....nur weil man es sich nicht erklären kann
mag mancher Leser schnell dabei sein, Verschwörungstheorien als Erklärung für Preisbewegungen heranzuziehen. Mit dem Themen, Verschwörung, Manipulation ist man zudem schnell in der Lage die Aufmerksamkeit auch anderer Leser zu gewinnen. Häufig wird bei diesen Aussagen jedoch nicht bedacht, dass es auch fundamentale Gründe gibt, die die Preise aufgrund von einer Angebots- bzw. Nachfrageverschiebung in eine neue Richtung tendieren lassen. Betrachtet man den Marktpreise aus der Sicht einer Momentaufnahme, mag sehr schnell der Gedanke einer Manipulation aufkommen.
Betrachtet man Märkte nicht nur aus einem engen Blickwinkel als Momentaufnahme sondern versucht auch längere Zeiträume in seine Überlegungen einzubeziehen und berücksichtigt zudem etwas Basis Infos wie Warenströme, Logistik u.a., so fällt es leichter einen komplexen Markt, wie es auch der Ölmarkt ist, besser zu beurteilen.
Außer dem Devisenmarkt kenne ich kaum einen Markt, der so schnell auf Veränderungen des Weltgeschehen reagiert wie der Ölmarkt. Politische Äußerungen, kriegerische Spannungen können den Markt sehr schnell reagieren lassen, ohne dass sich an der aktuellen Ölversorgung etwas ändert.
Die Veränderungen der Preise ist dann der Gradmesser, dass sich die Sicht über die Versorgungslage in der Welt geändert hat.
Änderungen in der Beurteilung der Marktteilnehmer über die Ölversorgung wird umgehend die Preise bewegen.
Gleichzeitig zur Veränderung der Spotpreisnotierungen WTI/Brent verändern sich aber auch die Notierungen der Forward Notierungen beim Öl über alle Notierungsverläufe im Öl- und Produktenbereich. Die Preisanpassungen werden täglich zu jeder Sekunde getroffen. In jedem Moment stimmt der Markt somit über das Risiko einer Rohölverknappung/Rohölüberangebot ab. Der Markt garantiert somit die Sicherstellung der Rohölversorgung an den Regionen der Welt, die den größten Bedarf haben. Dabei steigen die Preise bereits, auch wenn sich auch nur abzeichnet, dass es Versorgungsengpässe geben könnte. In umgekehrter Richtung reagiert der Markt ebenso schnell. Ein Überangebot kann die Preise rasch nach unten treiben.
Neben den Ölpreisveränderungen gibt es die Produktenpreise aus der Ölverarbeitung, sowie den Preis der Verarbeitung in den Destillationsanlagen dieser Welt. Soweit Raffinerien Produkten wirtschaftlich herstellen können, werden sie bestrebt sein, die Verarbeitung von Rohöl aufgrund hoher Margen zu maximieren. Derartige Marktlagen zeugen von erhöhter Verbrauchernachfrage und die Produkten Preise steigen. Nachlassende Nachfrage bei gegebenen Investments der Industrie bewirkt einen Druck auf Produkten- und Rohölpreise, sowie auf die Raffineriemargen. (Anlagen sind nicht ausgelastet.)
Die weltweiten Preisanpassungsprozesse aufgrund von Angebot und Nachfrage erfolgen im Ölmarkt relativ rasch. Der Markt ist bestrebt Marktungleichgewichte rasch auszugleichen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von den" kommunizierenden Röhren".
WTI/ Brent
die Preisbildung von WTI basiert auf den Ort cushing (liegt innerhalb der USA), der mit dem US Pipelinenetz verbunden ist und einen Knotenpunkt in der US Versorgung darstellt.
Bis vor wenigen Jahren waren die USA Importeur von Rohöl. Rohölimporte wurde an der US Küste gelöscht und via Pipeline in das Versorgungsnetz der USA eingespeist.
Der Importbedarf konnte nur sichergestellt werden, da die vs. Brent höheren WTI Notierungen ein incentive im Markt darstellten, um die am Weltmarkt gekauften Rohöle wirtschaftlich in die USA importieren zu können (incentive zur Abdeckung von Transport-Lagerkosten u.a.).
Aufgrund der Fracking Aktivitäten in den USA in den vergangenen Jahren wandelten sich die Bedarfsstrukturen in den USA. Aus einem Rohölimporteur wurde ein Rohölexporteur.
Diese Situation bewirkte, dass in den USA mangels logistischer Alternativen, Preisdruck auf den Ölpreis ausgeübt wurde und das WTI/Brent Preisdifferential veränderte sich von einem Aufpreis in einen Discount. Der Brent Preis liegt heute über dem WTI Preis.
Die weltweit nachlassende Konjunktur und das bestreben der Förderstaaten, die Ölförderraten nicht zu drosseln bewirkt den gegenwärtigen Druck auf die Ölpreise...
......bis es wieder aufwärts geht.
Gruß
KC