Ja, das Problem ist aber: wer nicht Chef einer Auffanggesellschaft ist, sondern Hartz-IV-Empfaenger ...
... der wird eben nie ernst genommen.
Weil: "Guck mal", sagt der Arbeitsberater "wenn der was taugte, der da vor mir sitzt, dann saesse er ja nicht vor mir".
Es ist wirklich so einfach!
Und DU sassest ja nicht in dieser Eigenschaft dort.
Du hast natürlich Recht, CM, dass man der Verwaltung allgemein und der Arbeitsverwaltung speziell, hm…… sagen wir: Gerüstet, d.h. geistig gerüstet gegenüber treten sollte.
Wer so geruestet ist, dass er die Arbeitsverwaltung geistig und rechtlich bezwingt, braucht keine Arbeitverwaltung. Alle andern dagegen werden von ihr aktiv an der Arbeitsaufnahme gehindert.
Aber es gibt überall sone und solche
Ja, sicher. Da war im KZ ein Obersturmbannfuehrer und der bruellte einen verschuechterten Juden an: "Du, Itzig, wenn Du erraetst, welches Auge von mir das Glasauge ist, dann lass' ich Dich am Leben".
"Das rechte, Herr Obersturmbannfuehrer!"
Der OStuBaF ausser sich vor Wut: "Du Saujud' - das wusstest Du vorher!"
"Nein, Herr Obersturmbannfuehrer - es blickt nur so guetig."
So einfuehlsam stelle ich mir die Gespraeche zwischen manchen ueberforderten Arbeitsberatern und ihren unterforderten "Kunden" auch vor ...
und ich habe in sechs Jahren Tätigkeit als Niederlassungsleiter einer Auffanggesellschaft bei der Arbeitsverwaltung im ganzen Rhein-Main-Gebiet viele Leute kennengelernt – Abteilungsleiter wie Vermittler, Sachbearbeiter wie Direktoren.
Ja, als Niederlassungsleiter.
Und was soll ich sagen: Überall gab es Unfähige – aber auch Fähige, Engagierte, solche, die wollten und sich bemühten.
Ja, hier in "A) Akte verschwunden I" - der Typ, der die Akte wieder"fand" war nicht nur kompetent - er hatte auch ein Herz.
1) Wer kompetent ist und ein Herz hat, arbeitet fuer den Kunden.
2) Wer inkompetent ist und ein Herz hat, arbeitet gegen den Kunden.
3) Wer kompetent ist und kein Herz hat, arbeitet gegen den Kunden.
Die Chancen stehen also bestenfalls 1:3.
Aber da noch die Masse
4) Wer inkompetent ist und kein Herz hat, arbeitet gegen den Kunden.
hinzukommt, stehen die Chance fuer den Kunden bestenfalls 1:20.
Und: der auf Ziffer 1) hat es nach ein paar Jahren am Herz und scheidet aus ... Oder wird weggemobbt. Oder kriegt einen Job.
In dieser Auffanggesellschaft hatten wir hunderte, manchmal tausende von Arbeitnehmern in neue Arbeitsverhältnisse zu transferieren (Dir dürfte dieser Modus als Homo Omnicognoscens wohl bekannt sein
Ja, vornehm "Outplacement" (-Versuche) ...
– Arbeitnehmer aus Firmen in strukturellen Krisen unter Bezug von Transfer-Kurzarbeitergeld für bis zu einem Jahr in einer Transfer- oder Auffanggesellschaft zu „parken“, auf dass sie dort dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt werden können).
Ja ... und ... was mich dabei sprachlos werden laesst - solange sind sie meines Wissens nicht in der Vermittlungsdatenbank, koennen also "vor der Zeit" von einem Unternehmer, der "genau so einen" braeuchte, nicht gefunden werden ... Stamokap laesst gruessen ...
Die guten Transfergesellschaften (wie die, in der ich arbeitete) versuchen das (die Vermittlung), die schlechten lassen die Arbeitnehmer mehr oder weniger allein. Wir wollten nun natürlich die Arbeitnehmer wieder vermitteln und da brauchte es auch die Arbeitsverwaltung. Und was soll ich sagen: Meistens halfen sie uns.
Ja, aber halt nur, weil das "von gleich zu gleich" ist. Und: ihr die Hauptarbeit gemacht habt.
Sei es bei der Organisation von Praktika zur Wiedereingliederung (bei der vor allem große Firmen als große Gauner auftraten – eine hier im Rhein-Main-Gebiet sehr große Firma fragte mich, ob wir ihnen 500 Praktikanten zur Verfügung stellen könnten für sechs Monate – danach würden sie dann 10 einstellen…..).
