnniveau in D. Das nimmt Innovationsdruck raus.
Der Versuch eine europäische soziale Marktwirtschaft aufzubauen erscheint
mir intuitiv die gangbarste Zielrichtung. Kann mir nur schwer vorstellen,
dass ein deutscher Alleingang etwas wirklich Positives bewirken könnte.
Ein deutscher Alleingang kann zu nichts allzu sinnvollem führen, aber immerhin den Lähmungszustand Europas beenden.
Die Konsequenz ist: Deutschland sollte sich für die Integration entscheiden, aber seine Macht nutzen, um eine sinnvolle Konstruktion der EU - mit den von Dir angemahnten privat- und steuerrechtlichen Grundlagen - voranzutreiben.
Das würde - überspitzt gesprochen - auf eine quasi-preußische EU hinauslaufen (wer könnte den Neo-Bismarck-Part übernehmen?), die sicherlich im Süden nicht unbedingt nur auf Begeisterung stoßen würde. Ebensowenig in den USA, die einen Weich-Euro lieber sähen.
Dazu ist D derzeit unfähig - doch das Pushen für die rechtlichen Grundlagen könnte am ehesten aus D kommen und dürfte weniger aus GR, I, etc. kommen, die nicht daran interessiert sind, nicht von Soros, weil er es nicht begriffen hat und möglicherweise auch nicht daran interessiert ist (weiß ich nicht). Auch nicht aus den USA, die ebenfalls nicht an einem allzu starken Euro interessiert sein dürften.
Na dann, wo sind die think tanks? Wo finden öffentliche, konstruktive
Diskussionen statt? Wo wird diese "deutsche Frage" endlich ernsthaft und
klar gestellt?
In D leider nicht, im DGF (TINA-Forum) sicherlich erst recht nicht. Da gibt es hauptsächlich "Sink Tanks" - mit geschlossenen Augen.
Sogar hier im Forum lese ich immer wieder zwischen den
Zeilen, dass es in D ja gerade nichts zu entscheiden gäbe. Ist dann
eine sehr komfortable Position, wenn man den status quo gut findet und
gerne möchte, dass alle anderen auch glauben sollen, man könne gar nicht
anders.
So ist es: TINA ist eben bequem, und ja auch lang eintrainiert. Das Gegenteil von Proaktivität und strategischem Handeln: institutionalisierte Dummheit.
Es ist bezeichnend, daß in diesem Forum BEIDE Optionen abgelehnt oder ignoriert werden, und stattdessen mehrheitlich lähmende TINA-Kommentare kommen. Das war in diesem TINA-Forum immer schon so - vielleicht besteht ja genau DARIN auch seine ideologische Funktion: Perpetuierung von Handlungsunfähigkeit. Jedenfalls besteht sein EFFEKT darin.
Cui Bono?
, z.B.: "bisher habe ich nichts zu