Bräuchte? Brauchte? ... würde brauchen? Die Sprache im Wandel ...

Literaturhinweis, Donnerstag, 29.12.2016, 17:27 (vor 3361 Tagen) @ Literaturhinweis4166 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 29.12.2016, 17:48

Ein freundlicher Leser wies mich darauf hin, dass das o.g. 'bräuchte' eher Unterschicht-Slang (meine Wortwahl seiner Bedeutung) sei.

In der Tat wird diese Meinung vertreten, und historisch wäre der Wortgebrauch 'brauchte' "richtiger" - jedoch, dieses ist gleichzeitig die Vergangenheitsform von 'brauchen' und kann daher mißverständlich sein (vgl. auch holte, baute usw.). Der Konjunktiv mit "würde" wiederum ist auch nicht jedermanns Sache, zumal er einen sprachlichen Umweg einfordert über eine Hilfsverbkonstruktion - aber erst in neuerer Zeit mit einem Bann belegt wurde, den ich wiederum nicht teile.

Ich habe mich daher der Ansicht verschrieben, daß, wenn es 'bräuchte' nicht gäbe/geben würde, man es erfinden müßte/würde erfinden müssen.

Mit dieser Ansicht stehe ich nicht ganz allein auf weiter Flur - der stetige Sprachwandel geht in diese Richtung, auch wenn ich 'Ich geh' Aldi' nach wie vor für einen stilistischen Faux-Pas halte (nicht 'hielte').

Vgl. http://www.grammatiktraining.de/konjunktiv2/grammatikuebersicht-konjunktiv2.html

http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/ada/rund...

http://www.deutsch-als-fremdsprache.de/austausch/forum/read.php?4,30464
"Aufgrund dieses Gebrauchs von 'brauchen' als Modalverb entsteht die Analogiebildung eines eindeutigen Konjunktivs. Während 'könnte' eindeutig als KII-Form identifiziert werden kann (Ich könnte das tun), funktioniert das bei 'brauchen' nicht, also wird der Umlaut gesetzt."

http://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idThread=119535
"Die korrekte Form wäre hier 'brauchte'. Das wird aber inzwischen millionenfach falsch angewendet (bräuchte), so daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Duden das 'genehmigt', wenn er es ohnehin nicht schon tut."

http://www.gutefrage.net/frage/gibt-es-das-wort-braeuchte-wirklich-nicht-und-wieso-wird...
"Der Duden führt 'bräuchte' ... als umgangssprachlich auf und somit wird bestätigt, dass es das Wort gibt."

('Umgangssprachlich' ist etwas anderes als Dialekt oder Soziolekt - etwas, das umgangssprachlich gebräuchlich [in Gebrauch] ist, wird ebenso vom Professor wie der Putzfrau verwendet - nur von beiden nicht in ihren Vorlesungen.)

Wenn man genauer hinschaut, wird man bei mir noch weitere sprachliche Idiosynkrasien finden, die ich mir erlaube, weil ich sie als verständlicher empfinde als den sog. 'Norm'-Sprachgebrauch, den es streng genommen nie gab, denn Orthographie und (wissenschaftliche) Linguistik (das ist etwas anderes als Klippschulgrammatik) waren stets deskriptiv. Das Präskriptive hat erst mit der jüngsten, grandios gescheiterten, 'Recht' 'schreib' 'reform' Einzug gehalten, über den Umweg über sprachwissenschaftliche Stümper in Ministerien und der Päda'gogik', flankiert von speichelleckenden Professoren im Staatssold, die nicht mal Etymologie beherrschen. Solchem Pack gehört wie Guttenberg und Schavan die Promotion entzogen (habilitiert hat so jemanden hoffentlich niemand?!), man hätte nicht mal Lateinkenntnisse dafür benötigt, sondern einfach nur Wikipedia von einem Studenten nachlesen lassen müssen. Oder Musiker sein.

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