Ja, man kauft ja auch am 16. Maerz mehr Aktien, wenn es kostenlos ist. Und hinterher kommen wieder Aktienkundler und sagen, die Unternehmen haetten schlecht gewirtschaftet. WENN der Staat die Unternehmen qua Sozialkassen von ihrer Sozialverantwortung abspaltet, muss er diesen Teil auch gaenzlich uebernehmen.
Sei es bei Informationsveranstaltungen zum Bezug von ALG oder Transfer-KUG (Kurzarbeitergeld), bei Vermittlungshilfen in Form von Eingliederungshilfen für Ältere oder Vermittlungsgutscheinen, bei der Förderung von Weiterbildungen oder Umschulungen – die Arbeitsverwaltung hat mir bzw. uns meistens gut geholfen.
Ja, als Niederlassungsleiter
Mir haben sie auch immer geholfen. Bei jeder Behoerde. Beim zweiten Mal. Wenn ich unten das Gebaeude betrete, eilt oben schon der Behoerdenleiter in den Aufzug. Aber wehe, der "Kunde" kaeme ohne meine Begleitung ...
Ausnahme war die reine Vermittlungstätigkeit – es war selten, dass von der Arbeitsverwaltung gute Stellenangebote kamen.
Ja, aber das ist doch die Kernaufgabe!!!
Willst Du mir allen Ernstes erzaehlen: "Ok, der Konditor hat zwar sauschlechte Torten gebacken - aber als Knderbetreuer - erste Sahne, sag' ich dir"???
Mir schien persönlich, dass, je kleiner das jeweilige Arbeitsamt, desto hilfsbereiter die Mitarbeiter.
Ja, Dunbar laesst gruessen.
Wobei ich auch beim Arbeitsamt Frankfurt wirklich freundliche (und hilfsbereite) Herren kennenlernte. Grade bei den Älteren gab es hier und da eine Art Arbeits-Ethos, dass man dazu da sei, den Arbeitslosen wirklich zu helfen.
Ich will nicht abstreiten, dass es sowas gibt ... aber: Du warst als Niederlassungsleiter dort bzw. jeder wusste, wenn er nicht "spurt", Deinen Vertretern gegenueber, dann greift der Niederlassungsleiter halt zum Telefon. Wozu den erst bemuehen, gelle ...
Je jünger, desto eher fand ich ein Denken nach Fallzahlen vor. Auch Borniertheit und ein Kleben an Paragraphen. Es dürfte die letzten Jahre (meine Erinnerungen reichen bis 2008 zurück) eher schlimmer geworden sein.
Ja, das Schulsystem bildet halt immer besser aus ...
Aber wie gesagt: In der Mehrzahl der Fälle fand ich freundliche und hilfsbereite (und in zumindest geschätzt der Hälfte der Fälle) auch kompetente Mitarbeiter vor.
Ja, als Niederlassungsleiter!
Und es wurden uns (meistens) von der Arbeitsverwaltung weniger Steine in den Weg gelegt als von anderer Stelle.
Ja, steigerungsfaehig. Wenn es das AA verbremst, muessen groessere Bremskloetze her ...
Ein großer Konzern in Deutschland hatte mal entschieden, einige tausend Arbeitnehmer über uns abzubauen. Dafür wurden extra verschiedene Tarifverträge aufgesetzt.
Schon das ist ein dem deutschen Tarifsystem geschuldeter Albtraum. Hier ein paar hochbezahlte Jursten, dort ein klein wenig mehr Reibung und schon ... zieht sich der Vermittlungsprozess immer weiter in die Laenge!
In einem dieser Tarifverträge wurden Bestimmungen für die Finanzierung von langlaufenden Weiterbildungen festgesetzt (und durchaus generös).
Dieses Projekt war, da der Konzern bundesweit aufgestellt war, auch durch uns bundesweit betreut. Ich stellte eines Tages die papiermäßig ziemlich umfangreichen Anträge auf Weiterbildungen für – ich glaube – drei oder vier von uns betreute Arbeitnehmer. Es stellte sich dann heraus, dass niemand den Tarifvertrag genau gelesen hatte (es war ein Unter-Tarifvertrag, der sich auf andere bezog) – die Anträge wanderten zum Beirat des Konzerns und drei Monate später wurde ein neuer Tarifvertrag aufgesetzt, in dem die generösen Bedingungen nicht mehr enthalten waren. Fand ich spannend.
Nun haben wir also noch dazu: erst mit teuren Juristen einen Vertrag konzipieren, der die verfuegbare Geldmenge fuer Konzern und Arbeitnehmer weiter reduziert, dann ab in den Papierkorb. Wenn ich denke, was ich mit einem Zehntel angefangen haette ...
Umgekehrt haben auch wir, d.h. die Transfergesellschaft, dazu beigetragen, neue Stellen in der Arbeitsverwaltung zu schaffen.
Jetzt wird's skurril. Da lagert die Arbeitsverwaltung Kernaufgaben aus und schafft dann bei sich dennoch neue Stellen. Goettlich ...
In einem Projekt im südhessischen Raum stellten wir gegenüber dem örtlichen Arbeitsamt für etwa 70 Arbeitnehmer Anträge auf Förderung gemäß ESF (Europäischer Sozialfond).
Noch so eine Missgeburt. Dank Multiplier.
Da die meisten Arbeitnehmer mehr als eine Schulung machen wollten und ein Antrag einzeln (ich glaube) 10 oder 12 Seiten umfasste, war es dann ein recht dickes Paket, was der freundliche Herr von der Arbeitsverwaltung ohne zu Schlucken entgegennahm. Als wir allerdings ein Jahr später die nächsten Anträge stellten, hatte er auf einmal zwei Kolleginnen an seiner Seite. So haben auch wir zu neuen Arbeitsplätzen beigetragen.
Ja, das Schlucken muss vergemeinschaftet werden. Clinton hatte auch Damen zum Schlucken ...
Schlussendlich: Richtige Gaunereien habe ich auf unserer Seite (nicht bei unserer Firma, aber bei mit uns kooperierenden Firmen) erlebt, aber nicht oder in weit geringerem Umfang bei der Arbeitsverwaltung. Eine Firma, die bei einem Großprojekt für uns die Bewerbungstrainings für tausende Arbeitnehmer übernommen und das wohl nur bekommen hatte, da deren Geschäftsführer ein Golfkumpel vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Arbeitsagentur war,
Setzen wir mal eins drauF:
G) Die Doppel-Promotion in Staatsdiensten
Wer eine Statistik der Direktoren der deutschen Arbeitsaemter macht, stellt verdaechtig viele Dr. Dr. fest. Der erste Doktortitel stammt aus dem Studium. Der zweite wird "nebenher" erworben, wenn man alle Haende voll zu tun hat als Direktor.
Auch hier wieder: Weiterbildung durch Bundesagentur funktioniert zufriedenstellend ...
hatte zum Beispiel die die Förderung für diese Trainings bei der Arbeitsagentur beantragt (was man machen konnte).
Damals gab es eine interne Weisung der Arbeitsagentur, nach der man auch bei Arbeitnehmern, die nur einen Tag im Training waren, den vollen Monat finanziert (Hintergrund waren Ausnahmefälle wie Erkrankungen oder dass jemand kurzfristig eine Arbeitsstelle fand). Diese findige Firma machte daraus aber den Vorgang, die Leute für das Training einzuladen, sie dann nach einem Tag nach Hause gehen zu lassen und von der Arbeitsverwaltung das Geld für einen Monat Training einzusacken. Bei einigen tausend Arbeitnehmern kam da schon einiges rum, es war allerdings wohl kein zukunftsträchtiges Modell. Die Firma ging denn auch nach ein paar Jahren pleite.
Das sieht nur so aus. Pleitegehen ist legale Steuer- und Kostenvermeidung.
Allerdings muss ich zu meiner Schande sagen, dass wir Statistiken auch als ein kreatives Gut betrachteten (wie alle anderen Mitbewerber auch). Da konnte ein Toter schon mal als „vermittelt“ (vielleicht in eine bessere Welt?) in der Statistik auftauchen oder Dauerkranke als „nicht arbeitslos“ geführt werden. Die normalen Zwänge des Berufslebens halt.
Ja, aber schlecht fuer's Karma ...
Aber nochmal: Auch in der Arbeitsverwaltung arbeiten Menschen. Und das sind nicht alles unfähige Stümper.
Nein, wie schon gesagt, da gibt es Ausnahmen. Aber 1:20 halte ich schon fuer geprahlt. Und: wer OHNE Anreizsystem gute Arbeit zu leisten imstande und willens ist, geht eh in die freie Wirtschaft!
P.S.: Du kennst sicherlich dieses Buch? Das war mir und meinen Kollegen damals eine Super-Argumentationshilfe gegenüber der Arbeitsagentur.
Ja, das TuWas-Projekt kannte ich oberflaechlich. In Koeln gibt es eine gute Sozialrechts-"Kanzlei" (war nie selbst vor Ort, wenn sie geoeffnet war). Das ist ein Kiosk, da stehen gewiefte Taktiker und gegen ein Bier machen die, habe ich mir sagen lassen, eine hervorragende Sozialrechts-Beratung! ![[[freude]]](images/smilies/freude.gif)
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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